Letter from Clara Lara, Ben, and Selma to Ilse and Ludwig Rosenberg, October 19, 1938

Date
October 19, 1938
Format
Category
Sender(s)
Clara Lara
Ben
Haas, Selma
Sent from
Halberstadt, Germany
Recipient(s)
Rosenberg, Ilse Speier; Rosenberg, Ludwig
  Meine Lieben

Euren Brief habe ich leider nicht u. kann auch deshalb nicht auf ihn eingehen, Hete wollte den Brief mal Walter schicken. Hoffentlich sind bei euch die Feiertage gut, vorübergegangen wie das auch bei uns der Fall war, auch bin ich froh daß sie vorüber sind man hat mehr Arbeit u. es kostet ja auch immer mehr, aber diverse Nichten von Ben auch Edith waren uns aufmerksam[?] das hilft Euch[?] immer mit. Zu Deinem Geburtstag lb. Ilse gratuliere herzlichst, wünsche dir Euch allen nur das Beste, weiter viel Glück u. Freude bes. an Eurem herzigen Kind, ich sehe mir öfter das Bild an, es ist doch ganz entzückend möge es euch allen weiter nur Freude bereiten, Ihr habt diesmal garnichts von dem Kind geschrieben. Nun unsere Kinder haben gl. auch gute Nachrichten, sie sind gl. gesund, aber sonst ist es dort sehr schwer. Gestern bekamen wir von Felix Rosenthal Brief von Falkensteins mit dem wir uns sehr freuten, es ist ein sehr interessanter Brief, wir sollen ihn nach Wien schicken, ich habe gerade der Trude geschrieben, will ihr aber dieser Tage Post[?] schicken, weil[?] ich nicht weiß wie lange sie noch in Wien ist, ich lege   Euch einen Brief von Trude bei, sie ist sehr schlimm dran tut mir so leid, daß man ihr so garnicht helfen kann, von Martha war es sehr lieb, ihr das Geld zu schicken, sie hat ja auch Falkensteins gegeben, aber sie kann es ja g. s. d. u. wenn sie ja mal fortgeht ist ja doch das alles vorbei, ich darf garnicht daran denken. —Josephs Bulis[?] sind nun schon in Erez gelandet, es ist ihnen sehr schwer geworden hier fortzugehen. Lindheimer fährt die Woche nach Amerika zur Orientierung, Kober wird sie am Schiff erwarten hörte[?] ich, sie werden dann wohl auch bald fort gehen W. E.[?] u. auch sein Bruder Adolf, haben jetzt die Genehmigung bekommen, Adolf u. Edith gehen dann nach Berlin, es ist möglich, daß er dann mit ihnen nach Afrika geht, dann wird er Hete heiraten sonst könnte er ja nicht mit, aber es ist auch möglich daß Erich[?] der ja auch jetzt in Erez mit seiner Familie ist, ihn anfordert wenn[?] er eine [?] zu finden, es geht ja alles nicht so schnell. Dies Jahr war nicht soviel [?] im Tempel, braucht[?] nicht mehr soviel Kinder, Knopf[?] hatte Chasan Bereischis[?] der Rabbiner hatte in der Klaus Empfang[?] mit Er. Frankl zusammen. [Proper Name][?] ziehen heute aus, sie bekamen bei Frau Levin[?] in der Dominikanerstr[?] 2 Zimmer u. eine Küche wirdist eingerichtet, Walters Geschäft ist auch ziemlich erledigt, er ist auch seinen Nerven sehr runter, sie sind sehr zu bedauern, die j. Geschäfte müssen   an ihren Laden ein Schild haben j. Geschäft, es sind nicht mehr viele j. Geschäfte hier[?]. Hete muß im April nun auch wieder ausziehen, das Haus ist verkauft u. ist allen Mietern gekündigt, sie nimmt sich vielleicht möblierte Zimmer, die ihr verschiedentlich angeboten sind (Sondheims Foni Dr. Weiß, Tannenberg etc.) aber die wandern ja auch aus u. ist es immer nur für einige Zeit, aber Hete geht ja vielleicht auch fort, sie weiß es aber selbst noch nicht. Ihre Schwester Else ist jetzt auch mit ihrem Mann nach Amerika, sie war in Aschersleben hat sich dort verabschiedet, Hete ist dann rüber gefahren. Selma hat vor den Feiertagen bei Seckbach für die Gemeinde gearbeitet, auch heute ist sie wieder dort, es ist so schön, wenn sie sich öfter mal einige Mark verdient, die Ofd. 75 u. auch dem Werner Cohn u. Blud gibt sie Unterricht in Schreibmaschine etc. Nun habe aber von mir genug erzählt u. möchte auch bald auch von u. über Euch sonst recht viel hören. Meta Israel hat schon viel von ihren Sachen verkauft, hat aber nach genug [?]. Sie wird wohl am 1 Dezember hier fortgehen, vielleicht erst in Pension u. dann einen Platz u. U.[?] in Leipzig ins Altersheim. Seid für heute aufs herzlichste gegrüßt von Eurer Tante

Clara Lara.

