Letter from Theodore and Herbert Falkenstein to Karger and Speier families, November 4, 1938
- Date
- November 4, 1938
- Format
- letter
- Category
- Stories
- Subcategory
- Hanna Rosenberg Gradwohl
- People
- Mazur
- Cohn, Ludwig
- Eckmann
- Nehmann
- Goldman
- Gerhard
- Edith
- Louis
- Falkenstein, Theodore
- Martha
- Falkenstein, Rosa Speier
- Goldmann, Max
- Erich
- Alltreu
- Speier, Käte
- Oskar
- Falkenstein, Herbert
- Falkenstein, Annelie
- Wachtel
- Alfred K
- Wendt
- Karger
- Speier, Alfred
- O. F.
- Places
- Buchenwald concentration camp
- Rudolstadt, Germany
- Gera, Germany
- Goerlitz, Germany
- Berlin, Germany
- Munich, Germany
- Weimar, Germany
- Gotha, Germany
- Leipzig, Germany
- Data URI
- soh.sto005.00884.xml
- Sender(s)
- Falkenstein, Theodore
- Falkenstein, Herbert
- Sent from
- Melbourne, Australia
- Recipient(s)
- Speier, Käte; Speier, Alfred
- Received at
- Lincoln, Nebraska
Melbourne, den 4. November 1938
1563 High Street, Gleen Iris.
Liebe Kargers, liebe Speiers!
Heute moechte ich mit meinem Bericht beginnen. Auf der Mosel waere ja die allerbeste Zeit hierfuer gewesen, aber es war zu gewagt, man haette nicht so frei von der Leber schreiben koennen, denn wir befanden uns ja noch immer auf deutschem Boden. Der Zahlmeister, ein Gestapo und Obmann der Mosel, wohnte gegen- ueber unserer Kabine. Das wir das Permit durch Herbert erhielten und dass wir unsere Auswanderung allerschnellstens durchfuehren wollten, ist Euch ja bekannt. Es tuermten sich aber ungeheure Schwriegkeiten auf, die zu beseitigen, mir als eine Unmoeglichkeit erschien. Die I. Schwierigkeit war die geschaeftliche Liquidation, mit der vorhandenen Unterbillanz. Ich zog zunaechst Herrn Wendt zu Rate. Er empfahl einen aussergerichtlichen Vergleich. Diesen Weg hatte ich auch beschritten. An dem darauffolgenden Sonntag, bat ich Herrn Goldmann zu mir, dem erzaehlte ich als Ersten der Kille, von unserer beabsichtigten Auswanderung und unserer so miesen Lage. Er besprach diese Angelegenheit sofort mit Mazurs und innerhalb von einer Stunde hatte ich telephonisch die Zusage, dass mir in auch jeder Beziehung, weitgehendst geholfen wird. Nun bekamen wir Mut. Der Vergleich wurde von Herrn Wendt, nachdem wir von der Ger. Ztg. gekuendigt worden waren, eingeleitet. Herr Wendt hat mit meinen Glauebigern glaenzend verhandelt und bin ich Herrn Wendt eigentlich sehr viel Dank schuldig. Eines Tages erschien auch vom Greizer-Verband ein Pruefer. Herr Wendt war ebenfalls erschienen. Die Buecher wurden eingehendst geprueft und fuer einwandfrei erklaert. Der Status wurde aufgestellt. Der Herr aus Greiz meinte, dass 50% fuer diese Einigung erforderlich waere, an Hand der Pruefung. Ich habe mich auf kurze Zeit zurueckziehen muessen. Herr Wendt hat mit dem Herrn in dieser Zwischenzeit verhandelt. Ich wurde wieder gerufen. Der Pruefer sagte mir dann, dass er sich dafuer ins Feuer legen wird, dass nicht nur die Fabrikanten vom Greizer Verband, sonder auch die von der Tuchkonvention, einem Vergleich von 40% zustimmen. Der Mann hat Wort gehalten, denn innerhalb von 3 Wochen hatten saemmtliche Fabrikanten, ihre Zustimmung gegeben. Geld und Wechsel waren inzwischen auch restlos von meinen Kunden eingegangen, so brauchte Herr Mazur nur die eingegangenen Kundenwechsel zu diskontieren. Diese Schwierigkeit war restlos gegen Mitte Mai beendet. Es kam die II. grosse Schwierigkeit. Eine Enkommensmoeglichkeit gab es nicht mehr, woher das Geld bis zur Auswanderung nehmen und woher Annelie das Geld fuer die weitere Ausbildung nehmen. Rosa hatte noch cr. 1500,00, ich erhielt noch von Herrn W. aus dem Vergleich Rm. 500,00. Meine Geschaeftseinrichtung, ohne Schreib- und Rechenmaschine, Scheibmaschinentisch un Rollschraenkchen, jedoch mit Kunden und Lieferantenliste, brachte Rm. 1000,00. Der Verkauf an Moebeln Rm. 875,00 Also das waren zusammen Rm. 3875,00 Eigentlich nach dem Vergleich ganz nett. Ich machte mir aber einen Ueberschlag, was diese Ausreise kosten wuerde und musste die schoene Summe von 10-12000,00 Rm. fuer 3 Personen feststellen.
Fuer cr. 10 Wochen zum Leben und fuer die Wohnung Rm. 650,00 "Annelie 6 Wochen fuer Muenchen " 225,00 Unvorhergesehene Sachen, wie Reisen, Telephon, Gas Elektr. " 200,00 Passagen " 1875,00 Lift und Fracht " 2090,00 Annelies Laboreinrichtung, Handwerkzeuge, Umformer fuer Herbert " 1200,00 Umarbeiten unserer Moebel und Moebel fuer Annelies Labor, neue Matratzen, neubeziehen der Steppdecken, Couch, neubeziehen der Stuehle und Sessel ectr. " 1500,00 Da wir alle sehr heruntergerissen waren, Einkleidung pro Person Rm.1500,- " 4500,00 -------------- Rm. 12240,00 ===============Diese Rechnung stimmte so einigermassen, denn Bestand 3875,- Von Tante Martha geliehen 3,000 von Oskar geliehen 3.000 von Dir lb. Alfred geschenkt erhalten 2000,-- dieses sind ja bereits 11.875,00. Zunaechst werde ich ueber die Schenkung der Rm. 6000,00 von Tante Martha an Rosa berichten. Rosa und ich fuhren diverse Male nach Berlin, damit wir Geld fuer unsere Auswanderung bekamen. Erich fand sich endlich bereit uns 6000,00 Rm.
