Letter from Edith Menders, February 10, 1939

Date
February 10, 1939
Creator
Format
Category
Sender(s)
Menders, Edith
Sent from
Los Angeles, California
  E. Menders. 1143 1/4 South Norton Ave Los Angeles. Kalif. Meine Lieben,

schon so lange verdiente Euer lieber nach Salt lake gerichteter Brief eine Antwort. Wir haben uns jedenfalls riesig mit gefreut und danken bestens. - Immer dachten wir, Erich wuerde irgend einen einigermassen Job finden und danach wollten wir dann weitere Zukunftsplaene schmieden, aber bis jetzt hat noch nichts geklappt und so muessen wir uns weiter in Geduld ueben. Unser jetztiges Wohnen ist nur ein Provisorium, wir haben ein kleines moebliertes Haeuschen, es ist aber alles sehr winzig, da diese Art meistens mehr fuer einzelne Eheleute gedacht sind. Wir haben eigentlich nur ein Schlafzimmer mit einem Doppelbett, dort schlafen 2 Kinder, das 3. Kind schlaeft auf dem Sofa. Wir bemutzen ein Klappbett, das tagsueber im Closett verschwindet und so merkt man am Tage nichts im Wohnzimmer. Dazu haben wir noch eine Kueche mit Fruehstuecksecke, Bad und Vorraum , wo man waschen und Schuhe putzen kann. Es ist auch alles einigermassen eingerichtet, aber wenn wir nicht selber Bettwaesche, Decken und Handtuecher und Bestecke haetten, so wuerden wir nicht damit auskommen. Wir sind froh, dass wir dies alles in unserm Gepaeck hatten. Unser Lift ist zwar schon hier und verzollt (leider hat man uns bei dieser Gelegenheit unsern schoenen Wein fortgenommen, da dieser nicht in Kalifornien eingefuehrt werden darf), aber da wir noch garnicht wissen, in welche Gegend wir noch kommen, so nehmen wir vorerst noch keine Wohnung. - Max schrieb uns, dass er einen Tag bei Euch war und da habt Ihr ja allerhand gehoert, was sich bei uns so zugetragen hat. Da es soviel ist und man garnicht weiss, wo anfangen, da muss man sich schon auf das Beantworten von Fragen beschraenken. Jedenfalls koennen wir sagen, dass das Schiksal es mit uns boch sehr gnaedig gemeint hat. Ausser meinem Schwiegervater, der schon zu alt war, sind doch alle Maenner aus der Familie im K.Z. gewesen. Wonach die Verhaftungen in Berlin ausgerechnet sind weiss keiner, da Reiche und Arme, Geschaeftsleute und Private, Alteingesessene Und Zugezogene dran waren. Auch in unserm Haus hat man einen Herrn geholt, der aber nach ein par Stunden wieder frei wurde, da er Schiffskarten usw. fuer Australien vorweisen konnte, er musste das Land innerhalb 24 Stunden verlassen und hat seine Familie mitgenommen, aehnliche Faelle hat man manche gehoert, es gab aber genug die nicht frei wurden, trotz der Papiere. Den letzten Nachrichten zufolge, die wir diese Woche hatten, scheinen jetzt diese Herren endlich freigekommen zu sein, so ein Vetter von Erich und Freunde in Berlin. Was allerdings aus denen wird, die noch keine Aussichten hatten, auszuwandern, dass weiss ich nicht. In Mama's Pension, in der nur maennliches

 

Personal war, die mit einer Ausnahme Alle geholt wurden, ist noch niemand zurueck, wenigsten nach der letzten Nachricht zufolge.- Nach Erich hat G.s. D. niemand gefragt und so konnte er dann einigermassen in uhe seine Sachen abwickeln, d.h. gezittert haben wir, dass er aus irgend einem Grund im letzten Moment geholt wurde, bis wir ueber die Grenze waren. Geld haben wir so gut wie nichts mitnehmen koennen, erstens wurde uns schon das meiste in Deutschland abgenommen, teils durch den Staat und dann hatten wir viel Pech, da wir durch Versuche unser Geld guenstig transferieren zu koennen, reingefallen sind! Wir konnten die Reise fuer uns bis nach hier bezahlen, ebenso den Transport unsrer Lifts. Wir bekamen im ganzen fuer 300 Mark Bordgeld, da fuer die Kinder nichts bekamen, aber fuer Vera schon voll bezahlen mussten . Die Reise selbst war sehr schoen, besonders der 2.Teil. In Mexiko also 2 Tage vor unserer Ankunft hier erhielten wir einen Brief von Max, der alle unsre Plaene ueber den Haufen warf. Wie Ihr wisst, hatten wir die Absicht, nach Salt Lake City zu gehen, wie Max vorher uns selbst zugeredet hat. Da er aber zuguterletzt fuer Erich wenig Moeglichkeiten sah, ins Geschaeft zu kommen, so schlug er Kalifornien als Start vor. Einige vorher ans Schiff geschriebene Briefe haben wir nicht erhalten. Max holte uns nun hier ab und blieb 3 Tage mit uns zusammen. dies hat er Euch ja sicher selber alles erzaehlt. An sich gefaeklt es uns hier sehr gut, nur sind wir schon 4 Wochen hier und Erich hat noch nicht die geringste Aussicht irgend einen Job zu finden, der in seine Branche schlaegt. Einen Wagen haben wir auch, damit versucht Erich irgendwo draussen irgend etwas geeignetes zu finden und hat auch einige Verbindungen angeknuepft. Uns liegt durchaus nichts dran, hier in der Grosssadt zu bleiben, eine Kleinstadt liegt uns besser. Natuerlich kann man hier ueberall leben wie es einem gefaellt, z.B. merkt man in unsrer Gegend nichts von Grossadt in unangenehmen Sinne. Die Leute hier sind auesserst liebenswuerdig, natuerlich nur solange, wie man keinen Job von ihnen verlangt; wir waren auch wiederholt zum Essen eingeladen. Wir haben hier auch einige Deutsche Bekannte, teilweise von der Reise, teils aus Berlin. Auch diese haben mit wenigen Ausnahmen noch nichts richtiges gefunden. - Mit der Sprache kommen wir ganz gut zurecht, zumal die Leute hier so liebenswuerdig sind und uns sagen, wir spraechen gut, wir wissen aber dass wir da noch sehr viel lerne muessen und wollen. Wir gehen fleissig in die Nightschools, das kostet garnich man lernt natuerlich nicht soviel wie in Privatstunden, die sind zu teuer.- Die Kinder gehen zur Schule resp. Lore in den Kindergarten. Morgens schieben sie alle Drei zusammen ab, dann gibts ein par Stunden Ruhe, leider ist der Kindergarten schon 11:20 aus und muss das Kind wieder abgeholt werden, die andern bleiben bis 3 Uhr in der Schule. Kein Mensch dort kann Deutsch, dadurch lernen es die Kinder sehr schnell. Lore ist ja einstweilen meist stumme Zuhoererin, macht aber alles mit und mit der Zeit wird es schon werden.

