Letter from Erna and others to Gerhard, undated
- Format
- letter
- Category
- Stories
- Subcategory
- Hanna Rosenberg Gradwohl
- Data URI
- soh.sto005.00822.xml
Mein lieber Gerhard!
Was hat sich alles in der Zwischenzeit ereignet, seit ich Dir das letzte Mal schrieb... Eben haben wir Vater den Tod des lb. Fritz beigebracht, es war schrecklich und er wird schwer darüber hinwegkommen, weil er so ganz mit den Nerven herunter ist. Wie er eigentlich gestorben ist, darüber wissen wir selber nichts genaues, Alice hatte ihn abends verlassen als er seinen Reisbrei ass und ihm ganz wohl war. Und der arme Onkel Julius. In so vielen Familien ist es genau wie bei uns.
Und zur Hauptsache. Wenn wir heiraten, ist das der beste Weg. Das kannst Du von drüben nicht so gut beurteilen. Ausserdem kommt es, wenn man an die Zukunft denkt sowieso auf dasselbe heraus, denn Erna wird deshalb doch ihre Stelle annehmen und ich dieselben Möglichkeiten zur Arbeit etc suchen wie sonst auch. Es ist praktisch nur eine Formsache resp. wir nehmen etwas vorweg, was wir über kurz oder lang je nach den Möglichkeiten doch getan hätten. Wir haben einen sehr guten Fachberater, der auch unbedingt zu diesem Schritt geraten hat und unserer Sache bearbeitet. Es muss ausser einer formellen Genehmigung des Vormundschaftsgerichtes (wegen des minderjährigen Kindes) nur noch eine nachtraegliche Erklärung des Affidavitgebers von Erna beigebracht werden, dass er nichts dagegen einzuwenden hat. Beides ist schon in die Wege geleitet und wird hoffentlich gelingen. Ich muss dann versuchen einen persoenlichen Termin beim Vizekonsul zu erreichen, um die gleiche Nummer zu benutzen. Vorher muessen wir heiraten, aber das Aufgebot wird nicht eher bestellt, bis die obengennanten Erklaerungen da sind. Solange unternehmen wir nichts, auch ich nicht in Hamburg, sondern lasse die Affidavits da ruhig liegen. Es besteht die Moeglichkeit, dass diese neu gegeben werden muessten, weil sie zu alt werden, aber das werden die Gr. schon tun. Da warte ich aber erst und gebe Bescheid, weil Deins ja auch wertlos wird. Dann, wenn alles klappt, will ich versuchen, dass die Eltern meine Nummer in H. erben. Das muesste doch gehen, vorausgesetzt, dass es ueberhaupt geht. Gib diesen Brief bitte an die lb. Speiers weiter, denn ich bin noch reichlich durchgedreht und brauche dann nicht alles doppelt zu schreiben. Gestern wie man uns die Raueme versiegelte, haben wir uns auch nochmal schrecklich aufgeregt ueber die Form und leider war auch Vater dabei. Das Auto ist auch beschlagnahmt. Wie und wann da abgewickelt wird, wissen wir nicht, sind auch nicht befragt worden. Lt. Verordnung hatten wir die Schluessel abzuliefern und es wurde uns jedwede Bestaetigung untersagt. Zahlungen werden auch durch den Eingesetzten gemacht, ich will Montag mal Geld für privat beantragen, heute ging es nicht mehr, weil wir nicht auf die Strasse durften. Na, Du hast es gewisss genau wie wir alles in der Zeitung gelesen.
