Letter from Sophie to Alfred and Käte Speier, February 19, 1939
- Date
- February 19, 1939
- Creator
- Sophie
- Format
- letter
- Category
- Stories
- Subcategory
- Hanna Rosenberg Gradwohl
- People
- Spira, Camilla
- Reichenbach, Ernst
- Kleeberg
- Eckmann
- Israel
- Lewkowitz, Else
- Lorch
- Brandenstein
- Sophie
- Rudi
- Sumpf
- Bechers
- Crohn
- Herzberg
- Gross
- Alfons
- Fritz
- Knust
- Weiss
- Dammann
- Ludwig
- Grete
- Silberberg
- Frank
- Lieselotte
- Helft, Hete
- Trude
- Sam
- Sondheim
- Suchaschewsky
- Nussbaum, Karl
- Gold
- Elberfelder
- Erich
- Marthel
- Gertie
- Speier, Käte
- Rosenthal
- Max
- Mann
- J., Adold
- Jacobson
- Pesta
- Plaut
- Katz
- Hanchen
- Lieschen
- W.C.
- Speier, Alfred
- Cohen
- Places
- Serra Negra, Brazil
- Elend, Germany
- Holland, The Netherlands
- France
- Italy
- Hamburg, Germany
- Thale, Germany
- Lisbon, Portugal
- Mexico
- Schierke, Germany
- Hanover, Germany
- London, England
- Palestine
- Wernigerode, Germany
- Data URI
- soh.sto005.00914.xml
- Sender(s)
- Sophie
- Sent from
- São Paulo, Brazil
- Recipient(s)
- Speier, Alfred; Speier, Käte
- Received at
- Lincoln, Nebraska
Heute ist wie immer woechentlich unser Waeschetag, aber trotzdem habe ich es mir einge richtet, dass ich schon frueh an Euch schreiben kann. Grete hat naemlich in der vorigen Woche ihren Brief an Euch beendet, doch kam ich nicht dazu. Das ist ja nun auch ganz gut, da gestern Euer ausfuehrlicher Brief kam, fuer den ich Euch herzlichst danke. Den vorherigen Brief haben wir ebenfalls erhalten, doch ist Herr Gold leider nicht bei u uns gewesen. Aber vielleicht kommt er noch, und wuerden wir denselben auf Euere Verwandschaft hin, recht freundlich aufnehmen. Fabelhaft, ein Mann in dem Alter macht noch solche Reisen. Diese Woche hatten wir auch schon mal Besuch von einem Herrn aus London, der uns Gruesse von meinem Vetter Kleeberg brachte. So, nun mal zu Euerem, wie im- mer so schoen ausfuehrlichen Brief; da Grete nun schon fast fertig ist mit ihrem Brief, so werde ich es uebernehmen, Euch ausfuehrlichst zu schreiben, und all die Fragen, un- berufen, zu beantworten. Wo soll ich nun anfangen? Ich werde Eueren Brief neben mich legen, und genau nach der Reihe gehen; deshalb muesst Ihr aber entschuldigen, wenn ich auch mal in einen Telegrammstil verfallen sollte, denn ich befuerchte, dass der Brief sonst zu schwer wird. Aber das schadet ja nichts, die Hauptsache ist, Ihr werdet ueber alles orientiert. Zuerst moechte ich Euche sagen, dass ich mich sehr freue, dass es Euch allen besonders aber der kleien Muschi gut geht, und letztere so reizend ist; wie gerne wuerde ich sie mal halb englisch, halb deutsch sprechen hoeren. Dass Mr. Gold nicht hier war bis jetzt, schrieb ich bereits, und bedauern wir es ganz besonders, da wir uns alle schon so sehr freuten mal ganz ausfuehrlich ueber alles von Euch zu hoeren; es wuerde ja keine reine Freude sein, denn unser englisch ist sicherlich nicht besser, als das von Frau Frank, ich erwaehne dies gleich, damit Ihr seht, dass ich alles genau gelesen, sein. Aber sollte er noch kommen, und da rechnen wir bestimmt mit, werden wir uns die groesste Muehe geben, uns mit ihm verstaendlich zu machen. Dass Frau Frank in solch teuerem Hotel so lange Zeit wohnte, wunderte uns auch; aber bei dem tuechti- gen Schwiegersohn ist alles moeglich. Nun scheint sie, wie sie uns auch geschrieben, in eine Pension gezogen zu sein.. Dass Du, l. Kaete Dich so wunderst, dass Frau F. so viel aelter aussehen soll als wir, begreife ich nicht, sie ist doch auch viel aelter un und hat auch stets, wenn sie auch sehr gut aussah, aelter als wir ausgesehen. Sie haette wirklich Zeit gehabt, bei dem faulen Leben die Sprache zu lernen, und das kann doch nicht so schwer sein, da sie in der Schule englisch schon gelernt hat. Das ist bei portugisisch viel schwerer, und trotzdem sind wir jetzt G.s.D. so weit, dass wir uns wenn der Betreffende langsam spricht, einigermassen unterhalten koennen. Ich weiss nich ob Grete geschrieben, dass wir vorige Woche unsere erste Einladung gaben mit nur Bra silianern und nur sehr feine Leute alle. Es waren zwei Rechtsanwaelte, einer mit sei- ner Frau, [?] ein Junggeselle alles einer, aber alles Leute von 26-28 Jahren, so der richtige Verkehr fuer uns, ein zweites Ehepaar, der Mann ist Beamter an einem Ministerium, und en Ref- rendar, der sonst 2mal woechentlich Abends zu uns kommt, um mit uns portugisisch und w w wir mit ihm Deutsch zu sprechen. Aus diesen zwei Stunden werden es aber immer drei. Es war also an diesem Abend so reizend und besonders nett, dass Grete sagte, es waere der schoenste Abend gewesen, den wir bis jetzt hier verlebt haetten. Aber das will nich sagen, denn G rete ist tatsaechlich in den einen Herrn ein Bischen verliebt. Sie sind immer so besonders nett zu Alfons, denn es sind unsere Anwaelte und wenn er kommt, nehmen sie ihn immer besonders nett auf, obwohl beide nicht deutsch sprechen, aber der Beamte von dem ich schreib, ist meistens der Dolmetscher. Nun bin ich ja begierig, jetzt sollen wir zu ihnen kommen, wie das so in einer brasilianischen Familie hergeht Da sitzen naemlich, wie in Schul, Maennlein und Weiblein getrennt, wie ich gehoert, und immer an der Wand lang, denn einen Tisch, wie bei uns kennt man nicht. Also waretn wir es ab. So, nun wieder zu Euerem Brief. Dass in Habanna soviele Deutsche sind, hoerten wirdurch Fr. F. Auch hat sie die Schwester von Else Lewkowitz dort getroffen. Else und Mann wohnen in Lissabon, er hat diese Staatsangehoerigkeit wieder angenommen, und soll es ihm sehr gut gehen. Ueber die traurigen Verhaeltnise in der Familie der Schwester von Frau F. und bei Trude sind wir orientiert; es ist fuerchterlich. Gerade deise Frau, die in solch guter Ehe mit ihrem Mann gelebt hat. Und was wird aus den Kindern wer- den, das sind doch Nicharier? Die duerfen doch auch nicht bei dem Mann bleiben, und wo von sollen die armen Menschen und die arme Mutter von Frau F. leben? Ja, so ist das Leben eben; Wie furchtbat ist es auch fuer Deine Mutter, l. Kaete gewesen, wenn die- se Bande so bei Eckmanns gehaust haben. Hoffentlich haben sich alle wieder von dem Schreck erholt, und haben sie und der Sohn bald Gelegenheit dort fort zu koennen