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zu geben, wenn hiervon Rm. 4000,00 mit einem Transfer von 50% durch die Alltreu = [?] 200 als Vorzeigegeld, jedoch zu Gunsten von Erich, verwandt werden. Der Rest leihweise mit 50% rueckzahlbar. Also dieses ist zunaechst mal die von Tante Martha, an Rosa, gemachte Geschenk von Rm. 7000,00. Mazurs hatten fuer uns an die jued.Auswanderungsstelle geschrieben, damit diese Stelle unsere Passagen bezahlt. Ich fuehr nach Leipzig, ging zur Auswanderungsberatungsstelle, erhielt weitgehendste Auskuenfte. Man erklaerte mir, dass ich die [?] 200 unbedingt als Vorzeigegeld benoetige und ich einen Antrag an die Devisenstelle Rudolstadt machen moechte. Ich erhielt dann auch das Gutachten von der Auswanderungsberatungsstelle. Der Herr meinte noch, da die Alltreu gaenzlich verstopft sei, die Dringlichkeit zu befuerworten, damit evtl. die Transferierung ueber die Golddiskontbank erfolgen koennte. Hierauf ging ich zur Beratungsstelle des Hilfsvereins. Ich erklaerte, dass Tante Marta das Geld nur unter der Bedingung schenken wuerde, wenn hiervon das Vorzeigegeld und die Kosten des Lifts bezahlt werden. Also der Hilfsverein die Passagen bezahlen sollte. Der Herr Wachtel, (Du lb. Kaethe wirst diesen Herrn noch von Gotha aus kennen) sah sich die permits an und sagte, Ihr Sohn ist der Garant, ein Vorzeigegeld wird nicht verlangt,lt. Permits und ich moechte dieses Geld fuer die Passagen verwenden. Ich erzaehlte die erhaltene Auskunft der Auwanderungsberatungstelle. Schliesslich meinte er er koenne ja in dieser Sache nicht selber beschliessen, die hierfuer beru- fenen Herrn wuerden entscheiden, so habe ich mich denn verabschiedet. Ein gro ber Brief ging von Herrn Mazur, an den Hilfsverein ab. Inzwischen war aus Rudolstadt ein Schreiben eingegangen, wo unter anderem, der Beweis, fuer die Bezahlung der Passagen, zu erbringen war. Ich telephonierte nach Leipzig, Herr Dr. Wachtel war in Ferien, so fuhr ich nach leipzig und wurde von einem Herrn Nehmann empfangen und zwar mit den Worten, eine Transferierung fuer das Vorzeigegeld wird nicht erfolgen, da die Auswanderungsberatungsstelle, nur auf mein Bitten und Betteln hin mir das Gutachten gegeben haette und die Dringlichkeit befuerwortet. Ihr koennt Euch ungefaehr meine Erregung vorstellen, es haette nicht viel gefehlt, dann haette der Herr Nehmann die verdienten Ohrfeigen von mir bekommen. Ich sagte ihm hierauf "Herr Nehmann Sie sagen mir hier bestimmt die Unwahrheit, denn so und so war die Beratung, bei der Auswanderungsberatungsstelle." Er lenkte nun ein, machte einen Schmus, ich ging aus dem Zimmer, fuhr heim und schrieb sofort einen scharfen Brief an die Auswanderungsberatungsstelle. Am naechsten Morgen berichtete ich ueber alles Herrn M. und zeigte, den am Vorabend an die Beratungsstelle gesandten Briefdurchschlag. Herr M. sandte eine Beschwerde ueber Herrn Nehmann nach Leipzig und nach Berlin. Da ich aber auch mit der Beschwerde nicht die gew. Unterlage nach Rudolstadt senden konnte, so beschloss ich nach Berlin zu fahren und mich bei Dr. Alfred K. zu erkundigen, was nun zu tun sei. Er rief bei der Reichsvertretung der Juden in Deutsch land an. Ich bekam eine Empfehlung mit, wurde auch gleich vorgelassen. Es wurde mir folgender Vorschlag gemacht. Wenn Rm. 3000,00 vom "Geschenk "Tante Martha"abgezweigt werden, so wuerden mir Rm. 1000,00 geliehen, die mit. 50% mal rueckzahlbar seien. Sodass dann diese 4000,00 mit 50% transferiert = 200 [?] fuer das Einwande- rungsgeld vorhanden waeren. Ich ging auf diesen Vorschlag ein. Erich war einverstanden und hat nun von den 3000,00 Rm. hier [?] 150 zu seiner Verfuegung. Von der Alltreu kam inzwischen ablehnende Antwort auf eine Eingabe. Ich fuhr nach Rudolstadt und war der Beamte, wie immer, auch diesesmal sehr anstaendig zu mir. Ich erzaehlte von dem ablehnenden Bescheid, er sagte mir, lassen Sie nicht locker, sie bekommen es genehmigt, denn ich bearbeite augenblicklich einen gleichen Fall. Nach unendlich vielen Schreibereien bekam ich denn die [?] 200 als ich mich schon auf dem Auswanderungswege, in Berlin befand. Es war eine ungeheuerliche Arbeit. Die andere ungemein schwierige Sache, war die neue Verfuegung mit Einreichung der je 3 Listen, was jeder vor dem 1.1.33 was jeder nach dem 1.3.33 besessen hat und was fuer die Auswanderung angeschafft worden ist. Dazu eigentlich noch die bezahlten Rechnungen, als Beweis. Da stand man wirklich, wie ein Ochse vor dem Berge. Es musste alles angegeben werden, wie ich in Rudolstadt erfuhr, sogar jedes paar Socken, jedes Taschentuch. Wir hatten nun in Absicht einen Frigidaire 1 Naehmaschine, 3 Ventilatoren und Heizoefen als Anschaffung fuer die Auswanderung mitzunehmen. Vereinbarte aber gleich mit den Lieferanten, dass ich diese Sachen nur kaufen wuerde, wenn mir die Genehmigung vom Landesfinanzamt erteilt wird. Ich liess
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Ich liess mir ProformaRechnungen ausstellen, die ich dem Finanzamt einreichte. Daraufhin ging der Bescheid ein, dass ich an die Golddiskontbank 100% = Rm. 2000 und einige hundert Mark zu zahlen haette, dann wuerde mir die Mitnahme dieser Gegenstaende gestattet werden. Ich fuhr sofort nach Rudolstadt 3 Beamte haben mich empfangen. Ich sagte, dass ich in Anbetracht meiner Lage, die ja auch dem Landesfinanzamt bekannt ist, nicht in der Lage, auch nur irgend einen Betrag an die Golddiskontbank zu zahlen. Sie moechten mir doch wenigstens gestatten die Werkzeuge und Laborsachen, die meine Tochter zur Ausuebung ihres Berufes benoetigt und um ihren und auch einen Teil fuer unseren Lebensunterhalt zu verdienen. Da wurde mir geantwortet, dass, wenn ich die uebrigen Sachen nicht mitnehme, dann haette ich ja doch Mittel, um Rm.1200 an die Diskontbank fuer die Laborsachen zu zahlen. Ich sagte, dass dieses nicht der Fall sei, denn die eingereichten Rechnungen seien nur Proformarechnungen, Geld haette ich hierfuer nicht zur Verfuegung, denn mein Vetter O.F. wuerde uns, wenn ein Betrag zur Auswanderung fehlen sollte,schenken. Die weitere Verhandung war wie bei Pferdehaendlern. Sie begann um 10 1/2 Uhr, mit dem Ergebnis, dass ich mich doch breit schlagen liess, Rm. 300,- an die Golddiskont- bank abzufuehren. Die Verhandlungen waren wirklich nicht sonderlich schoen. Ich betonte noch, dass ich mit meinen 60 Jahren, nie an eine Auswanderung denken wuerde, wenn nicht in Aussicht staende, dass unser Sohn und auch die Tochter, fuer unseren Lebensunterhalt beitragen koennten. Als um 12,30 der Beamte mir die Genehmigung zur Mitnahme der Laborsachen aushaendigte, meinte er, "Sie sind aber billig bedient worden." Nun moechte ich noch erwaehnen, dass alle Beamten, sei es in Gera oder sonstwo, besonders anstaendig zu mir waren. Die Unbedenkichkeitserklaerung der Stadt, sowie des Finanzamtes erhielt ich in wenigen Stunden. 