Febr.13. 1939
Meine Lieben!
Edith hat Euch ja schon so ausfuehrlich gechrieben,
dass fuer mich kaum noch etwas zu tun ist, ich moechte aber doch Dir.lieber
Alfred noch einige Antworten auf Deinen Brief geben.Max wird dir sicher
bereits berichtet haben, aber da ich nicht weiss, was Ihr gesprochen habt,
will ich kurz versuchen es zu tun.
Wie ich bereits erwaehnte, moechte ich gerne in meiner
Branche bleiben, jedoch scheint es mir nach den bisherigen Bemuehungen hier
nicht zu gluecken.Ich habe zwar noch verschiedene Verabredungen, aber ich bin
nicht sehr hoffnungsvoll. Wenn es in den naechsten Tagen nicht klappt, will ich
mal nach Santa Barbara, welches ein betriebsamer Ort sein soll.Es ist nur alles
so furchtbar weit von hier, und wenn einem die leute erzaehlen, es waere nicht
weit, so sind doch die Begriffe hier andere. Man muss eben weiter versuchen.
Was nun die Mitnahme von Wirtschaftsgegenstaenden und Wertsachen von Drueben
antrifft, so scheint es so, dass nur das Allernotwendigst mitgenommen werden
kann, waehrend Schmuck etc.nicht mehr heraus darf. Bezahlen muss man ja fuer
alle Sachen, die nach 33 angeschafft worden sind, ich bin ja gut weggekommen, da
ich die Genehmigung durch einen Freund mit etwas Nachhilfe in einigen Tagen
erhalten habe. Wer gut schmaert, der....
Ueber die Sperrmark kann ich leider wenig berichten. Soviel ich
in Berlin noch hoerte, kaufte s.Z.die Golddiskontbank nur ganz vereinzelt
Betraege fuer 6 1/2 % an aber keiner einer Bekannten hat bisher etwas Geld zu
sehen bekommen.Ich habe auch eine groessere Summe zu bekommen, aber bisher
weder von meiner Bank noch von irgend einer anderen Stelle etwas gehoert.
Nur von meiner Schwiegermutter hoerte ich,dass sie das von mir zu erhaltene
Geld nicht bekommen hat. Warum und wieso, habe ich leider bisher nicht erfahren
koennen, und will ich hoffen, dass sich alles noch klaert.Es ist ja zu dumm, dass
man sich keinen Rechtsberater mehr nehmen kann, und so alte leute koennen sich
dann auch nicht drehen.
Was nun die Zahlung an Goldschmidts anbetrifft, so hatte Edith
gehoert, dass Ihr $ nach D.geschickt haettet.Wir sagten uns, wenn Ihr dies tut,
waere es besser, wenn Ihr dieses Geld nicht schicktet, sondern wir fuer Euch,
Euer Einverstaendnis vorausgesetzt, einen kleinen Betrag zahlen.Wenn es Euch
aber nicht fuer richtig erscheint, da Ihr ja schon genug andererseits tut,
soll der kleine Betrag fuer uns gelten, und Goldschmidts koennen es ja gebrauchen.
Meine Schwiegermutter wird ja jetzt auch nicht mehr die volle Summe zahlen
koennen, bis meine Zahlung ihr gegenueber, erledigt ist.
Von Falkensteins hatten wir in voriger Woche einen Brief. Sie
scheinen sich doch sehr wohl dort zu fuehlen, und will ich auch hoffen, dass
Herbert alles schafft, was er sich aufgebuerdet hat.Er soll aber eine gute
Praxis haben und wird dann auch schon alles werden.
Es ist nichts, wenn man keine geregelte Beschaeftigung hat, und zu
Hause faellt einem in der kleinen Wohnung die Decke auf den Kopf.Leider habe
ich hier nicht die richtigen Beziehungen, sonst waere es natuerlich etwas leichter.
In der Hoffnung, Euch bald mal etwas bessere Nachrichten zukommen lassen
zu koennen, gruesse ich Euch Alle auf Herzlichste Euer Erich[?]
German | English (translation)
February 13, 1939
My dear ones!
Edith has already written to you in such detail
that there is hardly anything left for me to do, but I would still like
to give you, dear Alfred a few more answers to your letter. Max will surely
have already told you, but since I don't know what you have discussed,
I will briefly try to do so.
As I mentioned before, I would like to stay in my industry, but
after my efforts so far, it doesn't seem to be working out here. I still have
various appointments, but I'm not very hopeful. If it doesn't work out in the
next few days, I want to go to Santa Barbara, which is supposed to be a busy place.
It's just that everything is so terribly far away from here, and when people tell
you it's not far, the concepts are different here. You just have to keep trying.
As for taking economic goods and valuables from over there, it seems that only the
bare essentials can be taken, while jewelry, etc., is no longer allowed. You have
to pay for everything that was purchased after 1933, but I got off lightly because
I obtained permission from a friend with a little help in a few days. Those who pay well...
Unfortunately, I can't say much about the Sperrmark. As far as I
heard in Berlin, the Golddiskontbank is currently only buying very small amounts
at 6 1/2 %, but none of my acquaintances have seen any money yet. I am also due to
receive a larger sum, but so far I have heard nothing from my bank or any other source.
I only heard from my mother-in-law that she did not receive the money she was supposed
to get from me. Unfortunately, I have not yet been able to find out why and how come,
and I hope that everything will be cleared up. It is too bad that one can no longer
hire a legal advisor, and so old people cannot do anything about it.
As for the payment to the Goldschmidts, Edith had heard that you had
sent $ to Germany. We said to ourselves that if you do this, it would be better
if you did not send this money, but instead we would pay a small amount for you,
with your consent, of course. However, if you do not think this is right, since
you are already doing enough on the other hand, the small amount should be considered
as coming from us, and the Goldschmidts can use it. My mother-in-law will now no longer
be able to pay the full amount until my payment to her has been settled.
We received a letter from the Falkensteins last week. They seem to be
very happy there, and I hope that Herbert will manage everything he has taken on.
But he should have a good practice and then everything will be fine.
It's no good not having a regular job, and at home you feel cooped up in
the small apartment. Unfortunately, I don't have the right connections here,
otherwise it would of course be a little easier.
Hoping to send you some better news soon
I warmly greet you all. Yours sincerely, Erich[?]