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Dass Ihr Euch mit unseren Zeilen freut, erfreut uns gleichfalls; denn das soll ja au auch der Zweck der Sache sein. Das Leben koennte fuer uns tatsaechlich sehr angenehm sein, wenn man sich nicht die vielen Sorgen um die Angehoerigen drueben machen muesste Unser Verkehr wird leider, ich muss tatsaechlich leider sagen, woechentlich groesser. Bei jeder Einladung lernt man neue Leute kennen, und es sind alles Leute aus den besten Familien. Wenn ich Euch sage, dass in den letzten vierzehn Tagen, wohl kein Tag vergangen ist, an dem wir nicht Besuch hatten, entweder Abends, oder Nachmittags, so duerft Ihr es mir glauben, und dabei bin ich es noch viele, vielen Familieb wie- der schuldig. Ich habe aber bei der Hitze jetzt keine Lust, und warte noch etwas , dann gebe ich mehrere Doppel-Bridge, dann schafft es besser. Neulich haben wir mal die Familien aufgeschrieben, mit denen wir uns laden, und da waren es schon einige zwanzig, aber unterdess sind es schon wieder mehr geworden. Gestern waren z.B. die Scwaegerin und der Schwager von der Camilla Spira bei uns. Das sind ganz jung verheiratete Leute, die mit unserem Dampfer auch gekommen sind. Es geht oft so komisch zu in der Welt; am letzten Kulturabend in H. war die Camilla Spira, und erzaehlte sie mi mir, dass ihre Verwandten auch nach B. gehen, und dann trafen wir sie auf dem Dam- pfer. Es sind besonders nette Leute, mit denen wir gern zusammen sind. Ihr muesstet nur mal sehen, wie Alfans sich mit den Leuten hier schon auf brasilianische Weise begruesst; die Herren umarmen sich, trotz der Hitze und beklopfen sich den Ruecken. Die Damen, wenn sie etwes naeher bekannt sind, kuessen sich auf beide Wangen. Das ist aber nichts fuer mich. Jeden Donnerstag haben wir einen festen Bridge mit ebenfalls einem jungen Frauchen, die wir schon von Schierke aus kannten, aber damals war sie noch junges Madchen. Aber sonst wird sehr viel bei den Einladungen gespielt. Es gibt Familien hier, es ist tatsaechlich wahr, die laden schon 14 Tage im Voraus ein, um keine Absagen zu bekommen. Auch wir sind bereits vorigen Wittwoch fuer uebernaechsten Sonntag gebeten. Also auch bald 14. Tage frueher. Hier merkt man in diesen Kreisen nicht viel vom Emigrantenleben, aber trotzdem gibt es hier auch sehr viel Elend. Wir waeren wirklich zufrieden, wenn Rosenthals die Elberfelder und Brandensteins erst draussen waeren. Rosenthals wollen mit Gewalt hierherkommen, und leider koennen wir trotz guter Beziehungen nichts machen. Erstens ist Ludwig sehr alt, und dann kann man Geschwister nicht anfordern. Ich hoffe immer noch, dass sie mal nach den S Staaten konnen, denn Ludwig hat einen Bruder da, dem es aber nicht besonders gut geh geht, und mein Vetter dem es sehr gut geht, muss schon fuee seine Naehere Familie fuer mehrere sorgen, und hat uns leider auf unseren Brief bis jetzt nicht geantworte Die Kinder von Gertie sind alle in Hollend; auch Plauts wollen nach Amerika, aber wann das wahr wird, wer weiss, da vergeht noch eine schoene Zeit. Ich moechte nur wis- sen, was die Leute in Amerika alles anfangeb wollen? Dassdie Comitees so grossartig arbeiten, ist fabelhaft; wir hoerten es schon verschiedentlich auch von anderer Seite Gestern war auch ein Herr Israel, frueher Hannover, bei uns, der erzaehlte, dass sein Bruder, der mit Frau und zwei kleinen Kindern geschrieben, solch sorgloses Leben wie jezt haette er lange nicht gehabt. Auch er wird von dem Comite versorgt, und bekommt in Kuerze eine Stellung. Brandensteins wollen mit den Kindern aus Italien auch nach hier. Alfons bemueht sich kolossal, und kan n Max vielleicht auf ein Vertretervisum kommen, ausserdem ist er Tscheche. Dann kann er spaeter die Kinder, die jetzt in Frankreich sind anfordern. Was heisst Geld genughaben, wie Du schreibst,l. Kaete? Ausser dass wir vielleicht ein bischen zu teuer wohnen, aber es war damals nichts anderes zu haben, da die ach so liebe Familie zusammen wohnen wollte, leben wir sehr sparsam. Frueher sind wir oefters mal ins Kino gegangen, waren auch 3 mal zu einem Tee in einem grossen englischen Geschaeft, wo es sehr elegant und schoen ist, aber jetzt ist uns dies alles zu teuer und vor allem haben wir nicht die Stimmung dazu. Die Arbeit in den Haeusern ist nicht mit der dortigen, wenn die so ist wie in D., zu vergleichen. Alles macht viel mehr Arbeit; taeglich nimmt meine empregada, so heisst die Hilfe hier, alle Teppiche raus, raeumt alles aus den Zimmern, und wenn die feuch- te Jahreszeit ist, muss man die Schraenke sehr oft leer machen und alle Kleider und Schuhe und Ledersachen in die Sonne haengen. Ich bin gewiss flink in der Arbeit, aber ich habe immer tuechtig zu schaffen. Jetzt war meine empregada drei Wochen nicht da da eins ihrer vielen Kinder krank war. Acht Tage habe alles ganz allein gemacht, dann brachte sie mir eine andere, die aber erst zwei Monate hier wohnt, und frueher im Interior lebte. Es war erstaunlich wie grossartig diese Frau die Arbeit gleich gelernt, und war ich so zufrieden mit ihr, dass ich sie spaeter, wenn meine das Kind b bekommt, fuer immer nehme. Ich habe naemlich das grosse Glueck, dass jetzt schon die
