Letter from Edith and Jechiel Bloch to Rosa and Theodor Falkenstein, November 15, 1944

Date
September 21, 1944
Format
Category
Repository
Archives & Special Collections, University of Nebraska-Lincoln Libraries
Collection
Rosenberg Family Papers, MS 0638
Letter from Edith and Jechiel Bloch to Rosa and Theodor Falkenstein, November 15, 1944
 
Meine Lieben alle!

Als ich Euch das vorige Mal schrieb, hatte ich noch alles vor mir, und nun ist unser goldiger, kleiner Junge schon 6 Wochen alt. Ich bin so unbeschreiblich glücklich und dankbar, wie Ihr es Euch gar nicht vorstellen könnt. Wenn das die Eltern noch erlebt hätten! Nun hoffentlich werden Jechiels Eltern noch die Freude am Enkelkind erleben! Ich denke mir, daß Ihr nun gern einige Einzelheiten über die Geburt usw. wissen möchtet. Ich fange mit der Hauptsache an: alles in Ordnung. Die Geburt war weder bsonders lang, noch irgendwie kompliziert. Ich habe am 1.Okt. noch wie gewöhnlich gearbeitet, abends waren wir noch zum Abendbrot in der Sukkah der Ahawah, obwohl ich schon seit gegen Mittag spürte, daß meine Zeit gekommen war, gegen 10 fuhren wir ins Krankenhaus, und um 1/2 8 früh war der Junge da. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, mit welcher Freude dieses Kind von allen Seiten begrüßt wurde, die ganze Siedlung nahm an unserem Glück teil, es hatten auch so viele Menschen mit gebangt. Wir hatten hier gerade kurz vor meiner Entbindung 2 Todesfälle von jungen Müttern, eine meiner Arbeitskolleginnen und eine Nachbarin sind gestorben, das hat uns alle furchtbar bedrückt, und ich muß sagen, auch mir war nicht immer wohl in meiner Haut, und wenn Jechiel nicht so wäre, wie er eben ist, so wäre es noch viel, viel schlimmer gewesen. In der Ahawah war auch große Freude und Überraschung. Obwohl ich schon beim Abendbrot wehen hatte, hat doch niemand etwas gemerkt, und beim gemeinsamen Frühstück am nächsten Morgen wurde die Geburt unseres Jungen schon allen mitgeteilt. Gabriel -so heißt Euer kleiner neuer Neffe- wog bei der Geburt 2 3/4 Kilo, inzwischen hat er es aber schon auf 3 1/2 gebracht. Er sieht vom ersten Moment an seinem Vater sprechend ähnlich, ich hatte daher auch nie Angst, daß man ihn in der Klinik etwa verwechseln könnte. Er ist ein goldiges Baby, G.s.D. sehr kräftig, man hat mir allgemein so ein Kind gar nicht zugetraut. Seit einigen Tagen beginnt er, ein bißchen in der Babysprache zu reden, jeder Tag bringt etwas Neues und Schönes. Mich hat eine Bekannte, eine Nachbarin, in den ersten 14 Tagen sehr hübsch versorgt, da unsere Häuser so nahe beieinander liegen, konnte sie ihren und unseren Haushalt zugleich machen, nun habe ich noch stundenweise Hilfe, denn Haushalt, Baby und Windelwäsche kann ich ja doch nicht bewältigen. Wann ich in der Ahawah wieder anfangen werde, ist noch ungewiß, im Sommer kann ich das Kind ja mitnehmen und dort im Garten lassen, aber während der Wintermonate werde ich irgend eine andere Lösung finden müssen. Ich stille, aber meine Nahrung reicht nicht aus, so gebe ich bei jeder Mahlzeit Brust und Flasche. Das Kind gedeiht dabei G.s.D. gut, er wiegt, wie gesagt, schon über 3 1/2 Kilo, und sieht niedlich und rund aus. Über Eure Glückwünsche, liebe Falkensteins, habe ich mich riesig gefreut, man wartet ja bei allen großen Erlebnissen, schönen und schweren, immer besonders auf ein Zeichen der Verbindung mit seinen Lieben. Ich hatte in den letzten Briefen schon immer gespürt, wie Du, liebe Tante Rosa, mit Deinem Denken hier warst, und es war mir sehr lieb, daß Ihr noch im Laufe des Oktober die Nachricht von der glücklichen Geburt hattet. Wie geht es Herbert und seiner jungen Frau? Möchten Sie recht glücklich und zufrieden miteinander leben! Nun wünsche ich nur auch Annelie einen recht lieben und gütigen Mann, aber lieber abwarten, ich kann ja aus Erfahrung urteilen, ich habs mir ja auch erwartet!!

den 21.11.44.   den 21.11.44.

so lange bin ich nicht zur Fortsetzung des Briefes gekommen. Heute hat Jechiel Geburtstag, und zu diesem Anlass habe ich unsern Jungen zum ersten Male photographiert. Man sagt zwar immer, daß Bilder von so kleinen Kindern gar nichts wiedergeben, aber ich denke, Ihr freut Euch doch, unsern geliebten kleinen Buben bildlich kennen zu lernen.

