Nr. 57
17.5.40
Mein lieber Junge!
Hoffentlich hast Du Dich nun inzwischen über meine angebliche Entgleisung beruhigt. Seit meiner
Bestätigung ist von Dir in dieser Woche kein Brief eingegangen. Sobald Du die neue Adresse von Suse
und Alfred hast, bitte ich mir dieselbe mitzuteilen, sie haben sich doch ein Häuschen gemietet und
sind dort mit allen Sachen eingezogen. Alle Sachen sind gut angekommen, es war, wie sie heute
schrieben, auch nicht ein Glas entzwei, das ist doch fabelhaft. Alfred G. ist in Genua gut
eingetroffen und wird Ende dieses Monats drüben sein., die Mutter war soeben bei uns. Soeben habe
ich Plocki gesprochen, sie hatten bei der Untersuchung Pech, er muss aus gesundheitlichen Gründen
drüben noch eine Bürgschaft stellen. Die Menschen tun mir leid. Der Brief ist mit Winterhilfe 4, 5,
6 frankiert. Nun kommt Muttel an die Reihe.
Herzliche Grüße und Küsse,
Dein Vatel.
Mein guter Junge!
Da wir vorige Woche 3 liebe Briefe von Dir hatten, haben wir in dieser Woche noch keine Nachricht
von Dir. Ich muss Dir nochmals sagen, wie sehr ich mich mit den Fotos von Goldy gefreut habe, sie
ist sehr hübsch, und wie Du schreibst, gut, klug und vernünftig und das beglückt mich sehr. Wir sind
gesund und geht es uns gut. Heute bekamen wir einen Brief von Brauers. Sie schilderten uns ihr
Missgeschick mit ihrem Gepäck. Sie waren sehr erfreut, dass Du ihnen Hilfe angeboten hast, das hast
Du rechtgetan. An Muttel Brauer sandte ich heute eine kleine Aufmerksamkeit zum Muttertag, sie
schreibt uns öfter. Hier ist’s noch immer kalt. Wie hast Du Deinen Geburtstag verlebt? Susel hat nun
ihr eigenes Heim und sie sind recht glücklich und das erfreut mein Mutterherz, Euch glücklich zu
wissen ist auch unser Glück. Am 12.5. haben wir auch ein bisschen Deinen Geburtstag gefeiert.
Plockis und Onkel und Tante Lachmann waren bei uns. Bleib gesund, innige Grüße Dir und Goldy,
in herzlicher Liebe,
Deine Muttel.