3 Wochen (nachdem ich bereits die Unbedenklichkeitserklaerung vom Finanzamt hatte) spaeter wurden erst die Buecher vom Finanzamt geprueft. Als ich zur Polizei ging, wegen einer Dauerabmeldung, verhandelte ich mit dem hoech sten Beamten, dieser Abtellung. Er rief mich in sein Zimmer. Ich trug meine Bitte vor. Als wir dann ins Gespraech kamen, meinte er, ist es nicht furchtbar, dass Sie der Zustaende hier wegen, auswandern, was koennen Sie nur dafuer, dass Sie als Jude oder ich als Christ auf die Welt gekommen sind. Ich kenne Sie ueber 30 Jahre als anstaendigen Menschen, nein es ist furchtbar! Als ich den Schein mit einer Stempelmarke fuer 50 Rpf. erhielt, erschien er noch vor den Beamten, gab mir die Hand und wuenschte mir alles Gute fuer die Zukunft. Bei einer Verhandlung in Rudolstadt, sagte ploetzlich der Beamte, entschuldigen Sie Herr Falkenstein, dass ich die Verhandlung unterbreche, ich moechte mir eine Frage erlauben, sind Sie denn ueberhaupt Jude? Meine Antwort war, ich sei reinrassiger Jude, vaeterlich und muetterlicherseits. Die Verhandlung ging in der allerzuvorkommendsten Weise weiter. Als ich nun die Genehmigung vom Landesfinanzamt auf die eingereichten Listen, hatte, ging ich zum Zollamt, um mich aufklaeren zu lassen, wie die Handhabung der Zollbeamten bei einer Auswanderung ist. So erfuhr ich denn, dass z.B. das Freigepaeck von je 1 Kubikmeter = 3 Kubikmeter, (es ist naemlich allerhand), zum Zoll gebracht werden koennte und dort nachgesehen. Na hiervon habe ich denn an einem Mittwoch Vorm. 11,30 Gebrauch gemacht, denn Mittwoch Nachm. sind die Beamten dienstfrei. Diese 3 Kubikmeter waren bis 12 Uhr durch den Zoll gegangen. Um 12 1/2 Uhr war ich schon zu hause. Diese Abfertigung war mir die Allerwichtigste, denn bei diesem Gepaeck waren ja in der Hauptsache die Kleidung, die Waesche. Zoll und Polizei waren verstaendigt, dass am 28. der Lift gepackt wird. Es sollen eigentlich stets 2 Zollbeamte und 2 Polizisten beim Packen des Lifts zugegen sein. Um 8 Uhr erschien ein Polizist, der mich auch schon ueber 30 Jahre kannte. Es war ihm sichtlich unangenehm, erfragte gleich, sind die Zollbeamten schon anwesend, da diese noch nicht erschienen waren telephonierte er zum Zoll. Als der Beamte erschien, sagte er, so hier ist alles in Ordnung, ich habe heute keine Zeit, ich komme mal im Laufe des Nachm. nochmals her. Nachm. erschien er auch gegen 3 1/2 Uhr mit "guten Tag" fragte den Zollbeamten, na alles in Ordnung, als diese Frage bejaht war, sagt er "auf Wiedersehen und verschwand. Der Zollbeamte war besonders nett, wir waren zum Schluss schon auf"Du und Du". Die Listen hatte er vom Zoll migebracht, um alles anzustreichen. Wenn er etwas nicht gleich fand, dann sagte er, es ist schon durch den Zoll, damit meinte er die bereits durch den Zoll gegangenen Kubikmeter Freigepaeck. Der Lift reichte bei den Massen 3,5 . 2,2 . 2,3
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bei weitem nicht. Da aber Schenker u. Co sich vertraglich verpflichtet hatte, alles gesehene in den beschrieben Lift zu versenden, es jedoch eine Unmoeglichkeit war, so wurden die sperrigen Gegenstaende in Latten verpackt, zum Versandt gebracht. Diese Angelegenheit hat Schenker u. Co viel Geld gekostet. An meinen Transport haben sie gewiss nicht verdient. Ich hatte auch vertraglich vereinbart, von Wohnung zu Wohnung, mit Aufstellen der Moebel in die neue Wohnung. Es hat alles geklappt. Bis auf den Spieltisch aus Halberstadt, der aus dem Leim gegangen ist, sowie Annelies weisser Schreibtisch, der 1 Bein gebrochen hat, beides aber reparierbar und einige Kratzer an den Moebeln und etwas zerbrochenes Gescirr, ist alles gut angekommen. Fuer diesen Schaden hat der hiesige Agent der Firma Sch. eine Aufstellung der zerbrochenen und beschaedigten Sachen angefordert. Es waere ja sehr fein, wenn wir noch eine Entschaedigung erhalten wuerden. Der Nuernberger Spediteur hatte einen besseren Ueberblck. Er wollte einen 3,5 und einen 3 mtr. Lift nehmen, war aber fuer uns unbezahlbar, so musste ich mich fuer Schenker entscheiden. Es gingen dann mit dem Lift noch 17 grosse Verschlaege, insgesammt mindestens 20 Kubikmeter. Da wird Schenker u. Co seine Freude gehabt haben. so kann ich nun mit der Landung in Melbourne beginnen. Den Reisebericht von Annelie werdet Ihr wohl bereits erhalten haben und dadurch orientiert sein. Wie ich von Annelie soeben hoerte, hat sie auch ueber Landung und mieten des Hauses berichtet. Also nach 2 woechigem recht ungemuetlichem Boarding-House- Leben, sind wir denn in das Haus 1563 High Street, Glen Iris, eingezogen. Da ja auch bald Photographieen folgen werden, so moechte ich doch das Haus so gut es geht beschreiben. Wir koennen von hier aus das Zentrum der Stadt innerhalb von 18 Minuten, mit der Bahn erreichen, mit der Elektrischen in 1/2 Stunde. Der Bahnhof ist 1 Minute, die elektr. Haltestelle 2 Minuten, vom Hause entfernt. Herbert, der doch mit bei uns wohnt, benutzt die Bahn. Die Collins Street, ist gleich die naechste Strasse vom Bahnhof, also die Lage des Hauses ist zunaechst in dieser Beziehung guenstig. An Miete kostet das Haus [?] 2 : 7: 6. Wenn man das [?] mit Rm.10,- rechnet, ist die Miete nicht hoch, wem aber mit Rm. 20,- dann ist sie wahnsinnig hoch. Wie man hier nun eigentlich rechnen muss, bin ich mir noch nicht, aber auch die anderen Gelehrten nicht einig. Butter kostet hier z.B. 20 Pence= Rm. 0,95 das ganze Pfund. In Deutsch land Rm.das Pfund Rm. 1,66. Eine Annanas, ganze Frucht von 5 Pence - 1 Sh. Eier kosten 16 Pens = 1 Dtd. Die ganze Kalbs, oder Kammelleber = 6 Pences also wahnsinnig billig. Da fraegt man immer und ist jedesmal im Zweifel, rechnet man mit Rm.10,-- oder Rm. 20,-- das [?]