Selma hat auch Frl. Spann (jetzt Frau Berger) in Düsseldorf besucht, es geht ihr ganz gut, sie muß aber aber gleich[?] wieder arbeiten, aber es macht ihr Freude.

 

Liebe Ilse! Zu deinem Geburtstag gratuliere ich auch recht herzlich u. wünsche dir alles Gute fuer dein neues Lebensjahr bleib mit deinem geliebten Kind nur munter u. möge es Euch immer Freude bereiten Die l. Clara hat alles Neue geschrieben bleibt mir kein Stoff mehr über. Lebet alle recht wohl u. seid herzlich gegrüßt von

Eurem Onkel Ben

Ich habe Jom Kippur gut gefastet, war aber gar nicht im Tempel, denn die Luft kann nicht vertragen. Nachdem Dr. Crohn nicht mehr hier ist, begab ich mich kürzlich zu Dr. Brügel, der mich genau untersuchte u. fand mein Befinden meinen alten entsprechend gut.

Meine Lieben, mit Eurem lb. Brief haben wir uns wie immer[?] sehr gefreut. Nun sind deine Geschwister natl[?] auch schon wieder hier. Ich kann mir denken, dass das schöne Tage für Euch waren. Wie geht es deiner Mutter? — Zu deinem Geburtstag, lb. Ilse gratuliere dir recht, recht herzlich. Bleib mit Deinen Lieben nur gesund, und möge dir in Deinem neuen Lebensjahr nur Gutes beschieden sein! Was macht denn Muschilein? Sie muss ja ganz süss sein. — Meine Beschäftigung im Gemeindebüro macht mir viel Freude. Leider habe ich aber nur dort[?] zu tun, wenn viel zu schreiben ist. Eine 2. Kraft kann sich die Gemeinde ja nicht leisten. — Was hört Ihr von Franks? Ob Trude auch schon dortin New York ist? — Tante Hete hatte uns zu ihrem Geburtstag zum Kaffee eingeladen. Der Kreis ist natürlich sehr klein geworden, ist jetzt aber durch Frau Plaut u. Fr. Levin ergänzt! Frau Plaut's Sohn geht mit Karl Nussbaum zusammen nach Brasilien wo N. eine Farm gekauft hat — Dass Hanna Crohn sich nur standesamtl. hat trauen lassen u. Crohn's nach Costarica wollen wisst Ihr vielleicht. Frau Dr. hat ihren Anteil am Haus an einen Dentisten verkauft. — Der alten Frau Emil Baer geht es nicht gut. Sie kennt mein anden[?] mehr. In Elberfeld habe ich eine wunderschöne Zeit verlebt. Sie waren riesig aufmerksam an mir.

Dort ist man dort nicht so gedrückt wie hier. Plaut's haben zum 1.11. ihr Geschäft verkauft. Es ging bisher noch gut. Nun muss ich schliessen. Seid alle innigst gegrüsst von

