Letter from Curt and Regina Shönwald to Henry Wald, April 24, 1939

Date
April 24, 1939
Format
Category
Subcategory
Repository
George A. Smathers Libraries, University of Florida
Collection
Schönwald Family Correspondence
Bibliographic ID
MSS 0510; https://findingaids.uflib.ufl.edu/repositories/2/resources/1582
Sender(s)
Shönwald, Curt
Shönwald, Regina
Sent from
Berlin Schöneberg, Germany
Recipient(s)
Wald, Henry
Received at
New York
 
No. 6
Mein lieber Junge!

Für Deine lieben Briefe No. 4 vom 4/10 arrived 21/4 und den mit den Einlagen schönsten Dank. Du machst uns eine sehr große Freude mit Deinen ausführlichen Berichten und vor allen Dingen, dass es Dir gut geht. Das beglückt auch uns sehr, dass Du Dich wohl fühlst und Dir Deine Tätigkeit sehr liegt, jedenfalls für Dich viel besser als zuerst in einer anderen Branche, die man gar nicht kennt, zu arbeiten. Lachmanns lesen Deine Briefe, natürlich auch Alfred und Suse mit größtem Interesse und es betrübt mich, dass Du weder jemals einen Gruß noch ein paar Zeilen für sie beilegst, sondern für Riss und Martha und nicht für die nächsten Angehörigen. Als ich Onkel Adolf bat, Dir mit Antwortschein zu schreiben, hat er es sofort getan. Hast Du den Brief nicht bekommen nach M. Vernon? Am 21.4. hatte Onkel A. Geburtstag. Falls Du noch nicht geschrieben hast, tue es bitte sofort. Suse wundert sich schon. Im Mai soll es nun losgehen, in dieser Woche erhoffen sie Packerlaubnis und Pässe zu bekommen. Herr Küffner schreibt von dort, dass es geschäftlich auch dort sehr schwer sei. Ich freue mich, dass Du so gut wohnst und zufrieden bist und auch gut reichlich und billig Dich beköstigen kannst.

Wir waren neulich bei den Schwestern von Onkel Hugo,   2 sehr aufgeregte Damen, die nicht verstehen können, dass sie warten müssen, bis ihre Registriernummer dran ist. Wir versprachen ihnen behilflich zu sein, wenn es soweit ist, oder auch wenn jetzt mal irgendetwas an sie herantritt. Sie sind schon aufgeregt, wenn irgendein Zettel auszufüllen ist. Nächstens wollen sie uns besuchen. Frau Schäfer aus Dresden liegt hier im Krankenhaus. Sie hatte eine schwere Frauenoperation, aber es geht ihr schon viel besser. Sie freut sich, dass der Lothar F. Dich so nett aufgenommen hat und wundert sich, dass er ihr so lange nicht geschrieben hat. Frau S. schreibt Dir selbst einmal. Lieber Heinz, ich möchte so gern noch etwas lernen, interessiere Dich doch einmal, was das beste wäre, Du kennst ja meine Fähigkeiten, kochen oder backen, oder Blumen, oder Schürzen arbeiten. Sprich mal mit Tante Betty darüber. Waren Onkel und Tante wirklich nett zu Dir? Tante Betty schrieb mir jetzt und bedankte sich. Unsere Wohnung ist so hübsch, da nun alles fertig ist. Die Arbeit macht sich auch gut und alles ist sehr mäßig. Vatel hat täglich Briefe zu schreiben, dann hat er Besorgungen und so vergeht wirklich ein Tag nach dem anderen. Ich wünschte, Du könntest sehen, wie gemütlich es bei uns ist.. Für den Balkon haben wir einen Schirm gekauft, den wir hoffentlich bei schönem Wetter recht oft gebrauchen werden.

In dem Brief an Martha hast Du nichts von Lippmanns erwähnt. Herzliche Grüße und Küsse innigst,

alles, alles Gute, Muttel
 
No. 6
Mein lieber Junge!

Deine Muttel, der sehr bange ist nach Dir, hat schon wieder fast alles beantwortet, so dass mir nicht viel übrig geblieben ist.

Dein Brief No. 4 vom 10.4. und einer ohne Nummer vom 14.4. mit Einlagen sind innerhalb zwei Tagen angekommen. Sei so gut und notiere Dir die Nummern Deiner Briefe, wie ich es mache, und bestätige uns nach den Nummern, sonst kommen wir ganz durcheinander.

Hoffentlich gehst Du auch hin und wieder zu Gossmanns. Warum schreibst Du niemals Grüße an Lachmanns, Alfred und Suse, Du weißt doch ganz genau, dass L.’s alle Briefe lesen und darüber sehr enttäuscht sind. Ich habe Dir auch rechtzeitig Onkel Adolfs Geburtstag mitgeteilt, bis heute ist kein Brief von Dir da. Solche Aufmerksamkeiten gehören nun einmal zum guten Einvernehmen.

Ich freue mich jedenfalls, dass es Dir gut geht und wünsche nur, dass Du auch Aussicht hast vorwärts zu kommen.