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dritte in anderen Umstaenden ist. Aber das will hier garnichts heissen, hier haben alle Familien unzaehlig viele Kinder und Hunde. Also nun zu unserer Reise. Solche Plaen hecken immer Alfons und Grete aus, und war ich, genau wie Ihr, erstaunt, als es eines Tages hiess, wir verreisen. Serra-Negra, uebersetzt, schwarzer Berg, ist ein ganz kleiner Platz, wie vielleicht Thale im Harz. Ich habe mich geirrt ich meine nicht Thale son- dern Elend; vielleicht ist er nicht ganz so schoen. Man kann dort Radiumwasser [?] nehmen trinken leider war aber das Schwimmbecken noch nicht fertig. Es waren ungefaehr 130 Personen da; das Essen war glaenzend, der Wirt ist Schweizer, der frueher in S.P. ein Hotel hat- te. Es gab nur zuviel zu essen, sodass wir nachher streikten. Taeglich 3mal Fleisch, Mittags und Abends. Wir machten so weit es das Wetter erlaubte schoene Spaziergaenge Ein junger Brasilianer schloss sich uns an, das war gut, so sprachen wir nur portu- gisisch. Mittags wurde von 11- 1 Uhr gegessen 1/2 Nachmittags gab es wieder Kaffee, Tee und Broedchen mir Butter oder Honig, dann das Abendessen, das ist hier die Hauptmal- zeit, von 6-8 Uhr und um 1/2 10 Uhr gab es wieder alle moeglichen Sorten Tee oder Kaffes Ihr seht verhungern braucht man dort nicht. Wir mussten ungefaehr vier Stunden Bahn 1 1/2 Stunde mit dem Auto fahren. Die Bahn war sehr schoen sauber, und bequem, und wird in diesen Zuegen hier ueber all Kaffe danswichs, Eis oder Suessigkeiten rumgereicht. Ob unser Staat gereicht hat? das ist eine komische Frage, denn wir waren die Elegantesten. Die Brasilianerin geht in den kleinen Badeplaetzen sehr einfach. Morgens reiten sie alle in Hosen, und treiben viel Sport. Wir waren 10 Tage dort. Wenn Ihr eine Abschrift von Euerem letz- ten Brief haben solltet, was ich aber nicht glaube, dann vergleicht bitte mal wie ge- nau ich alles beantworte. Ihr muesst doch froh und gluecklich sein, dass Euere Kinder bei Euch sind; mit denen koennt Ihr Euch doch auch ausschmusen. Wir sind mit Grete taeglich zusammen, und fehlt es nicht an Unterhaltungsstoff. Ueber Gretes Angehoerigen wird sie Euch selbst schreiben. Ich glaube auch die Brasilianer wissen wie traurig es unseren Glaubensgenossen in D. geht, aber damit ist es auch erledigt. Sie koennen sich auch keinen Begriff davon machen, da der Brasilianer besonders aufmerksam und liebenswuerdig ist, und solche gemeinheiten garnicht fassen kann. Das gibt es nicht, dass die Deutschen vielen Verkehr haben mit den Brasilianernund diese so eben mal kommen, wie bei Euch. Ich moechte ganz gern mehr mit Brasilianern zusammenkommen, aber der B. ist ein ganz anderer Menschenschlag. Augenblicklich lassen sich hier verschie dene Emigranten, d.h. die Toechter taufen. Eine getaufte ist auch schon mit einem Brasi lianer verlobt. Die andere hat eine arische Mutter. Alles aber Leute aus unserem naech sten Bekanntenkreis. Ich finde es nicht richtig mit der Tauferei, sie bleiben ja doch innerlich Juden. Beschenkt haben uns weder zu Weihnachten ausser Kleinigkeiten zu Geburtstagen. Wenn wir gerade etwas wissen, was man gebrauchen kann, dann schen- ken wir es uns, und so halten es auch Grete und wir. Ich vergass zu schreiben, dass wir in Serra Negra taeglich mit einem [?] arischen Ehepaar die schon gleich nach dem Krieg nach hier gekommen sind taeglich gebridgt haben. Dann kam zu Weihnachten und ueber Sylvester ein Tisch von ungefaehr acht Personen, die wir fuer Vollarier gehalten und, die uns deshalb zuerst gestoert in unserer Ruhe. Bis sich dann rausstellte, dass einige Herren Juden waren mit arischen Frauen. Einer der Herren hatte sogar den schoenen Namen Dr. Cohen. Alfons kannte denselben, da er drueben eine grosse Muehle ge- habt. Als wir neulich Sonnabends zu Dammanns zum Kaffee mit der Elektrischen fuhren sahen wir ein Ehepaar gehen, die so echt deutsch aussehen. Sie wackelte mit grossen Fuessen vorweg, und er ein kleines Maenneken mit Regenmantel und Schirm bewaffnet, ging hinterher. Aus Unsinn, weil sie so drollig aussahen, sagte ich zu Grete, die gehe bestimmt auch zu Dammans! Herr D. sagte Alfons, als wir hinkamen; hoffentlich ist es Ihnen recht, wir haben noch eine Familie aus Hamburg eingeladen, der Herr hatte frue- her auch ein grosses Getreidegeschaeft. Alfons freute sich sehr, da G. u. St. 50 Jahre mit dieser [?] gearbeitet hat. Und was soll ich Euch sagen, es waren diese beide Leutchen, die ich von der Bonde aus gesehen habe. Da konnte man wieder sehen, dass ,a man nie nach demAeusseren gehen darf, denn es sind sehr feine Leute. Sie freuten sic so mit uns, dass sie am anderen Abend schon bei uns waren. Heute Dienstag, mache ich Fortsetzung; nun muss ich erst mal nachsehen, wo ich bei dem Beantworten Euerer Fra gen stehengeblieben bin. Unsere Kinder schreiben augenblicklich recht unzufrieden, da das Geschaeft, wie man sich leicht denken kann, nicht geht. Der Vater von Marthel war lange im K.Z. ist jetzt aber frei, und werden sie nun auch nach Palaestina gehen Vielleicht kommen die Kinder doch mal zur Vernunft und kommen nach hier. Die Stell hat Marthel beibehalten. Erich und Herzberg sind schon im Januar wieder aus der Fabrik ausgetreten; demnach muss es doch wohl nichts gewesen sein, und deshalb