Hoffentlich bringen wir Vater bald wieder auf die Beine, er hat sich sher tapfer die letzten Wochen gezeigt und mancher in der gleichen Verfassung hat es nicht so überstanden. Gut, dass er zu Hause bleiben konnte und ihm die tägl. persönl. Meldung auf der Polizei gestundet ist. Unser Wolferm. und Sommer sind noch nicht wieder hier, letzteren habe ich reklamiert, denn die Bücher müssen doch in Ordnung kommen, soweit das möglich ist. Vielleicht lässt ihn der Treuhänder zu, weil so vieles verloren ging und er sich sicher auf manches besinnen kann. Entschuldige, wenn der Brief ein bisschen durcheinander ist, aber hier wird so viel geschwatzt und unserer Zimmer sind noch nicht alle in Ordnung. Erna hat sich diese schwere Zeit sehr bewährt und tüchtig geholfen, sie machte auch mit mir die Übernahme im Tepphs, und hat sich auch sonst sehr nuetzlich gemacht. Es war so schön, dass ich sie hier auch gleich begrüssen konnte, denn ich wusste nicht, dass die lb. Mutter sie hatte kommen lassen. So, das ist der erste zusammenhängende Brief, den ich wieder schreibe, mach es gut und falls nicht schon etwas geschehen ist, lass es mal mit einer Mitteilung an das hamb. Kons., da ich doch nun evl. doch in Berlin lande.
Lieber Gerhard!
Nun kommt mal wieder alles ganz anders, als wir es erwartet hatten, und wir koennen nichts tun als abwarten und hoffen, dass es zum Guten ist. Was irgend in unserer Macht steht, den Gonny herauszubekommen, tuen wir. Meine Eltern und ich haben zum 20. März Termin zur Untersuchung und hoffen, dass es gleich anschliessend das Visum gibt, nicht nur für uns, sondern auch für Deinen grossen kleinen Bruder. Seit einer Woche bin ich jetzt hier, und habe allerhand mit erlebt, und ich muss sagen, von allen am schwersten hat es die Mutter gehabt und dabei immer den Kopf oben behalten. Wenn ich so ein kleines bißchen mit helfen konnte, so hat mich das sehr glücklich gemacht. Morgen fahre ich wieder heim nach Halb., mein Vater ist auch seit einigen Tagen wieder zurück, und es gibt sicher auch bei uns allerhand Arbeit. Nun leb wohl und lass es Dir gut gehen.
Viele herzliche Gruesse, Deine ErnaMein l. Gerhard! Ich will nur kurz anschreiben und [?] sagen, daß es so leidlich wieder geht, man kann diese Schicksalsschläge kaum verdauen, es ist [?] und die Zukunft für uns ist mehr als traurig. Du kannst dir denken, wie schwer der Verlust des guten Fritz, [?] unvergeßlichen Bruders war, daran zu denken bringt einem zum Wahnsinn. Daß wir arme Leute werden ist nicht so schlimm, nur daß [?] das drum u. dran mit ansehen muß. Wir wollen sobald es nur geht nus. [?], an der wi so gehanngt haben, verlassen. [?] H. ist ni [?] wegen Aufnahme u. Uebergabe des Geschäftes, Tante Tilly erholt sich ganz gut, die 4te Operation ging glatt, man schneidet innen ein Stück [?] heraus. Wennn ich mich mehr gesammelt habe, werde ich die denn ausführlich schreiben.
Leb wohl, [?] Gruß u. Kuß dein Vater Meine liebe Speiers,der in meinem gestr. Brief zitierte Brief v. E. war vom 5. (Flugpost). Er sagt im Ganzen nichts Neues, ich wuerde ihr nur aufheben. - Sobald ich mehr [?], teile ich es Euch sofort mit. - Der vorlieg. Brief kam heute morgen
Herzlichst Euer [?]What has happened in the meantime since I last wrote to you... Just now we have told Father of dear Fritz’s death, it was dreadful, and he will find it very hard to get over it, because he is at his wit's end. We ourselves don’t know exactly, how he actually died. Alice had left him that evening while he was eating his rice porridge and was feeling quite well. And poor Uncle Julius. In so many families it is exactly the same as with us.