Wegen Waldes habe ich an den Vertreter Schramm geschrieben und werde sehen, was zu machen ist. Gib uns Bescheid was Du bei Dr. Lippmann gehört hast, warum Frau Dr. L. nicht mehr an ihre Großmutter schreibt. Sobald Du kannst, kaufe Dir den Radioapparat, damit Du auch ein Vergnügen hast. Deine Wirtsleute haben wohl früher Kahn geheißen? Anbei sende ich ein paar neuherausgekommene Marken, ich will versuchen den Brief auch noch mit neuen Marken zu frankieren, wenn ich solche bekomme. 6 Pfennig kostet 14 Pfennig, 12 Pfennig kostet 28 Pfennig Aufgeld.

Die Genehmigung für den Hauskauf ist immer noch nicht erteilt, aber einmal muss es doch werden.

Wir erwarten mit Spannung Deine weiteren, ausführlichen Berichte.

Herzliche Grüße und Küsse, Dein Vatel

Wenn Dich Deine Kollegen wegen Deiner Schnelligkeit uzen, so hoffe ich, dass Du nicht in den Fehler verfällst und Dich dadurch in Deinem Arbeitsbereich beeinflussen lässt. Nur zum Mut halten, nur vorwärts streben, nur [?] schafft man sich keine Zukunft, die anderen geben Dir nichts. Aber immer nach höherem streben, wenn auch die anderen lachen.

German | English (translation)
No. 6
My dear son!

Thank you very much for your lovely letters No. 4, dated 10.4, which arrived 4.21 and for the one with the enclosures. You are really making us happy with your detailed reports, and it is especially nice to hear you are doing well. It delights us to hear that you are comfortable there and that you are doing well at your job. At least this is better for you than to be in a completely different line of work, especially at first, one that you don’t know at all. The Lachmanns are reading your letters, of course Alfred and Suse as well, with the greatest interest. It makes me sad that you never mention them, say hello, or even add a few lines for them. Instead of to your next of kin, you write to Riss and Martha. When I asked Uncle Adolf to write to you, he did so immediately. Have you not received the letter at M. Vernon? Uncle A.’s birthday is on 4.21. If you haven’t written yet, please do so immediately. Suse has been wondering about it already. It’s supposed to start in May, this week, they are issuing permissions to pack and passports. Mr. Küffner writes from over there that he is having a tough time in business as well. I’m glad that you live well, are comfortable, and can eat a lot and cheaply.

Recently, we went to visit Uncle Hugo’s sisters, a couple of high-strung ladies, who cannot understand that they will have to wait until their registration number comes up. We promised we’d help them when the time comes or if something else comes up. They even get excited if they have to fill out a simple form. Soon they want to come visit us. Mrs. Schäfer from Dresden is in the hospital here. She had a severe female operation but is doing a lot better already. She is happy to hear that Lothar F. has taken you in in such a friendly manner, and she is wondering why he hasn’t written to her in such a long time. Mrs. S. will write to as well in the near future. Dear Heinz, I would really like to learn something new. Think about it, will you, what would be best for me. You know my capabilities, cooking and baking, or flowers, or sewing aprons. Discuss it with Aunt Betty sometime. Were Uncle and Aunt really nice to you? Aunt Betty wrote and thanked me. Our apartment is so nice, now that everything is done. Work is going well also and everything is temperate. Vatel has to write letters on a daily basis, sometimes he runs errands, and one day after the next goes by, just like that. I wish you could see how comfortable and nice our place is. We bought an umbrella for the balcony. We hope to use it often on sunny days.

In your letter to Martha you didn’t mention the Lippmanns.

Warmest regards and kisses,
the best of luck,
Muttel.
My dear son!

Your mother, who is very worried about you, has already answered almost everything, and there is not much left for me to say.

Your letter dated 4.10 and one without a number dated 4.14 with enclosures arrived within two days of each other. Please do me a favor and make a note for yourself of the numbers of each one of your letters like I’m doing. Then state the number you’re referring to in your letter. Otherwise we’ll get all confused and mixed up.

I hope you visit the Gossmanns every now and then. Why don’t you ever say hello to the Lachmanns in your letters, and Alfred and Suse. You know very well that they read all of your letters and are very disappointed about your lack of concern. I also told you in plenty of time about Uncle Adolf’s birthday, but so far no letter from you has arrived. Such attentiveness is part of having good manners.

I am very happy that you are doing well and hope that you have chances for advancement.

I wrote to representative Schramm concerning Wald and will see what comes of it. Please let us know what you find out at Dr. Lippmann’s, why Mrs. L. no longer writes to her grandmother. As soon as you can, please buy yourself that radio so that you can get some pleasure out of it. Did your landlord and landlady used to be called Kahn?

I am sending along some recently issued postage stamps. I will try to put some on the letter as well if I can get more. 6 Pfennig cost 14 Pfennig, 12 Pfennig cost 28 Pfennig.

The permit to buy the house still hasn’t come through, but it will have to be issued sometime soon.

We wait for your next letters with anticipation.

Best wishes and kisses, Your Vatel

If your colleagues tease you because you are so fast, I hope you don’t let that influence you in your work. Keep your chin up high and strive to get ahead. With [?] you cannot build a future. You cannot rely on others to help you out. Always strive for the highest possible goal even if others laugh at you.