Liese ist seit einen Tag nach dem Brith krank. Sie hatte erst Typhus, der G.s.D. leicht war, aber nun hat sie eine sehr unangenehme Komplikation bekommen, eine Entzündung des Ischias-Nerven Sie hat einen Monat fest zuhause gelegen, das war aber schrecklich schwer, sie konnte sich nicht rühren und mußte eine Schwester haben, was nebenbei unheimlich viel Geld kostet. Jetzt ist sie seit ein paar Tagen im Krankenhaus, und wir hoffen, daß sie dort intensiv behandelt und recht bald gesund nachhause kommen wird. Susanne hat inzwischen fast allein Hausfrau gespielt, sie ist in der Beziehung wirklich ein tüchtiger Kerl, nun erwarten wir aber morgen Frau Rosenthal (aus Görlitz), die Liese vertreten und nachher noch pflegen soll. Nun aber Schluß, ich muß das Kind Baden, und der Brief soll weg

Recht, recht herzliche Grüße Euch allen Eure Edith

Meine Lieben! Immer sollte ich Euch ein Bild von mir schicken. Nun habe ich so lange damit gewartet, bis statt meines [?] das meines Thronfolgers fertig geworden ist, das wir Euch hiermit verehren. Heute kam mir der Kleine mit seiner Mutti ein ganzes Stück entgegengenfahren, als ich aus der Schule kam. Das ist für mich die größte Freude. Und der Freuden gibt es so viele!

Ich grüße Euch alle herzlichst! Jechiel
German | English (translation)
To all my dear ones!

When I wrote to you last time, everything was still ahead of me, and now our sweet little boy is already 6 weeks old. I am so indescribably happy and grateful, more than you can possibly imagine. If only the parents had lived to see this! Hopefully, Jechiel’s parents will still get to experience the joy of having a grandchild! I imagine you would now like to know some details about the birth, etc. I’ll start with the main thing: everything is fine. The birth was neither particularly long nor in any way complicated. I was still working as usual on Oct. 1; in the evening we were still having dinner in the Ahawah’s sukkah, even though I had already felt since around noon that my time had come; around 10 we drove to the hospital, and at 7:30 in the morning the boy was here. You can’t imagine the joy with which this child was welcomed by everyone; the whole settlement shared in our happiness, so many people had been holding their breath for us. Just before I gave birth, we had two deaths of young mothers here, one of my coworkers and a neighbor passed away, that weighed heavily on all of us, and I must say, I didn’t always feel at ease either, and if Jechiel hadn’t been the way he is, it would have been much, much worse. There was also great joy and surprise in the Ahawah. Although I was already having contractions at dinner, no one noticed anything, and at breakfast together the next morning, the birth of our boy was already announced to everyone. Gabriel -that is the name of your little new nephew- weighed 2 3/4 kilos at birth, but he has already reached 3 1/2. From the very first moment, he has looked strikingly like his father, so I was never worried that they might mix him up at the hospital. He is an adorable baby, thank God very strong, generally, no one thought I was capable of having a child like this. For the past few days, he’s started babbling a little, and every day brings something new and wonderful. A friend of mine, a neighbor, took very good care of me during the first 14 days, since our houses are so close together, she was able to manage both her household and ours at the same time. Now I have help on an hourly basis, because I simply can’t handle the housework, the baby, and the diaper laundry all at once. It’s still unclear when I’ll be able to start working at Ahawah again. In the summer, I can take the child with me and leave him in the garden there, but during the winter months I’ll have to find some other solution. I’m breastfeeding, but my milk isn’t enough, so at every meal I give him both the breast and the bottle. Thank God, the baby is thriving, as I said, he already weighs over 3 1/2 kilos and looks cute and chubby. I was overjoyed by your congratulations, dear Falkensteins; after all, during all major experiences, whether happy or difficult, one always looks especially for a sign of connection with one’s loved ones. In my last few letters, I had always sensed how you, dear Aunt Rosa, were here in spirit, and I was very touched that you received the news of the happy birth still in the course of October. How are Herbert and his young wife doing? May they live happily and contentedly together! Now I only wish Annelie a truly kind and loving husband as well, but I’d rather wait and see, I can judge from experience, after all, I had high hopes myself!!

November 21, 1944. November 21, 1944.

I haven’t been able to get around to finishing this letter until now. Today is Jechiel’s birthday, and to mark the occasion, I took our first photograph of our little boy. People always say that pictures of such small children don’t really capture anything, but I think you’ll be happy to get to know our beloved little boy through this photo.

Liese has been sick since the day after the brith. She first had typhoid, which, thank God, was mild, but now she has developed a very unpleasant complication, an inflammation of the sciatic nerve She was confined to bed at home for a month, but that was terribly difficult, she couldn’t move and had to have a nurse, which, by the way, costs an awful lot of money. Now she has been in the hospital for a few days, and we hope that she will receive intensive treatment there and come home healthy very soon. In the meantime, Susanne has been running the household almost entirely on her own, she’s really a diligent person in that regard, but tomorrow we’re expecting Mrs. Rosenthal (from Görlitz), who will stand in for Liese and take care of her later on. But enough now, I have to bathe the child, and the letter needs to be mailed.

Warmest, warmest regards to all of you Yours, Edith

My dear ones! I’ve been meaning to send you a picture of myself for ages. I waited so long until, instead of my [?], the one of my heir to the throne was ready, which we hereby present to you. Today the little one drove quite a distance to meet me with his mom when I came out of school. That is my greatest joy. And there are so many joys!

I send you all my warmest greetings! Jechiel