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mussten sich die Brueder souneinig werden. Wir sprechen wohl zusammen, aber damit ist auch Schluss; und was das Schoenste ist, mit Grete sind Erichs wohl noch mehr gekraenkt als mit uns, denn sie nehmen ueberhaupt keine Notiz von ihr. Was sehr eigenartig ist, Herzbergs habe ich vielleicht nur mal zu Erichs, oder von Erichs gehen sehen, sonst nie. Sie sind nun gaz boese mit uns; ist das nicht eigenartig? Aber mit Grete auch; denn Grete hatte sie verschiedentlich geladen zuerst, aber sie, wie Erichs nehmen, wie gesa sagt keine Notiz von ihr. Der Frau H. scheint es gut zu gehen, denn ich habe nichts anderes gehoert. Sie wohnen in einem Appartementohaus in der Naehe der gehabten Fa- brik, was nun jetzt etwas abgelegen ist. Dass der Bruder Deines Schwagers, l. Kaete, gestorben, gerade als er aus dem K.Z. gekommen, ist doppelt traurig. Gestern waren wii mal einen Sprung nebenan bei Katz, da ein Bruder von ihm, der in Hamburg gelebt, mit s seiner Familie gekommen. Es ist trostlos, was die erzaehlen; er war natuerlich auch im K.Z. erzaehlt aber nichts davon, da es zu schlimm waere. Ein Tag im K.Z. waere schoeimmer ale 10 Tage unter Trommelfeuer. Frau Lorch ist besonders schlimm daran; aber warum sind diese reichen Leute nicht schon viel frueher rausgegangen? Man hoert soviel, dass gerade die reichen Leute sich nicht von ihrem Geld trennen koennen. Und jetzt bekom- men sie ueberhaupt nichts mehr mit. Man hoert hier die schrecklichsten Sachen, und ha- be ich mich gewundert, was die Frauen alles leisten muessen, wenn die Maenner im K.Z. sind. Dass Alex Gross zu Hause bleiben konnte, ist ein Wunder, denn wie man allgemein gehoert, hat die Bande wenig nach dem Alter gefragt. Sogar meinen Schwager hatten, wenn auch nur einige Stunden verhaftet. Ganz besonders erschuettert hat mich das, was Ihr ueber Neumanns geschrieben. Dass Louis und Adolf verhaftet, wussten wir, aber nicht dass er so krank gewesen, und Frau Benjamin, nicht mehr ganz normal ist. Schrecklich was die arme und so zarte Erna alles erleben muss. Auch war uns neu, dass sie nichts bei dem Verkauf des Geschaeftes uebrig behalten haben sollen. Das Haus von W.C. hat de Papier-Geisler gekauft und alles Inventar mituebernommen. So auch der Nacjfolger von W.Cs. der in Gross Wohnung gezogen, und auch Moebel uebernommen hat. Wenn man so darueber nachdenkt, haben wir wirklich noch Glueck, wie wuerdest Du, l. Kaethe sagen, Fies Glueck ge habt. Wir lesenhier auch noch die Deutsche Zeitung, leider, weil Alfons die anderen ni nicht lesen kann, aber in dieser ist allesimmer sehr gefaerbt. Ich lese aber eine por- tugisische. Dass es dem Sohn von Falkensteins gut geht, und diese noch rechtzeitig raus sind hat uns sehr erfreut zu hoeren. Besonders aber freuten wir uns, dass sich Edith Karger verlobt hat. Da hat Else doch wirklich mal Glueck mit ihren Kindern. Dass W.C. mit Gross bei Frau Dr. Weiss im Haus wohnen, werdet Ihr sicherlich wissen. Aber was wird wenn Pesta das Haus verkauft oder verkaufen muss? Leider haben wir nie wieder etwas von Trude gehoert. Vielleicht schreiben wir ihnen mal. aber es ist ja so schwer, was soll man nur an diese armen Menschen schreiben. Wie wir gehoert sind Crohn nach den Staaten, und Hanchen und Mann wohnen in Hannover. Weiter haben wir nicht ge- hoert. Doch, Maxe haette Fusspflege gelernt, und dies wollte er in Amerika ausueben. Von l Frau Silberberg, hatten wir scheinbar dieselbe Karte. Sie schreibt sehr ungluecklich und macht sich grosse Sorgen um ihre Kinder. Warum Sondheims noch nicht fort sind ist mir unbegreiflich. Vor einiger Zeit war mal ein Herr bei uns, der frueher bei dem Vater von Sam gelernt, und schon laenger hier ist. Diesen Herrn hatte Sam, als er dama mals hier war besucht, und der Herr wollte unbedingt, dass er mit seinen Angehoerigen nach hier kommen sollte, da es diesem Herrn hier in der aehnlichen Branche sehr gut geht. Aber er wollte nicht, und als Sam im K.Z. war, schrieb Rita diesem Herren. Jetzt geht es leider nicht mehr. Warum sind diese Leute aber nicht schon gleich,als Zio- nisten nach P.? Auch ich hoere nichts mehr jetzt von Knusts u.s,w. Du l. Kaete hast recht, sie haben alle Angst. Herrn Sumpf muss man sich mal als Logenschliesser voe- stellen? Dass Hessel verunglueckt, war uns auch neu; was faengt solch arme Frau nur an? Ebenfalls neu war uns dass die Gemeind die Synagoge selber auf eigene Kosten abrei ssen lassen muss. Wir haben immer gesagt abbrennen lassen koennen sie sie nicht, we- gen der vielen alten Haeuser darum herum. Frau Jacobson soll zu Rudi gehen, wie wir gehoert und Fritz mit seiner Frau nach P. Das haette Adold J. erleben sollen, und wen er es wuesste dann wuerde er sich im Grabe rumdrehen. Ob das Verhaeltnis nicht mehr so gut war mit Fritz und Frau, das weiss ich nicht, ich weiss aber nur, dass ich lieber an Lieschens Stelle mit nach P. gegangen waere, als allein nach Mexiko. Von Harwitz denen wir geschrieben, da wir so lange nicht von ihnen gehoert, hatten wir Antwort, und wie Grete sagte, hat sie darueber berichtet. Else kann die grossen Toene immer noc nicht lassen; Willy dagegen hat sehr vernuenftig und traurig geschrieben. Lieselotte scheint einen kleinen Frund zu haben, wie Else schreibt, und sie kommt auch nach