. Ich bin ja nun zur Einsicht gekommen, solange man nichts verdient, so muss man das [?] noch ganz wesentlich hoeher, als mit Rm. 20, -- rechnen. Ja mit einem Verdienst und einer evtl. Moeglichkeit fuer mich, ist es noch so eine Sache. Da muss ich bestimmt noch warten, bis ich an die Reihe komme. Vorlaeufig habe ich ja noch allerhand im Hause zu arbeiten. Ich mache alle Handwerkerarbeiten selbst, so bin ich Tischler, Maler, Anstreicher, Monteur, Klempner, alles in einer Person. Ich habe mir reichlich Handwerkzeug mitgenommen und da an der Autogarage ein Werkschuppen mit Hobelbank und einer kleinen motorisierten Tischlerei, vorhanden ist, so habe ich bereit allerhand arbeiten koennen. Langeweile hat Rosa, Annelie und ich bisher noch nicht gehabt. Ich bin gestern zum ersten Male des Abends cr. 200 mtr. von unserem Hause fortgegangen und musste feststellen, dass der Ort, wie ein Badeort aussieht. Fabelhaft gepflegte Gaerten und Strassen, sowie Anlagen. Nun haette ich bald vergessen unser Haus zu beschreiben. Rechts am Garteneingang steht als Zaun eine Hecke mit fabelhaft geradem Schnitt. Der Garteneingang, in meine die Tuere ist eine niedrige Eisentuere. Grosse gut gepflasterte Steinflie sen bilden den Weg zum Haus und zur Autogarage. Der Vorgarten hat eine Rasenflaeche, mit kurzem Haarschnitt. Rechts an der Hecke, bis zum Hause stehen wundervolle, jetzt in Bluethe stehende Rosen. In der Mitte des Rasens eine nich sonderlich schoene Palme. Vor dem Hause und am Vorraum zum Eingang des Hauses stehen Straeucher, mir noch unbekannten Namens, aber wunderschoen. Vom Garteneingang bis zum Vorraum des Hauses stehen auch Rosen und weitere bunte Blumen, e benfalls zur Zeit in vollser Bluete. Grosser runder Bogen, mit gruenen Dach- -ln, ueberdacht, an den beiden Seiten offen, Mauerwerk nur an den Seiten in
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in cr. 50 cm. Hoehe, der Boden mit kleinen roten Fliesen belegt, Decke weiss, mit Beleuchtung 4 X 8 mtr. gross, bildet den Vorraum zum Hauseingang. Zunaechst kommt eine Drahtgittertuere, gegen Fliegen, nur wenige Centimeter entfernt die Eingangstuere. Nun ist man im Vorsaal, der 3 mtr. breit und 6 meter lang ist. Rechts ist der sitting-room, der cr. 5 X 6 mtr. gross ist und einen wundervollen runden Erker hat. In diesem Zimmer sind an Moebeln nur die umgearbeitete Credenze, der Schreibschrank, der runde Mahagoni Tisch, Rosas Sessel, die Steh lampe im Erker. Rechts am Erker steht die Couch. Zwischen Eingangstuere und der hinteren Wand, in der Ecke, mein Ledersessel mit rundem Tisch. An der hinteren Wand steht uebrigene die Credenze. Am Kamin stehen die aus unserem Esszimmer neu bezogenen 2 Sessel und der niedrige Rauchtisch. Ueber dem Kamin haengt die Lavinia. An den anderen Waenden nur wenige mitgenommenen und Euch allen bekannte Bilder. Gardinen sind noch nicht am Erker angebracht. Die Gelehrten sind sich noch nicht einig, was dahin passt, denn Geld kann fuer Neuanschaffungen keineswegs ausgegeben werden. Auch die Kristalkrone muss ncoh montiert und aufgehangen werden. Unsere mitgebrachten Teppiche und Bruecken sehen auch sehr gut in diesem Raume aus. So nun kommt der dining-room. Zimmer ebenfalls 5 X 6 mtr. gross. Breites nicht zu hohes Fenster nach der Vorderfront. Gegenueber dem Eingang der Kamin, in 1 1/2 mtr. Hoehe zu beiden Seiten des Kamins kleine Fenster, bunt verglast. Rechts in der Ecke, zwischen grossem und kleinem Fenster steht ein runder Tisch und 2 Stuehle, weiter rechts vom Kamin in Naehe des 2.kleinen Fensters, an der Wand zu unserem Schlafzimmer steht das verkleinerte Buffet, in der anderen Ecke, die Uhr. In der Mitte des Zimmers, der Esszimmertisch, mit 4 Stuehlen. Links vom Fenster, Schreibmaschinentisch mit Schreibmaschine, Rollschraenkchen. Die schoene Persertischdecke, der Teppich, die Bruecken und auch die bereits haengenden Gardinen verschoenen das Zimmer. Hier fehlt nur noch die mitgebrachte Lampe aufzumachen. Vom dining-room fuehrt eine breite Fluegeltuere zu unserem Schlafzimmer. Diese Tuere haben wir aber verstellt, da dort im Schlafzimmer die Betten stehen. Also nun das Schlafzimmer. Dieses ist eigentlich am allerbesten in Bezug an Reichhaltigkeit von Moebeln davongekommen. Zimmer 5 X 6 mtr. gross. mit langem niedrigen Fenster. Dem Eingang, also jetzt unseren Betten gegenueber steht der Kamin. Wenn man vor unseren Betten steht, also rechts, der aus dem Sofaumbau entstandene Schrank. Links die neuste Errungenschaft, ein hier alt gekaufter australischer Schrank, den Annelie benuetzt. (Die eingebauten Schraenke konnten bei Weitem die mitgebrachten Sachen nicht fassen) Vor den Betten steht die Truhe. Neben der neuen Errungenschaft ist die Tuere zur Kueche. Links von dieser Tuere steht mein, an Rosa abgetretener Kleiderschrank. Links des Kamines in der Ecke, am Fenster die Frisiertoilette. 4 1/2 X 5 mtr. grosse Kueche, hell und freundlich, mit Gasherd und Bratofen. Eingebaute Schraenke, die aber sehr umcheinich waren. Hier habe ich erst mal Bretter einziehen muessen, damit alles Mitgebrachte, auch verstaut werden konnte. In dieser Kueche stehen nur der kleine Geschirrschrank, den wir auf dem Vorsaal hatten, Tisch und Stuehle. Grosse geraeumige Speisekammer, ist ebenfalls vorhanden. Gegenueber der Kueche ist das Bad. Eingebautes kleines Schraenkchen, zu beiden Seiten kleine Fenster cr. 3 X 3 mtr. gross, mit guter Wanne, Gasheizung. Waschbecken. Daneben liegend, jedoch eigener Eingang ist Herberts Zimmer. Hier moechte er seine II. Praxis, entweder fuer den Vormittag, oder des Abends, eroeffnen. Dieses Zimmer ist cr. 4 1/2 X 4 1/2 mtr. gross, noch uneingerichtet und wartet der Dinge, die noch kommen werden. Daneben ist Annelies Labor und gleichzeitig Schlafzimmer. Dieses ist bis auf die Leitung fuer die Porzellanoefen fertig. Um elektr. Leitung zu legen, muss hier erst die Genehmigung des Hauswirtes eingeholt werden und das dauert schon bald 3 Wochen, jedoch noch immer ohne Antwort. Also dieses Zimmer ist 3 X 4 mtr. gross und hat ein grosses breites Fenster. Hier stehen, Bett, Schrank, Ofentisch, Wandschrank, kleines Schrank, Labortisch, Stuhl, reichlich besetzt. Neben Annelies Zimmer und der Kueche vorgebaut ist die sleep out. Die ist cr. 6 mtr. lang und 3 mtr. breit. Diese ist auch im Entstehen, denn vorlaeufig essen wir dort, an unserem frueheren Balkontisch. Ausserdem steht meine Kiste, der Kleiderschrank. Ueber diese Mitnahme bin ich besonders erfreut, denn ich haette wirklich nicht gewusst, wohin mit meinen Sachen. Von der sleep out fuehrt der Weg zum Hintergarten. In diesem steht die Autogarage, ohne Auto, der gleich angebaute Werkraum. Kurz geschnittener Rasen, zu allen Seiten, an den Zauenen, Strauecher, auch Heckenrosen, die ebenfalls z.Z. bluehen, ebenfalls Jasmin. Ein wundervoller