And now to the main matter. If we marry, that is the best way. You can’t really judge that so well from over there. Besides, when one thinks about the future, it all comes down to the same thing anyway. Because Erna will take her job after all, and I will look for the same opportunities for work etc., as I would otherwise. It is practically just a formality, or rather, we are anticipating something that we would have done sooner or later anyway, depending on the circumstances. We have a very good adviser, who has strongly recommended this step and who is also handling our case. In addition to formal approval from the guardianship court (due to the minor child), only a subsequent declaration from Erna's affidavit provider needs to be provided, stating that he has no objections. Both are already underway and will hopefully be successful. I will then have to try to arrange a personal appointment with the vice-consul in order to use the same number. First we have to get married, but the banns will not be published until the above statements have been received. As long as that is the case, we will not take any action. Including in Hamburg. But I will leave the affidavits where they are. It is possible that they will have to be reissued because they are becoming too old, but the Gr. will take care of that. I'll wait and let you know, because yours will become invalid too. Then, if everything works out, I'll try to get my parents to inherit my number in H.. That should be possible, assuming it's possible at all. Please pass this letter on to dear Speiers, because I've gone completely crazy and don't want to have to write everything twice. Yesterday, when they sealed the rooms, we got terribly upset again about the form and unfortunately Father was there too. The car has also been confiscated. We don't know how and when this will be settled, nor have we been asked. According to the regulation, we had to hand over the keys and were not allowed any confirmation. Payments are also made by the person in charge. I want to apply for money for private use on Monday. It wasn't possible today because we weren't allowed on the streets. Well, you've probably read everything in the newspaper, just like us.
Hopefully we will get Father back on his feet soon. He has been very brave over the last few weeks, and many others in the same condition have not survived. It's good that he was able to stay at home and that the daily personal report to the police has been postponed. Our Wolferm. and Sommer are not back yet. I have complained about the latter, because the books must be put in order as far as possible. Perhaps the trustee will allow him to do so, because so much has been lost and he can certainly remember some things. I apologize if the letter is a bit confusing, but there is so much chatter here and our rooms are not all in order yet. Erna has proven herself very capable during this difficult time and has been a great help. She also helped me with the takeover at Tepphs and has been very useful in other ways as well. It was so nice that I was able to welcome her here right away, because I didn't know that dear Mother had sent her. So, this is the first coherent letter I've written since then. Take care, and if nothing has happened yet, send a message to the Hamburg Consulate, as I may end up in Berlin after all.
Dear Gerhard! Once again, everything is turning out completely different than we had expected, and all we can do is wait and hope that it will turn out well. We are doing everything in our power to get Gonny out. My parents and I have an appointment for an examination on March 20 and hope that we will receive our visas immediately afterwards, not only for us, but also for your big little brother. I have been here for a week now and have experienced all kinds of things, and I have to say, that my mother has had the hardest time of all, yet she has always kept her chin up. If I was able to help even a little bit, that made me very happy. Tomorrow I'm going back home to Halb., my father has also been back for a few days, and I'm sure there's plenty of work to do at home too. Take care and have a good time. Many warm regards,
Your ErnaMy dear Gerhard! I just want to write briefly [?] and say that things are going fairly well again, It is difficult to digest these blows of fate, it is [?] and the future for us is more than sad. You can imagine how difficult it was to lose dear Fritz, [?] unforgettable brother, thinking about it drives one mad. The fact that we are becoming poor is not so bad, except that [?] have to watch everything around it unfold. We want to leave as soon as possible [?], to which we were so attached. [?] H. is not [?] because of the takeover and handover of the business, Aunt Tilly is recovering quite well, the 4th operation went smoothly, they cut out a piece [?] inside. When I have gathered my thoughts, I will write to you in detail.
Farewell, [?] Greetings and kisses, your father My dear Speiers,The letter from E., quoted in my letter from yesterday, was dated the 5th (airmail). It says nothing new overall, I would just save it. - As soon as I have more [?], I will let you know immediately. - The present letter arrived this morning.
Yours sincerely [?]