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Amerika. Ganz grosse Toene hat sie aber ueber Bechers geschrieben, was Max da fuer ein Glueck macht. Er ist noch in England, aber nicht mehr in der Stellung, wo er gewesen. Ernst Reichenbachs scheinen noch in D. zu sein, da Else schreibt, sie waeren sehr befreundet. Ist das zu glauben, dass diese Leute, nachdem er schon als wir noch drueben waren Lehrgeld genug gezahoet hat? Sie erzaehlte mir mal sie haetten nicht Gel Geld genug um auswandern zu koennen, da ihr Mann krank und soviel Geld fuer die Medizin gebrauchet. Aber was behalten sie nun? Wie oft har er mir gesagt, dass unsere H Herren es falsch gemacht, als sie das Geschaeft verkauft haben. Aber es scheint in d dieser Beziehung waren wir nun doch mal schlauer. Karl Nussbaum soll mit Frau und Dr. Plaut und Frau, demnach muss er sich wieder verheiratet haben, denn von der ersten Frau ist er geschieden, nach hier ins Interior kommen. Aber wir haben n nocht nichts weiter von ihm gehoert; aber er haette uns doch bestimmt aufgesucht. Aber der Sohn von Reichenbachs aus Wernigerode ist mit Frau und einem kleinen Jungen hier. Er ist durch Pesta an Erichs gewiesen, ich habe ihn wohl gesehen, aber nicht erkannt, und auch noch nicht gesprochen. Er war mit seinem Vater im [?] zusammen, wo der Vater auch gestorben ist. Hete Helft wollte auch nach [?] sie schon fort ist wissen wir nicht, Die drei Kameraden hat es hier auch gegeben, aber wir haben sie uns nicht angesehen. Wir gehen ueberhaupt nicht ins Kino mehr, erstens sparen wir gern das Geld und dann [?] wir nicht in Stimmung. Gestern Abend hat unsser Freund der Herr der bei uns geladen war angerufen, wir sollten mit ihnen zum Zusehen zu einem Maskenball gehen, denn es ist doch Karnaval jetzt, und hier ist ein enormer Trubel und alle Geschaefte sind geschlossen. Aber wir sind natuerlich auch nicht mitgegangen, und haben wir dieses Jahr nichts von Karnaval, hier heisst es nicht Karneval, gesehen. als nur einige Kostuemierte aus unserer Nachbarschaft. Dann habe ich eine grosse Bitte, l. Kaete. Meine ganzen Rezepte sind schon ueberall im Bekanntenkreis vertreten, und waere ich Dir recht dankbar, wenn Du mir einige neu neue amerikanische Rezepte schicken wuerdest. Zu Gegendiensten bin gern bereit. Du musst sie aber ganz deutlich aufschreiben, denn ich kann nicht bei Dir anrufen, um naehere Auskunft einzuholen. Wie gern wuerde ich das mal tun? Linsen und Bohnen essen wir hier garnicht, nur mal feigean, das sind die braunen Bohnen, das Nationalgericht hier. Aber solch Dampftopf muss sehr gut sein. Ich koche oft manches in einer Kochkiste, das ist ein Hutkoffer, der ganz mit Zeitungspapier ausgelegt ist, und wenn das Essen schoen kocht, wickele ich den Topf wieder tuechtig in Zeitungspapier und dann ist es fein gekocht. Hier sind alle Haushaltungssachen sehr teuer Und leider ist mir fast alles fortgekommen, und ich vermute schon in H. wo alles bei Grete im Keller offebrumgestanden hat. Aber es geht auch so. Jetzt haben wir hier Hochsommer; oft ist es sehr heiss, unter Tags, aber am Abend kuehlt es sich ganz herrlich immer ab. Taeglich gehe ich unter die kalte Brause, am liebsten wuerde ich e es oefters tun, das ist herrlich; sogar Alfons tut es, wenn auch nicht so oft. Alfons fuehrt hier wirklich ein prachtvolles Leben; ich goenne es ihm, nachdem er sich sein ganzes Leben geschaeftlich gequaelt hat. Er hat zwar viel Lauferei zur Stadt, um fuer Verwandte und Freunde die kommen wollen, Erkundigungen eunzuholen u.s.w. aber sonst fuehlt er sich auch sehr wohl. Die Hauptsache ist der Kegelklub, wo er eine Rolle spielt, und dann der viele Bridge. Hier gibt es naemlich Nachmittags.Kaffee auch nur fuer Herren. Ich meine Einladungen, wo richtiggehend gereicht wird, wie frueher bei uns. Da muesstet Ihr mal sehen, wenn Alfons in seinem weissen Anzug fortgeht, geputzt wie ein junges Maedchen. Wenn wir hier auch Winter haben, aber richtig kalt wird es nicht, nur recht kuehl; aber durch die grosse Hitze im Sommer und dadurch dass man hier viel duenneres Blut bekommt, friert man leichter. Oft kommt im Sommer das Wasser fast lauwarm aus den Roehren, denn letztere liegen garnicht tief in der Erde. Auch alle Uhren, ob Gas- oder Wasseruhr, alle sind vor dem Haus in einem Schraenkchen angebracht, denn hier kann doch nie etwas einfrieren. Gestern sprach ich eine Dame die hat daselbe Leiden an den Fingern, wie ich hatte. Die Operation hat doch sein Gutes gehhabt, denn die zwei Finger sind normal, aber jetzt habe ich es am kleinen Finger. Ich lasse aber nichts wieder machen, da mir hier ein Arzt sagte, dass es garnicht so ungefaehrlich sei. So, nun glaube ich, dassder Bogen auch bald wieder voll ist, und ich glaube dass Ihr mit mir zufrieden sein koennt. Durch die vielen Antworten, die ich geben musste ist mein Brief so anders geworden als sonst; der naechste wird wieder liebenswuerdiger werden. Soeben erzaehlt Grete, dass eine Dame heute am 22. Februar eingeladen hat fuer den 4. Maerz! Ist das nicht hanebuechen???Die Dajes von der Frau moechte ich auch haben. Das ist Frau Dr. Suchaschewsky, frueher Hannover Fuer heute Euch und Eueren Kinder alle noch viel herzliche Gruesse.