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Apfelbaum und ein Zitronenbaum, auch in Voller Bluethe. Am Eingang zum sleep out, habe ich gestern 18 Tomatenstraeucher, die ich vom Nachbar geschenkt erhielt eingepflanzt. Mal sehen, ob da Tomaten, oder gar etwas anderes aufblue- hen wird. So nun habe ich mir alle Muehe gegeben, um Euch das Haus zu beschreiben, damit Ihr Euch einigermassen vorstellen koennt, wie und wo wir leben. So meine lieben Speiers moechte ich denn noch eingehend Eure lb. Zeilen beantworten, soweit dieses nicht bereits durch den Bericht erledigt ist. Gewiss liebe Kaethe haben wir allen Grund gluecklich und zufrieden zu sein. Es war ja kein Leben mehr in Deutschland. Gewiss, die Bekannten, die Kunden, die Lieferanten und mit wem man auch sonst in Deutschland zu tun hatte, waren uns ge- genueber sehr anstaendig. Ich musste manchmal feststellen, dass sie sich direkt der Massnahmen der Regierung, schaemten. Ja nur die Regierung und die Bonzen eine kleine duenne Schicht, macht den armen Juden, nicht nur in Deutschland, sondern in der ganzen Welt das Leben so schwer. Vollkommen unschuldige Menschen werden frueh des Tages aus den Betten geholt, kommen ins Kozentrations- lager und verlassen das Lager, nachdem sie unendlich gepeinigt worden sind, als Asche in einer Urne. So ist inzwischen noch ein ganz besonders hervorzuhebende Lager, bei Weimar, "Buchenwald" genannt entstanden. Na Eckmanns werden Euch hierueber wohl berichtet haben. Was Buchenwald heute fuer die Juden bedeutet. Es heisst Auswanderung, oder Tod. Ludwig Cohn, Goerlitz, sollen die Bestien auch zu Tode gemartert haben. Wie es dort zugeht, hoerten wir von Max Goldmanns Schwiegervater. Es hausen dort Teufel, die die Juden zu Tode martern. Es sind also keine Greuelmaerchen.- Es ist gewiss vieles anders wie in Deutschland, ich meine das Deutschland von frueher. Heute ist es nicht moeglich drueben etwas zu verdienen, mir ja hier z.Z. auch nicht, aber ich habe hier doch wenigsten die Hoffnung, wenn ich erst mal die Sprache einigermassen beherrsche, dann wird es auch hier fuer mich eine Verdienstmoeglichkeit noch geben, wenn man gesund bleibt. Seitdem wir im Indischen Ozean angelangt waren, bis heute, habe ich nur 5 Hexenschuesser erlebt. Es ist eine schmerzhafte Angelegenheit, bei den zu verrichtenden handwerklichen Arbeiten recht hinderlich. Zu allem habe ich mir auch noch in voriger Woche, am Heizkissen den Ruecken verbrannt. Na ich muss mir nun alle Muehe geben, dass ich nunmehr von derartigen Misichkeiten verschont bleibe. Herbert hat hier schon einen grossen Bekanntenkreis.Wir haben erst einen kleinen Teil kennen gelernt. Es sind alles sehr nette Menschen Ja liebe Kaethe mit meinem Englisch bin ich noch nicht weiter gekommen. Da wir doch uns keine Handwerker leisten koennen, so mache ich alle Arbeiten die noetig zu machen sind. Ich habe schon sehr viel arbeiten koennen, aber eine Unmenge Arbeit wartet noch auf mich. Vom Haupteingang, bis zur letzten Tuere und alles was dazwischen liegt, wackelt, muss gestrichen werden, in den vorhandenen Schraenken mussten Bretter eingezogen werden, die Fussboeden muessen gestrichen werden, ebenfalls die Moebel, da und dort mussten Leisten, Stangen und Haken angebracht werden, na es gibt eben zu tun. Dann noch die Gartenarbeiten. Sobald wir aber auf dem Laufenden sind. dann will ich mit all meinen noch zur verfuegung stehenden Kraeften die Sprache erlernen und auch ein guter Australier zu werden. Na mit Eckmanns werdet Ihr Euch ja gefreut haben, jetzt werden sie wohl wieder in Deutschland stecken. Nun moechte ich auf Ediths Verlobten eingehen. Wir konnten nur wenig mit ihm zusammen sein. Auf uns machte Gerhard einen besonders guten Eindruck. Solide Art, wie Louis es war. Die Verwandten sind auch nette Menschen, mit denen man sich schnell anfreunden kann. Eins ist mir nur unklar, warum nur hat Edith so lange gezoegert?- Hat sie wirklich auf einen Prinzen gewartet?- Es ist schade, dass sich Edith erst jetzt entschlossen hat, wieweit guenstiger waere es vor 1 oder 2 Jahren gewesen.Jetzt wird eine Auswanderung dem Gerhard unendliche Schwierigkeiten machen. So nun habe ich so ungefaehr alles geschrieben, was Euch interessieren koennte. Seid Ihr alle recht herzlichst gegruesst von Eurem
[?]Meine Lieben!Ich hatte eigentlich vor, Euch ausfuehrlich zu schreiben, aber lei- der muss ich das wiederaufschreiben, nachdem der Brief eine Woche auf meine An- schrift gewartet hat. An irgend einem Sonntag werde ich hoffentlich bald mal dazu kommen, mehr zu berichten, heute bin ich zu muede. Inzwischen Euch allen her zlichste Gruesse,Euer
HerbertToday I want to begin my report. The very best time for this would have been on the Mosel,1 but it was too risky, one could not have written so freely, because we were still on German soil. The purser, a Gestapo man and the Mosel’s representative, lived opposite our cabin. That we received the permit through Herbert, and that we wanted to carry out our emigration as quickly as possible, is known to you. But enormous difficulties piled up, whose removal seemed impossible to me. The first difficulty was the business liquidation, with the existing deficit. I first consulted Mr. Wendt. He recommended an out-of-court settlement. I took that option. The following Sunday I asked Mr. Goldman to come to see me; to him I told, as the first in the community, about our intended emigration and our wretched situation. He discussed the matter immediately with the Mazurs, and within an hour I had the assurance over phone, that I would be given extensive help in every respect. Now we regained courage. The settlement was initiated by Mr. Wendt after we had been dismissed by the German newspaper. Mr. Wendt negotiated brilliantly with my creditors and I actually owe him a great deal of thanks. One day an auditor from the Greiz Association also appeared. Mr. Wendt had also come. The books were examined in the most thorough manner and declared impeccable. The statement of accounts was drawn up. The gentleman from Greiz remarked that 50% would be required for this settlement, based on the audit. I had to withdraw myself for a short while. In the meantime, Mr. Wendt negotiated with the gentleman. I was called back in. The auditor then told me that he would stake his reputation on it, that not only the manufacturers from the Greiz Association but also those from the Cloth