No. 14
12.6.39
Lieber Heinz!
Brief 14 von Dir ist eingegangen. Hier war es auch einige Tage sehr heiß, aber jetzt ist normale
sommerliche Temperatur.
Dieser Brief ist mit 6 Marken frankiert, ich schicke ihn per Einschreiben, damit die Marken nicht
abhanden kommen, außerdem habe ich alle extra fest aufgeklebt. Die Marken sind bei der Post nicht mehr zu haben. Ich kaufte sie beim Händler. Der Satz Auto kostet Ütz, der andere cl. Ich bin begierig die Bestätigung von 12a zu bekommen. Da dieser Brief per Luftpost nach Cherbourg geht, sende ich die Bilder von Alfred und Suse mit dem nächsten Brief. Wegen Deiner Brille werde ich zu Ruhnke gehen, ich muss aber wissen, ob Du ein Gestell haben willst bei dem die Bügel in der Mitte der Gläser, oder am oberen Ende angesetzt haben willst, denn ich glaube nicht, dass die Art des gehabten Gestells notiert sein wird. Welchen Pupillenabstand hast Du, dies ist sehr wichtig. Liesel wird dann alles besorgen. Plocki geht es jetzt besser, er hofft Mitte Juli aus dem Krankenhaus zu kommen. Morgen fahre ich nach Katscher um Tante Elses Grundstück zu verkaufen. Mit meinem Haus ist es noch nicht ganz soweit, der neue Einheitswert ist aber, soweit ich erfahren habe, bewilligt. Seifert will nun nicht den Vertrag von Dr. N. anerkennen und ich habe deshalb S. ersucht von dem Vertrage zurückzutreten. Dr. N. war gestern hier bei mir und hat mir eine bindende, schriftliche Erklärung gegeben, dass er sofort in den Vertrag eintritt und möchte sehr gern das Haus haben. Wir werden nun sehen, was wird. Muttel ist kochen und es klappt schon fein, ich bekomme allerhand Neuigkeiten zu essen.
Wir hoffen bald wieder von Dir zu hören. A. und S. schrieben aus Madeira einen Brief und befinden
sich sauwohl.
Nun leb wohl, bleib gesund und sei herzlichst gegrüßt und geküsst,
Dein Vatel
Mein lieber Junge!
Ich freue mich sehr mit Deinem lieben Brief, dass es Dir gut geht und alles all right ist. Auch
uns geht es gut, den Abschied von Suse haben wir wohl eher überwunden wie L.’s, denn wir hatten ja nicht mehr viel von ihr. Die letzten Tage und Stunden waren ja bei ihr auch mit
Laufereien ausgefüllt und dann gehen sie hoffentlich einer guten Zukunft entgegen. Am 20.6. sind sie in Durban, dann bleiben sie 8 Tage in Johannisburg um dann in die neue Heimat zu kommen. Die beiden Damen Gossmanns waren vorige Woche bei uns, die Schwestern von Onkel Hugo, sie erzählen von einem Herrn Jacobus und Rotherberg (Eisenach), die sich an der Beach in einem Hotel einen Laden abgemietet haben und Frühstück und Sandwichs verkaufen und sehr gut machen. Ich glaube, es war Long Island. Jacobus ist ein Vetter von Onkel Hugo durch Heirat. Abends erzählt L. Plocki dasselbe. Da ist Jacobus mit Robert Pl. verwandt und Rothenberg ist der Bräutigam von dem jungen Mädchen, die damals in der Wallersdorfer Mühle mit uns war. Du kannst Dich ja mal bei Gossmanns erkundigen. Hattest Du eigentlich zum 12.5. von Tante Hanna einen gesonderten Brief erhalten, nicht als Einlage, sondern direkt geschrieben? Grüße Rosenthals herzlichst von uns, schreibe uns einmal die Adresse, damit wir schreiben können und uns bedanken, dass sie so nett sind. Haben die Eltern Aussicht bald zu herüber zu kommen? Wird denn drüben gern german cookery genossen, oder ist die Küche ganz anders? Wenn man nur richtig kochen kann, stellt man sich schon auf Variationen um.
Herzinnigste Grüße,
alles, alles Gute,
in Liebe,
Deine Muttel
Tante Hanna lässt vielmals grüßen.