In alter Freundschaft Eure Sophie. Nun habe ich soviel geschrieben die [?] [?] die Gratulation bald vorlassen. Wir, l. Alfred noch die innigste Gratulation zu Deinem Geburtstag u. alles, alles Gute. Wir [?] lieben.Today, as always, is our weekly laundry day, but I have nevertheless arranged to write to you early. Grete finished her letter to you last week, but I didn't get around to it. That's fine, because yesterday your detailed letter arrived, for which I thank you very much. We also received the previous letter, but unfortunately Mr. Gold has not been with us. But perhaps he will still come, and we would welcome him warmly on behalf of your relatives. It's fabulous that a man of his age still takes such trips. This week we also had a visit from a gentleman from London who brought us greetings from my cousin Kleeberg. So, now to your letter, which is, as always, so beautifully detailed; since Grete has almost finished her letter, I will take it upon myself to write to you in detail and answer all your questions, unasked. Where should I start? I will place your letter next to me and go through it in order; therefore, you must excuse me if I sometimes resort to a telegram style, because I fear that the letter will otherwise become too heavy. But that doesn't matter, the main thing is that you are kept informed about everything. First of all, I would like to tell you that I am very happy that all of you, but especially the little one, are doing well, and that the latter is so charming; how I would love to hear her speak half English, half German. I already wrote that Mr. Gold hasn't been here yet, and we regret that very much, since we were all so looking forward to hearing all about you in detail; it would not be pure joy, because our English is certainly no better than Mrs. Frank's. I mention this right away so that you can see that I have read everything carefully. But should he still come, and we certainly expect him to, we will do our utmost to make ourselves understood. We were also surprised that Mrs. Frank stayed in such an expensive hotel for so long, but with her capable son-in-law, anything is possible. Now, as she wrote to us, she seems to have moved into a boarding house. I don't understand why you, Kaete, are so surprised that Mrs. F. looks so much older than us; she is much older and has always looked older than us, even when she looked very good. She really had time to learn the language with her lazy lifestyle, and it can't be that difficult since she already learned English at school. Portuguese is much more difficult, and yet, thank God, we are now at the point where we can have a reasonable conversation if the person speaks slowly. I don't know if Grete wrote that we gave our first invitation last week with only Brazilians and only very nice people. There were two lawyers, one with his wife, [?] a bachelor, all of them aged 26-28, so the right crowd for us, a second married couple, the husband is a civil servant at a ministry, and a trainee lawyer who otherwise comes to our house twice a week in the evening to speak Portuguese and we speak German with him. But these two hours always turn into three. So it was so lovely and especially nice that evening that Grete said it was the most beautiful evening we had had here so far. But that doesn't mean anything, because Grete is actually a little bit in love with one of the gentlemen. They are always so nice to Alfons, because they are our lawyers, and when he comes, they always give him a particularly warm welcome, even though neither of them speaks German, but the official I am writing about is usually the interpreter. Now I am eager to visit them, as is customary in Brazilian families. As I have heard, men and women sit separately, as in school, always along the wall, because they do not have tables like we do. So we will wait and see. So, now back to your letter. We heard from Mrs. F. that there are so many Germans in Havana. She also met Else Lewkowitz's sister there. Else and her husband live in Lisbon; he has reacquired Portuguese citizenship and is said to be doing very well. We are well informed about the sad circumstances in the family of Mrs. F.'s sister and Trude; it is terrible. Especially this woman, who had such a good marriage with her husband. And what will become of the children, who are German nationals? They are not allowed to stay with the man, and where are these poor people and Mrs. F.'s poor mother supposed to live? Yes, that's life; how terrible it must have been for your mother, Kaete, when this gang was staying with the Eckmanns. Hopefully everyone has recovered from the shock, and she and her son will soon have the opportunity to leave there.
No. 2We are equally delighted that you enjoy reading our letters, for that is, after all, their purpose. Life could indeed be very pleasant for us, if we did not have to worry so much about our relatives. Unfortunately, I must say that our social engagements is increasing every week. With every invitation, we meet new people, and they are all from the best families. When I tell you that in the last fourteen days, there has probably not been a single day, when we have not had visitors. Either in the evening or in the afternoon. You can believe me, and I still owe many, many families a visit. However I don't feel like it in this heat, so I'll wait a while, then I'll play several double bridges, then it will be better. The other day we wrote down the families we invite, and there were already quite a few twenty, but in the meantime there are even more. Yesterday, for example, Camilla Spira's sister-in-law and brother-in-law were with us. They are very young, promising people who also came on our steamer. Things often happen in strange ways in this world; Camilla Spira was at the last cultural evening in H. and told me that her relatives were also going to B., and then we met them on the steamer. They are particularly nice people, whom we enjoy spending time with. You should see how Alfans greets people here in the Brazilian way; the men hug each other despite the heat and pat each other on the back. The women, if they are somewhat closer acquaintances, kiss each other on both cheeks, but that's not for me. Every Thursday we have a regular bridge game with a young lady whom we already knew from Schierke, but back then she was still a young girl. Otherwise, there is a lot of playing at parties. There are families here, it's true, who invite guests 14 days in advance so as not to get any cancellations. We were also invited last Wednesday for the Sunday after next. So that's also 14 days in advance. In these circles, you don't notice much of the emigrant life, but nevertheless, there is also a lot of misery here. We would be really happy if the Rosenthals, the Elberfelders, and the Brandensteins were out of here. The Rosenthals want to come here by force, and unfortunately, despite our good connections, there is nothing we can do. Firstly, Ludwig is very old, and secondly, you can't request siblings. I still hope that they will be able to go to the United States, because Ludwig has a brother there who is not doing particularly well, and my cousin, who is doing very well, already has to support a bunch of people, of his immediate family. Unfortunately he has not yet replied to our letter. Gertie's children are all in Holland; the Plauts also want to go to America, but who knows when that will happen, it will be quite some time. I just want to know what people in America want to do? It's fabulous that the committees are doing such great work; we have heard this from various other sources as well. Yesterday, a Mr. Israel, formerly from Hanover, visited us and told us that his brother, who wrote to us with his wife and two small children, has not had such a carefree life in a long time. He is also being taken care of by the committee and will soon get a job. The Brandensteins also want to come here from Italy with their children. Alfons is making a tremendous effort, and Max may be able to get a representative visa, besides he is Czech. Then he can later request the children, who are now in France. What does it mean to have enough money, as you write, Kaete? Except that we may be living a little too expensively, but there was nothing else available at the time, as the oh-so-dear family wanted to live together, we live very frugally. We used to go to the movies quite often, and we also went three times for tea at a large English shop, which is very elegant and beautiful, but now all of that is too expensive for us, and above all, we are not in the mood for it. The work in the houses cannot be compared to that in Germany. Everything takes much more effort; every day my empregada, which is what domestic help is called here, takes all the carpets out, clears everything out of the rooms, and when it is the rainy season, you have to empty the cupboards very often and hang all the clothes and shoes and leather items out in the sun. I am certainly quick at work, but I always have a lot to do. Now my empregada has not been here for three weeks because one of her many children was sick. I did everything all by myself for eight days, then she brought me another one, but she has only been here for two months and used to live in the interior. It was amazing how quickly this woman learned the work, and I was so pleased with her that I will take her on permanently later, when mine has the baby. I am very fortunate that the third one is in a different situation.