Convention would agree to a settlement of 40%. The man kept his word, because within 3 weeks all the manufacturers had given their consent. Money and bills of exchange had in the meantime also come in completely, from my customers, so Mr. Mazur only had to discount the customer bills that we had received. This difficulty was completely resolved by mid-May. Then came the second major difficulty. There was no longer any earning possibility, from where to take the money until emigration, and from where was Annelie to get the money for her further education. Rosa still had approximately 1,500. I received another RM2 500 from Mr. W. from the settlement. My business equipment, without typewriter and calculating machine, typewriter table and rolling cabinet, but with customer and supplier lists - brought RM 1,000. The sale of furniture RM 875. So that was together RM 3,875. Actually quite nice after the settlement. But I made an estimate of what this emigration would cost and had to determine the fine sum of RM 10–12,000 for 3 persons.
For about 10 weeks for living expenses and for the apartment Rm. 650.00 "Annelie 6 weeks for Munich " 225,00 Unforeseen expenses, such as travel, telephone, gas, electricity " 200,00 Passages " 1875,00 lift and freight " 2090,00 Annelie's laboratory equipment, hand tools, converter for Herbert " 1200,00 Remodeling of our furniture and furniture for Annelies' laboratory, new mattresses, reupholstering of quilts, couch, reupholstering of chairs and armchairs, etc. " 1500,00 Since we were all very worn out, clothing per person Rm.1500,- " 4500,00 --------------- Rm. 12240,00 ===============This calculation was more or less correct, the funds: 3,875,- Borrowed from Aunt Martha: 3,000 borrowed from Oskar: 3,000 Received as a gift from you, dear Alfred: 2,000,-- these are already 11,875.00. I will first report on the gift of RM 6,000 from Aunt Martha to Rosa. Rosa and I traveled several times to Berlin so that we would get money for our emigration. Erich finally agreed to give us RM 6,000.
Page 2to give, if here from Rm. 4000.00 with a transfer of 50% by Alltreu = [?] 200 as a down payment, but in favor of Erich, related. The rest is a loan, 50% of which is repayable. So this is initially the gift of RM 7,000.00 made by Aunt Martha to Rosa. The Mazurs had written to the Jewish Emigration Office on our behalf, so that this office would pay for our passage. I traveled to Leipzig, went to the emigration counseling office, and received the most extensive information. I was told that I absolutely needed the [?] 200 as a deposit and that I should submit an application to the Rudolstadt foreign exchange office. I then also received the report from the emigration advice center. The gentleman also said that, because the Alltreu was completely blocked, the urgency should be emphasized so that the transfer could possibly be made via the Golddiskontbank. I then went to the advice center of the aid association. I explained that Aunt Marta would only give the money on the condition that it be used to pay for the deposit and the cost of the lift. So the aid association should pay for the passages. Mr. Wachtel (you, dear Kaethe, will still know this gentleman from Gotha) looked at the permits and said, Your son is the guarantor, a deposit is not required, according to the permits, and I would like to use this money for the passages. I told the information I had received, to the emigration counseling office. Finally, he said that he could not decide on this matter himself, that the gentlemen appointed for this purpose would decide, so I left. A long letter was sent from Mr. Mazur to the relief association. In the meantime, a letter had arrived from Rudolstadt, which, among other things, required proof of payment for the passages. I called Leipzig, Dr. Wachtel was on vacation, so I drove to Leipzig and was greeted by a Mr. Nehmann, who told me that the transfer of the deposit would not take place. Because the emigration advisory office had given me the expert opinion, after much pleading, at my request and had endorsed the urgency of the matter. You can imagine my agitation, it wouldn't have taken much for Mr. Nehmann to get the slap in the face he deserved from me. I then said to him "Mr. Nehmann, you are definitely lying to me, because the consultation was at the emigration advisory office anyway. He then relented, made nonsense, I left the room, drove home, and immediately wrote a sharp letter to the emigration advice center. The next morning, I reported everything to Mr. M. and showed him the copy of the letter sent to the advice center the previous evening. Mr. M. sent a complaint about Mr. Nehmann to Leipzig and Berlin. However, since I was unable to send the necessary documents to Rudolstadt with the complaint, I decided to go to Berlin and ask Dr. Alfred K. what to do next. He called the Reich Representation of Jews in Germany. I received a recommendation and was admitted immediately. The following suggestion was made to me. If RM 3000.00 were diverted from the “gift” from Aunt Martha, I would be loaned RM 1000.00, which would be repayable at 50%. This would mean that 4000.00 would be transferred at 50% = 200 [?] for the immigration fee. I agreed to this proposal. Erich was in agreement and now has [?] 150 of the 3000.00 RM here at his disposal. In the meantime, Alltreu sent a negative response to a request. I drove to Rudolstadt and, as always, the official was very polite to me. I told him about the negative decision, and he said, don't give up, you'll get it approved, because I'm currently working on a similar case. After endless paperwork, I finally received the [?] 200 when I was already on my way to emigrate, in Berlin. It was an enormous amount of work. The other extremely difficult thing was the new requirement to submit three lists, one for what everyone owned before January 1, 1933, one for what everyone owned after March 1, 1933, and one for what had been purchased for emigration. In addition, there were the paid bills as proof. It was truly overwhelming. Everything had to be declared, as I learned in Rudolstadt, even every pair of socks, every handkerchief. We had now decided to take a Frigidaire, 1 sewing machine, 3 fans, and heaters with us, as purchases for emigration. However, I agreed with the suppliers that I would only buy these items if I received approval from the state tax office.