Erich ist wieder unterwegs und lege ich daher seine Gruesse aus ebenso von den Kindern. Euch Alle gruesst herzlichst Eure Edith
German | English (translation)
E. Menders. 1143 1/4 South Norton Ave Los Angeles. California My dear ones,

Your dear letter to Salt Lake City has been waiting for a reply for so long. In any case, we were very happy to receive it and thank you very much. We always thought that Erich would find a reasonable job and then we wanted to make further make plans for the future, but so far nothing has worked out and so we must continue to be patient. Our current living situation is only temporary; we have a small furnished cottage, but everything is very tiny, as this type of accommodation is usually intended more for single couples. We actually only have one bedroom with a double bed, where two children sleep, while the third child sleeps on the sofa. We use a folding bed that disappears into the closet during the day, so you don't notice anything in the living room during the day. We also have a kitchen with a breakfast nook, a bathroom, and an entrance hall where you can do laundry and clean your shoes. Everything is reasonably well furnished, but if we didn't have our own bed linen, blankets, towels, and cutlery, we wouldn't be able to manage. We are glad that we had all this in our luggage. Our lift is already here and cleared through customs (unfortunately, they took our lovely wine away from us on this occasion, as it is not allowed to be imported into California), but since we don't yet know which area we will be moving to, we are not looking for an apartment just yet. Max wrote to us that he spent a day with you and that you heard all sorts of things that have happened to us. Since there is so much to tell and we don't know where to start, we will have to limit ourselves to answering questions. In any case, we can say that fate has been very kind to us. Except for my father-in-law, who was already too old, all the men in the family were in the concentration camp. No one knows what the arrests in Berlin were based on, as rich and poor, businessmen and private individuals, long-time residents and newcomers were all affected. A man was also taken from our house, but he was released after a few hours because he was able to show ship tickets, etc. for Australia. He had to leave the country within 24 hours and took his family with him. We heard of many similar cases, but there were enough who were not released, despite their papers. According to the latest news we had this week, these men seem to have finally been released, according to a cousin of Erich's and friends in Berlin. At Mama's Pension, where only men work,

all but one of the personnel were taken away, and no one has returned yet, at least according to the latest news. Thank God, no one asked about Erich, so he was able to settle his affairs with some peace of mind. That is to say, we were terrified that he would be taken away at the last moment for some reason until we were across the border. We were unable to take any money with us; first, most of it was taken from us in Germany, partly by the state, and then we had a lot of bad luck because we fell for attempts to transfer our money cheaply! We were able to pay for the trip here, as well as the transport of our lift. We received a total of 300 marks for board, as we didn't get anything for the children, but had to pay full price for Vera. The trip itself was very nice, especially the second part. In Mexico, two days before our arrival here, we received a letter from Max that threw all our plans into disarray. As you know, we had intended to go to Salt Lake City, as Max had previously persuaded us to do. However, since he ultimately saw little opportunity for Erich to get into the business, he suggested California as a starting point. We did not receive some letters that had been sent to the ship in advance. Max picked us up here and stayed with us for three days. I'm sure he has told you all about this himself. We are actually enjoying it here very much, but we have already been here for four weeks and Erich still has not the slightest prospect of finding any job in his field. We also have a car, so Erich is trying to find something suitable somewhere outside the city and has also made some connections. We have no desire to stay here in the big city; a small town suits us better. Of course, you can live anywhere you like here; for example, in our area, you don't notice anything unpleasant about the big city. The people here are extremely friendly, as long as you don't ask them for a job, of course; we have also been invited to dinner several times. We also have a few German acquaintances here, some from our travels, some from Berlin. With a few exceptions, they haven't found anything suitable yet either. - We're getting along quite well with the language, especially since the people here are so friendly and tell us we speak well, but we know we still have a lot to learn and want to learn. We diligently attend night school, which doesn't cost anything. Of course, you don't learn as much as you would in private lessons, which are too expensive. The children go to school, or rather Lore goes to kindergarten. In the morning, all three of them leave together, then there are a few hours of peace and quiet. Unfortunately, kindergarten finishes at 11:20 and the child has to be picked up again, while the others stay at school until 3 p.m. No one there can speak German, so the children are learning very quickly. Lore is mostly a silent listener for now, but she participates in everything and will get the hang of it in time.

Erich is on the road again, so I am sending his greetings as well as those from the children. Warm regards to you all, Your Edith