No. 3.But that doesn't mean anything here, where all families have countless children and dogs. So now to our trip. Alfons and Grete always hatch such plans, and I was just as surprised as you, when one day, we were told we were going on a trip. Serra-Negra, translated as black mountain, is a very small place, perhaps like Thale in the Harz Mountains. I was mistaken, I don't mean Thale, but Elend; perhaps it is not quite as beautiful. You can drink radium water [?] there, but unfortunately the swimming pool was not yet finished. There were about 130 people there; the food was excellent, the host is Swiss and used to have a hotel in S.P. There was just too much to eat, so we went on strike afterwards. Meat three times a day, at lunch and dinner. We went on nice walks as far as the weather allowed A young Brazilian joined us, which was good, so we only spoke Portuguese. Lunch was served from 11 a.m. to 1 p.m. At 1/2 p.m. there was coffee, tea and bread rolls with butter or honey, then dinner, which is the main meal here, from 6 to 8 p.m. At 1/2 10 p.m. there was again all kinds of tea or coffee. As you can see, you don't go hungry there. We had to travel about four hours by train and 1 1/2 hours by car. The train was very nice, clean, and comfortable, and on these trains here, coffee, sandwiches, ice cream, or sweets are handed around. Did our state suffice? That's a strange question, because we were the most elegant. The Brazilian women dress very simply in the small bathing areas. In the mornings, they all ride in pants and do a lot of sports. We were there for 10 days. If you have a copy of your last letter, which I don't believe you do, then please compare how accurately I answer everything. You must be happy and glad that your children are with you; you can cuddle with them too. We are with Grete every day, and there is no shortage of topics of conversation. Grete will write to you herself, about her relatives. I believe that the Brazilians also know how sad our fellow believers in Germany are, but that's the end of it. They cannot imagine it, because Brazilians are particularly attentive and kind, and cannot comprehend such cruelty. It is unheard of for Germans to have much contact with Brazilians, and for them to just come over like they do with you. I would very much like to meet more Brazilians, but Brazilians are a completely different breed of people. At the moment, various emigrants, i.e., the daughters, are being baptized here. One of those baptized is already engaged to a Brazilian. The other one has an Aryan mother. But they are all people from our immediate circle of acquaintances. I don't think it's right to baptize them, because they remain Jews at heart. They didn't give us any presents at Christmas, except for small gifts on birthdays. If we happen to know of something that someone could use, then we give it to them as a gift, and that's how Grete and we do it too. I forgot to mention that in Serra Negra, we played bridge every day with an Aryan couple who came here right after the war. Then, at Christmas and New Year's Eve, a table of about eight people arrived, whom we took to be full Aryans and who therefore initially disturbed our peace and quiet. Until it turned out that some of the gentlemen were Jews with Aryan wives. One of the gentlemen even had the beautiful name Dr. Cohen. Alfons, knew him because he had a large mill over there. When we took the tram to Dammanns for coffee the other Saturday, we saw a couple walking who looked so genuinely German. She waddled along with big feet in front, and he, a little man armed with a raincoat and umbrella, followed behind. Just for fun, because they looked so funny, I said to Grete, “I bet they're going to Dammann's too!” “Oh, no,” she said, “they're going to the cemetery.” Mr. D. said to Alfons when we arrived, "I hope you don't mind, but we've also invited a family from Hamburg. The gentleman used to have a large grain business." Alfons was very pleased, as G. and St. had worked with this [?] for 50 years. And what can I say, it was these two people I saw from the Bonde. Once again, it was clear that you should never judge by appearances, because they are very nice people. They were so happy to be with us that they were already at our place the next evening. Today, Tuesday, I am continuing; now I must first see where I left off in answering your questions. Our children are currently writing that they are quite dissatisfied, as business, as one can easily imagine, is not going well. Marthel's father was in a concentration camp for a long time, but is now free, and they are also going to Palestine. Perhaps the children will come to their senses and come here after all. Marthel has kept her job. Erich and Herzberg left the factory again in January, so it must not have been anything special, and that's why the brothers had to disagree.