Page 3I had pro forma invoices issued, which I submitted to the tax office. I then received the notice that I would have to pay the Golddiskontbank 100% = Rm. 2000 and a few hundred marks, after which I would be allowed to take these items with me. I immediately drove to Rudolstadt, three officials greeted me. I said that, given my situation, which is also known to the state tax office, I am not in a position to pay any amount whatsoever to the Golddiskontbank. They should at least allow me to keep the tools and laboratory equipment, that my daughter needs to practice her profession and earn a living for herself and in part, for us. I was told that if I did not take the remaining items with me, I would have the means to pay Rm. 1200 to the Golddiskontbank for the laboratory equipment, after all. I said that this was not the case, because the invoices submitted, were only pro forma invoices. I do not have the money for this, because my cousin O.F. would give us, if we needed money to emigrate. The negotiations were like those of horse traders. They began at 10:30 a.m., with the result that I allowed myself to be beaten down and had to pay RM 300,- to the Golddiskontbank. The negotiations were really not particularly pleasant. I emphasized that, at 60 years of age, I would never consider emigrating if there were no prospect of our son and daughter being able to contribute to our livelihood. When, at 12:30 p.m., the official handed me the permit to grant permission to take the laboratory equipment with me, he said, “You got off cheap.” Now I would like to mention that all the officials, whether in Gera or elsewhere, were particularly decent to me. I received the clearance certificate from the city and the tax office within a few hours. Three weeks (after I had already received the clearance certificate from the tax office), the books were finally checked by the tax office. When I went to the police to deregister permanently, I negotiated with the highest-ranking official in that department. He called me into his office. I presented my request. When we started talking, he said, "Isn't it terrible, that you are emigrating because of the situation here? What can you do about the fact that you were born a Jew and I was born a Christian? I have known you for over 30 years as a decent person, no, it's terrible!" When I received the certificate with a 50 Rpf. stamp, he appeared before the officials, shook my hand, and wished me all the best for the future. During a hearing in Rudolstadt, the official suddenly said, “Excuse me, Mr. Falkenstein, for interrupting the hearing, but I would like to ask you a question: are you actually Jewish?” My answer was that I was a pure-blooded Jew on both my father's and mother's side. The hearing continued in the most courteous manner. Once I had received approval from the state tax office for the lists I had submitted, I went to the customs office to find out how customs officials handle emigration. I learned that, for example, the free baggage allowance of 1 cubic meter = 3 cubic meters, (which is quite a lot), could be brought to customs and inspected there. I took advantage of this on a Wednesday morning at 11:30 a.m., because on Wednesday afternoons, the officials are off duty. These 3 cubic meters had passed through customs by noon. By 12:30, I was already at home. This clearance was the most important thing for me, because this luggage mainly contained clothing and laundry. Customs and the police had been notified that the lift would be packed on the 28th. Technically two customs officers and two police officers are supposed to be present when the lift is packed. At 8 a.m., a police officer who had known me for over 30 years arrived. He was visibly uncomfortable and immediately asked if the customs officers were already present. Since they had not yet arrived, he called customs. When the officers arrived, he said, “Everything is fine here, I don't have time today, I'll come back in the afternoon.” In the afternoon, he also appeared around 3:30 o'clock with a “good day” and asked the customs officer if everything was in order. When this question was answered in the affirmative, he said goodbye and disappeared. The customs officer was particularly nice, and by the end we were on first-name terms. He had brought the lists with him from customs to mark everything. If he couldn't find something right away, he would say, "It's through customs," meaning the kilometers of duty-free goods that had already passed through customs. The lift was 3.5 x 2.2 x 2.3 meters,
Page 4too large by a long shot. Since Schenker u. Co. had contractually agreed to ship everything they saw in the described lift, however it was impossible, the bulky items were packed in crates and shipped. This matter cost Schenker u. Co. a lot of money. They certainly did not profit from my move. I had also contractually agreed to move from apartment to apartment, with the furniture being set up in the new apartment. Everything worked out. Except for the game table from Halberstadt, which came apart at the seams, and Annelies' white desk, which had one broken leg, both of which are repairable, and a few scratches on the furniture and some broken crockery, everything arrived in good condition. The local agent for the Sch. company requested a list of the broken and damaged items. It would be very nice if we could receive compensation. The Nuremberg shipping company had a better overview. They wanted to use a 3.5 and a 3-meter lift, but that was too expensive for us, so I had to go with Schenker. The lift then carried 17 large crates, totaling at least 20 cubic meters. Schenker u. Co. must have been delighted. So now I can start with the landing in Melbourne. You will probably have already received Annelie's travel report and be up to date. As I just heard from Annelie, she also reported on landing and renting the house. So after two weeks of rather uncomfortable boarding house life, we moved into the house at 1563 High Street, Glen Iris. Since photographs will follow soon, I would like to describe the house as best I can. From here, we can reach the city center in 18 minutes by train or in half an hour by tram. The train station is 1 minute away, the tram stop 2 minutes, from the house. Herbert, who lives with us, uses the train. Collins Street is the next street from the train station, so the location of the house is favorable in this respect. The rent for the house is [?] 2 : 7: 6. If you calculate that [?] with Rm. 10,- the rent is not high, but with Rm. 20,- it is insanely high. I am not yet sure how to actually calculate it here, but the other scholars also disagree. Butter, for example, costs 20 pence = Rm. 0.95 for a whole pound here. In Germany, it costs Rm. 1.66 per pound. A whole pineapple costs 5 pence - 1 shilling. Eggs cost 16 pence = 1 Dtd. A whole calf's or camel's liver = 6 pence, which is incredibly cheap. You always ask and are always unsure whether to calculate with Rm. 10,-- or Rm. 20,-- which [?]. I have now come to realize that as long as you don't earn anything, you have to expect the [?] to be significantly higher than Rm. 20,-- Yes, with an income and a possible opportunity for me, it's still an issue. I'll definitely have to wait until it's my turn. For the time being, I still have all sorts of work to do around the house. I do all the handyman work myself, so I am a carpenter, painter, decorator, fitter, plumber, all in one person. I brought plenty of hand tools with me, and since there is a workshop shed with a workbench and a small motorized carpentry workshop at the car garage, I have been able to do all kinds of work. Rosa, Annelie, and I haven't been bored yet. Yesterday evening, I walked about 200 meters away from our house for the first time and realized that the place looks like a seaside resort. Fabulously well-kept gardens and streets, as well as parks. I almost forgot to describe our house. To the right of the garden entrance is a hedge with a fabulously straight cut. The garden entrance, in [?] one, is a low iron gate. Large, well-paved stone slabs form the path to the house and the car garage. The front garden has a lawn with short grass. To the right of the hedge, up to the house, there are wonderful roses, now in bloom. In the middle of the lawn is a not particularly beautiful palm tree. In front of the house and in the vestibule leading to the entrance of the house are bushes, the names of which I do not yet know, but which are beautiful. From the gate to the vestibule of the house there are also roses and other colorful flowers, which are also in full bloom at the moment. Large round arch, with green roof, covered, open on both sides, masonry only on the sides in