Eurer Selma
German | English (translation)
  My dears,

Unfortunately, I don't have your letter and therefore cannot respond to it. Hete wanted to send the letter to Walter. I hope the holidays went well for you, as they did for us. I'm also glad they're over; there's more work and it costs more and more, but several nieces of Ben's and Edith were attentive to us. That always helps. Happy birthday, dear Ilse! I congratulate you most sincerely and wish you all the best, continued happiness and joy, especially with your lovely child. I often look at the picture; it's quite delightful. May she continue to bring you only joy. You didn't write anything about the child this time. Well, thank God our children also have good news; thank God they are healthy, but otherwise, things are very difficult. Yesterday we received a letter from Felix Rosenthal by the Falkensteins which we were very happy to receive, it is a very interesting letter, we are to send it to Vienna; I just wrote to Trude, but I want to send her mail in the next few days, because I don't know how much longer she will be in Vienna; I'm enclosing   a letter from Trude; things are very bad for her. I feel so sorry for her that there is nothing we can do for her. It was very kind of Martha to send her the money; she also gave Falkensteins [money], but she can afford it. Whenever she emigrates, it will be all gone, anyway. I mustn't even think about it. Joseph's Bulis[?] have already landed in Erez; it was very difficult for them to leave. Lindheimer is going to America this week (for orientation); Kober will be waiting for them at the ship. I heard that they'll be leaving soon. W. E. and his brother Adolf have now received permission [to leave]. Adolf and Edith will go to Berlin at that time. It's possible that he'll go to Africa with them; in that case he'll marry Hete; otherwise, he wouldn't be able to go. But it's also possible that Erich, who is currently in Erez with his family, will request him if he finds a [?]. Things are not happening very quickly. This year there wasn't so much [?] in the Temple; one doesn't need[?] so many children anymore, Knopf[?] was cantor [and read?] bereshit[?]; the rabbi had a reception in the klaus together with Er. Frankl. [Surname][?] are moving out today; they got two rooms, with a kitchen being added, at Mrs. Levin[?]'s on Dominikanerstr[?], Walter's business is also pretty much done for, he's very much at his wit's end; it is really a pity; all the Jewish businesses must   have a sign saying "Jewish business;" there aren't many more Jewish businesses here. Hete has to move out again in April, the house has been sold and all the tenants have been given notice. She might take furnished rooms that have been offered to her (Sondheim's, Dr. Weiß, Tannenberg, etc.), but they are all emigrating too, so it is only ever for a short time. But Hete might leave too; she doesn't know yet. Her sister, Else, has also gone to America with her husband. She was in Aschersleben and they said goodbye there; Hete went over there. Selma worked at Seckbach's for the [Jewish] community before the holidays. She's there again today; it's so nice when she earns a few marks now and then. 75 marks, and she also gives Werner Cohn and Blud typewriting lessons etc. Now I have told you enough about myself and would like to hear much more from and about you soon. Meta Israel has already sold many of her things, but has enough [?]. She will probably leave here on December 1st, perhaps first for a boarding house and, if conditions allow, for a place in a retirement home in Leipzig. Warmest greetings for today from your aunt

Clara Lara.1

Selma visited Miss Spann (now Mrs. Berger) in Düsseldorf; she is doing fairly well, although she has to start working again right away, but she enjoys enjoys it.

 

Dear Ilse! I, too, am sending you my warmest congratulations on your birthday and wish you all the best for your new year. Stay cheerful with your beloved child and may she always bring you joy. Dear Clara has written about everything that is new, there's no more material left for me. Farewell to everyone and warmest greetings from

your Uncle Ben

I did well about fasting on Yom Kippur,2 but I didn't go to Temple at all, because I cannot handle the air. Since Dr. Crohn is no longer here, I recently went to see Dr. Brügel, who examined me thoroughly and found my health to be good, given my age.

My dears, we were very happy with your dear letter as always. Now your siblings are, of course, back home again. I can imagine that those were wonderful days for you. How is your mother? I am sending you many happy returns for your birthday, dear Ilse. Stay healthy with your loved ones, and may only good things befall you in your new ypear of life! What's Muschilein up to? She must be so sweet. — I enjoy my work in the Jewish community office very much. Unfortunately, I only have work there when there's a lot of writing to do. The community can't afford a second person. — What do you hear from Franks? Has Trude also already arrived therein New York? — Aunt Hete invited us for coffee on her birthday. The circle has naturally become very small, but is now supplemented by Mrs. Plaut and Mrs. Levin! Mrs. Plaut's son is going to Brazil with Karl Nussbaum where N. has bought a farm. — You may already know that Hanna Crohn only had a civil ceremony when she got married and that the Crohns want to go to Costa Rica. Dr. Crohn's wife sold her share of the house to a dentist. — Old Mrs. Emil Baer is not doing well. She doesn't know [?] anymore. I had a wonderful time in Elberfeld. They were incredibly attentive to me.

One isn't as downcast there as one is here. The Plauts are selling their business November 1st. It is going all right so far. Now I have to close. Warmest greetings to you all from

Your Selma

Notes

1. Aunt Clara Lara and Uncle Ben have not been further identified; the third letter writer, Selma Haas (born 1870, perhaps their daughter) emigrated with her daughter Getrud, her son-in-law Julius Plaut, and her three grandchildren from Wuppertal-Elberfeld, Germany, to New York, New York, in February 1940. This letter was sent to the Speiers and Rosenbergs on the occasion of Ilse Speier Rosenberg's birthday on October 25, 1938, from Halberstadt, Germany, where the Speiers had lived until 1936. [back]
2. Yom Kippur is the Jewish day of fasting and seeking forgiveness, which fell on October 5 in 1938; Clara also references Sukkot the following week (October 10-16, 1938), which has just ended. [back]