No. 4.We talk together, but that's the end of it; and the best thing is that Erich's are even more offended by Grete than by us, because they don't take any notice of her at all. Which is very strange, I have only seen the Herzbergs go to the Erichs' or from the Erichs', but otherwise never. They are now very angry with us; isn't that strange? But with Grete too; because Grete had invited them several times at first, but they, like the Erichs, take no notice of her, as I said. Mrs. H. seems to be doing well, because I have heard nothing Mrs. H. seems to be doing well, because I haven't heard anything otherwise. They live in an apartment building near the former factory, which is now a bit out of the way. It is doubly sad that your brother-in-law's brother, L. Kaete, died just after he came out of the concentration camp. Yesterday we popped in next door to Katz, as one of his brothers, who lived in Hamburg, had come with his family. What they tell us is heartbreaking; he was of course also in the concentration camp but doesn't talk about it, as it would be too terrible. One day in the concentration camp would be like 10 days under heavy fire. Mrs. Lorch is particularly badly affected, but why didn't these rich people leave much earlier? You hear so often that it is precisely the rich people who cannot part with their money. And now they don't get any news at all. You hear the most terrible things here, and I wondered what women have to go through when their husbands are in concentration camps. It's a miracle that Alex Gross was able to stay at home, because as everyone says, the gang didn't care much about age. Even my brother-in-law was arrested, although only for a few hours. I was particularly shaken by what you wrote about the Neumanns. We knew that Louis and Adolf had been arrested, but not that he had been so ill, and that Mrs. Benjamin is no longer quite normal. It's terrible what poor, delicate Erna has to go through. We also didn't know that they didn't keep anything from the sale of the business. W.C.'s house was bought by Papier-Geisler, who took over all the inventory. The same goes for W.C.'s successor, who moved into the large apartment and also took over the furniture. When you think about it, we are really still lucky, as you would say, Kaethe, we have had bad luck. We still read the German newspaper here, unfortunately, because Alfons can't read the others, but everything in it is always very biased. But I read a Portuguese one. We were very pleased to hear that Falkenstein's son is doing well and that they got out in time. But we were especially happy to hear that Edith Karger is engaged. Else is really lucky with her children. You surely know that W.C. and Gross are living with Dr. Weiss. But what will happen if Pesta sells the house or has to sell it? Unfortunately, we have never heard from Trude again. Perhaps we will write to them sometime, but it is so difficult to know what to write to these poor people. As we have heard, Crohn has moved to the States, and Hanchen and Mann live in Hanover. We haven't heard anything else. But Maxe learned pedicure and wanted to practice it in America. From Mrs. Silberberg, we apparently had the same card. She writes very unhappily and is very worried about her children. Why the Sondheims haven't left yet is beyond me. Some time ago, a gentleman visited us who had previously studied with Sam's father and has been here for quite some time. Sam had visited this gentleman when he was here, and the gentleman insisted that he should come here with his family, as he was doing very well here in a similar line of business. But he did not want to, and when Sam was in the concentration camp, Rita wrote to this gentleman. Now unfortunately it is no longer possible. But why did these people not go to Palestine as Zionists right away? I haven't heard anything from Knusts et al. either. You're right, Kaete, they're all afraid. Can you imagine Mr. Sumpf as a door closer? We also didn't know that Hessel had had an accident; what will that poor woman do now? We also didn't know that the community had to tear down the synagogue itself at its own expense. We always said they couldn't let it burn down because of the many old houses around it. Mrs. Jacobson is supposed to go to Rudi's, as we heard, and Fritz with his wife to Palestine. Adold J. should have lived to see that, and if he knew, he would turn in his grave. I don't know if the relationship between Fritz and his wife was no longer so good, but I do know that I would have preferred to go to Palestine with Lieschen than to go to Mexico alone. We wrote to the Harwitz family because we hadn't heard from them in so long, and we received a reply. As Grete said, she reported on it. Else still can't resist making a big fuss, but Willy wrote very sensibly and sadly. Lieselotte seems to have a little friend, as Else writes, and she is also coming to America.
No. 5But she wrote very highly of Bechers, which makes Max very happy. He is still in England, but no longer in the position he used to be in. The Ernst Reichenbachs seem to still be in Germany, as Else writes that they are very good friends. Is it believable that these people, after he had already paid enough tuition fees, while we were still over there? She once told me that they didn't have enough money to emigrate because her husband was ill and needed so much money for medicine. But what do they have now? How often did he tell me that our gentlemen had made a mistake when they sold the business. But it seems that in this respect we were smarter after all. Karl Nussbaum is supposed to come here to the interior with his wife and Dr. Plaut and his wife, which means he must have remarried, because he is divorced from his first wife. But we haven't heard anything more from him yet; he would certainly have visited us. But the son of the Reichenbachs from Wernigerode is here with his wife and a little boy. He was referred to Erichs by Pesta. I saw him, but didn't recognize him, and haven't spoken to him yet. He was with his father in [?], where his father also died. Hete Helft also wanted to go to [?] we don't know if she's already left. The three comrades were here too, but we didn't watch them. We don't go to the movies anymore, firstly because we like to save money and secondly because [?] we're not in the mood. Yesterday evening, our friend, the gentleman who was staying with us, called and asked us to go with them to a masked ball, because it's carnival season now, and there's a lot of hustle and bustle here and all the shops are closed. But of course we didn't go, and we haven't seen anything of Carnival this year, it's not called Carnival here, except for a few people in costume from our neighborhood. Then I have a big request, dear Kaete. All my recipes are already known to my friends and acquaintances, and I would be very grateful if you could send me some new American recipes. I'm happy to return the favor. But you have to write them down very clearly, because I can't call you to ask for more details. How I would love to do that! We don't eat lentils or beans here, only feigean, which are brown beans, the national dish here. But such a pressure cooker must be very good. I often cook things in a cooking box, which is a hat box lined with newspaper, and when the food is cooking nicely, I wrap the pot tightly in newspaper and then it's cooked nicely. All household items are very expensive here. Unfortunately, I've lost almost everything, and I suspect it was already in H., where everything was left out in Grete's basement. But it's okay. It's midsummer here now; it's often very hot during the day, but in the evening it always cools down wonderfully. Every day I take a cold shower, I'd love to do it more often, it's wonderful; even Alfons does it, though not as often. Alfons really leads a wonderful life here; I'm happy for him, after he spent his whole life tormenting himself with business. He does have to run around town a lot to make inquiries for relatives and friends who want to come, etc., but otherwise he feels very comfortable. The main thing is the bowling club, where he plays an important role, and then all the bridge. Here, there is afternoon coffee, but only for gentlemen. I mean invitations where proper service is provided, as it used to be with us. You should see Alfons when he goes out in his white suit, dressed up like a young girl. We have winter here too, but it doesn't get really cold, just quite cool; but because of the intense heat in summer and the fact that your blood gets much thinner here, you feel the cold more easily. In summer, the water often comes out of the pipes almost lukewarm, because the pipes are not buried very deep in the ground. All the meters, whether gas or water meters, are installed in a small cabinet in front of the house, because nothing can freeze there. Yesterday I spoke to a lady who has the same problem with her fingers, than I had. The operation did have its benefits, because the two fingers are normal, but now I have it on my little finger. However, I'm not having anything done again, because a doctor here told me that it's not that harmless. So, now I think the arc will soon be full again, and I believe you can be satisfied with me. Due to the many answers I had to give, my letter has turned out so different from usual; the next one will be more charming again. Grete just told me that a lady invited us today, February 22, for March 4! Isn't that outrageous??? I would also like to have the lady's address. It is Dr. Suchaschewsky, formerly of Hanover. For today, warmest regards to you and your children.
With old friendship Your Sophie. Now I have written so much [?] [?] that I will leave the congratulations for later. We, dear Alfred, send you our warmest congratulations on your birthday and all the best. We [?] love.