Page 5about 50 cm high, floor covered with small red tiles, white ceiling, with lighting, 4 x 8 meter in size, forms the entrance hall to the house. First comes a wire mesh door to keep out flies, just a few centimeters away from the front door. Now you are in the entrance hall, which is about 3 meters wide and 6 meters long. On the right is the sitting room, which is approximately 5 x 6 meters and has a wonderful round bay window. The only furniture in this room is the reworked sideboard, the writing desk, the round mahogany table, Rosa's armchair, and the floor lamp in the bay window. The couch is on the right side of the bay window. Between the front door and the back wall, in the corner, is my leather armchair with a round table. The sideboard is on the back wall by the way. The two armchairs from our dining room, which have been reupholstered, and the low smoking table are by the fireplace. Lavinia hangs above the fireplace. On the other walls are only a few pictures that we brought with us and that you all know. Curtains have not yet been hung in the bay window. The scholars have not yet agreed on what would be appropriate, as money cannot be spent on new purchases. The crystal chandelier also still needs to be assembled and hung. The carpets and rugs we brought with us, also look very good in this room. Now we come to the dining room. Room also 5 x 6 meters in size. Wide window, not too high, facing the front. Opposite the entrance is the fireplace, with small stained glass windows on both sides of the fireplace at a height of 1 1/2 meters. In the right-hand corner, between the large and small windows, there is a round table and two chairs. Further to the right of the fireplace, near the second small window, against the wall to our bedroom, there is a small sideboard, and in the other corner, the clock. In the middle of the room is the dining table with four chairs. To the left of the window is a typewriter table with a typewriter and a small rolling cabinet. The beautiful Persian tablecloth, the carpet, the rugs, and the curtains that are already hanging beautify the room. The only thing missing here is to turn on the lamp we brought with us. A wide double door leads from the dining room to our bedroom. However, we have blocked this door because the beds are in the bedroom. So now to the bedroom. This room is actually the best in terms of the abundance of furniture. The room is 5 x 6 meters in size with a long, low window. Opposite the entrance, so our beds, is the fireplace. When you stand in front of our beds, on the right is the wardrobe that was converted from the sofa. On the left is our latest acquisition, an Australian wardrobe bought here second-hand, which Annelie uses. (The built-in cupboards were nowhere near big enough to hold all the things we brought with us.) In front of the beds is the chest. Next to the new acquisition is the door to the kitchen. To the left of this door is my wardrobe, which I have given to Rosa. To the left of the fireplace in the corner, by the window, is the dressing table. 4 1/2 x 5 meter kitchen, bright and friendly, with gas stove and oven. Built-in cupboards, but they were very [?]. I first had to put in some shelves so that everything we brought with us could be stored away. In this kitchen there is only the small cupboard that we had in the front hall, a table and chairs. There is also a large, spacious pantry. Opposite the kitchen is the bathroom. Built-in small cupboard, small windows on both sides measuring approx. 3 x 3 meters, with a good bathtub, gas heating. Washbasin. Adjacent to this, but with its own entrance, is Herbert's room. This is where he wants to open his second practice, either in the morning or in the evening. This room is approx. 4 1/2 X 4 1/2 meters in size, still unfurnished and waiting for the things that are yet to come. Next to it is Annelie's laboratory and, at the same time, bedroom. This is finished except for the wiring for the porcelain stoves. In order to install electrical wiring, permission must first be obtained from the landlord, which takes almost three weeks, but we still haven't received a response. So, this room is 3 x 4 meters and has a large, wide window. It is fully furnished with a bed, wardrobe, stove table, wall cupboard, small cupboard, laboratory table, and chair. Next to Annelies' room and the kitchen is the sleep out. It is approximately 6 meters long and 3 meters wide. This is also under construction, because for the time being we eat there at our former balcony table. My box, the wardrobe, is also there. I am particularly pleased about this addition, because I really wouldn't have known where to put my things. The path leads from the sleep out to the back garden. In it stands the car garage, without a car, and the adjoining workshop. Short-cut lawn on all sides, hedges, shrubs, and roses, which are also currently blooming, as well as jasmine. A wonderful
Page 6Apple tree and a lemon tree, also in full bloom. At the entrance to the sleep out, yesterday I planted 18 tomato plants that my neighbor gave me. Let's see if tomatoes or even something else will bloom there. So now I have done my best to describe the house to you, so that you can get a rough idea of how and where we live. So, my dear Speiers, I would like to respond in detail to your kind letter, insofar as this has not already been done in my report. Certainly, dear Kaethe, we have every reason to be happy and content. There was no real life left in Germany. Certainly, our acquaintances, customers, suppliers, and everyone else we dealt with in Germany were very decent to us. I sometimes noticed that they were ashamed of the government's actions. Yes, it is only the government and the bigwigs, a small, thin layer, who make life so difficult for the poor Jews, not only in Germany, but throughout the world. Completely innocent people are taken from their beds early in the morning, sent to concentration camps, and leave the camps, after being tortured endlessly, as ashes in an urn. In the meantime, another particularly noteworthy camp has been established near Weimar, called “Buchenwald.” The Eckmanns will have told you about this. What Buchenwald means for the Jews today. It means emigration or death. Ludwig Cohn, Goerlitz, is said to have been tortured to death by the beasts. We heard about what goes on there from Max Goldmann's father-in-law. Devils dwell there, who torture Jews to death. So these are not made up horror stories. Certainly, many things are different than in Germany, I mean the Germany of the past. Today, it is not possible to earn anything over there, nor here at the moment, but at least I have hope here, that once I have mastered the language to a reasonable extent, there will still be an opportunity for me to earn a living here, if I stay healthy. Since we arrived in the Indian Ocean, until today, I have only experienced five episodes of lumbago. It is a painful condition and quite a hindrance when doing manual labor. To make matters worse, I burned my back on a heating pad last week. Well, I must now make every effort to ensure that I am spared of such misfortunes in the future. Herbert already has a large circle of acquaintances here. We have only gotten to know a small part of it. They are all very nice people. Yes, dear Kaethe, I haven't made any progress with my English. Since we can't afford to hire craftsmen, I do all the necessary work myself. I have already been able to do a lot, but a huge amount of work still awaits me. From the main entrance to the last door and everything in between, everything wobbles, needs to be painted, boards had to be inserted into the existing barriers, the floors need to be painted, as does the furniture, moldings, rods, and hooks had to be installed here and there. Well, there's just a lot to do. Then there's the gardening. But as soon as we're up to speed, I want to use all my remaining energy to learn the language and become a good Australian. Well, you must have been happy with the Eckmanns, but now they're probably stuck in Germany again. Now I'd like to talk about Edith's fiancé. We were only able to spend a little time with him. Gerhard made a particularly good impression on us. He was solid, like Louis was. His relatives are also nice people who are easy to get along with. One thing is unclear to me: why did Edith hesitate for so long? Was she really waiting for a prince?- It's a shame that Edith has only now made up her mind; it would have been much cheaper 1 or 2 years ago. Now emigrating will cause Gerhard endless difficulties. So now I have written just about everything that might interest you. Warmest regards to you all from your [?] My dear ones! I had actually planned to write to you in detail, but unfortunately I have to rewrite it after the letter waited a week at my address. Hopefully I will get around to telling you more on a Sunday soon, but today I am too tired. In the meantime, warmest regards to you all, Yours
Herbert