No. 6
Montag
Mein lieber Junge!
Für Deine lieben Briefe No. 4 vom 4/10 arrived 21/4 und den mit den Einlagen schönsten Dank. Du machst uns eine sehr große Freude mit Deinen ausführlichen Berichten und vor allen Dingen, dass es Dir gut geht. Das beglückt auch uns sehr, dass Du Dich wohl fühlst und Dir Deine Tätigkeit sehr liegt, jedenfalls für Dich viel besser als zuerst in einer anderen Branche, die man gar nicht kennt, zu arbeiten. Lachmanns lesen Deine Briefe, natürlich auch Alfred und Suse mit größtem Interesse und es betrübt mich, dass Du weder jemals einen Gruß noch ein paar Zeilen für sie beilegst, sondern für Riss und Martha und nicht für die nächsten Angehörigen. Als ich Onkel Adolf bat, Dir mit Antwortschein zu schreiben, hat er es sofort getan. Hast Du den Brief nicht bekommen nach M. Vernon? Am 21.4. hatte Onkel A. Geburtstag. Falls Du noch nicht geschrieben hast, tue es bitte sofort. Suse wundert sich schon. Im Mai soll es nun losgehen, in dieser Woche erhoffen sie Packerlaubnis und Pässe zu bekommen. Herr Küffner schreibt von dort, dass es geschäftlich auch dort sehr schwer sei. Ich freue mich, dass Du so gut wohnst und zufrieden bist und auch gut reichlich und billig Dich beköstigen kannst.
Wir waren neulich bei den Schwestern von Onkel Hugo,
2 sehr aufgeregte Damen, die nicht verstehen können, dass sie warten müssen, bis ihre Registriernummer dran ist. Wir versprachen ihnen behilflich zu sein, wenn es soweit ist, oder auch wenn jetzt mal irgendetwas an sie herantritt. Sie sind schon aufgeregt, wenn irgendein Zettel auszufüllen ist. Nächstens wollen sie uns besuchen. Frau Schäfer aus Dresden liegt hier im Krankenhaus. Sie hatte eine schwere Frauenoperation, aber es geht ihr schon viel besser. Sie freut sich, dass der Lothar F. Dich so nett aufgenommen hat und wundert sich, dass er ihr so lange nicht geschrieben hat. Frau S. schreibt Dir selbst einmal. Lieber Heinz, ich möchte so gern noch etwas lernen, interessiere Dich doch einmal, was das beste wäre, Du kennst ja meine Fähigkeiten, kochen oder backen, oder Blumen, oder Schürzen arbeiten. Sprich mal mit Tante Betty darüber. Waren Onkel und Tante wirklich nett zu Dir? Tante Betty schrieb mir jetzt und bedankte sich. Unsere Wohnung ist so hübsch, da nun alles fertig ist. Die Arbeit macht sich auch gut und alles ist sehr mäßig. Vatel hat täglich Briefe zu schreiben, dann hat er Besorgungen und so vergeht wirklich ein Tag nach dem anderen. Ich wünschte, Du könntest sehen, wie gemütlich es bei uns ist.. Für den Balkon haben wir einen Schirm gekauft, den wir hoffentlich bei schönem Wetter recht oft gebrauchen werden.
In dem Brief an Martha hast Du nichts von Lippmanns erwähnt. Herzliche Grüße und Küsse innigst,
alles, alles Gute,
Muttel
No. 6
24. April 1939
Mein lieber Junge!
Deine Muttel, der sehr bange ist nach Dir, hat schon wieder fast alles beantwortet, so dass mir nicht viel übrig geblieben ist.
Dein Brief No. 4 vom 10.4. und einer ohne Nummer vom 14.4. mit Einlagen sind innerhalb zwei Tagen angekommen. Sei so gut und notiere Dir die Nummern Deiner Briefe, wie ich es mache, und bestätige uns nach den Nummern, sonst kommen wir ganz durcheinander.
Hoffentlich gehst Du auch hin und wieder zu Gossmanns. Warum schreibst Du niemals Grüße an Lachmanns, Alfred und Suse, Du weißt doch ganz genau, dass L.’s alle Briefe lesen und darüber sehr enttäuscht sind. Ich habe Dir auch rechtzeitig Onkel Adolfs Geburtstag mitgeteilt, bis heute ist kein Brief von Dir da. Solche Aufmerksamkeiten gehören nun einmal zum guten Einvernehmen.
Ich freue mich jedenfalls, dass es Dir gut geht und wünsche nur, dass Du auch Aussicht hast vorwärts zu kommen.
Wegen Waldes habe ich an den Vertreter Schramm geschrieben und werde sehen, was zu machen ist. Gib uns Bescheid was Du bei Dr. Lippmann gehört hast, warum Frau Dr. L. nicht mehr an ihre Großmutter schreibt. Sobald Du kannst, kaufe Dir den Radioapparat, damit Du auch ein Vergnügen hast. Deine Wirtsleute haben wohl früher Kahn geheißen? Anbei sende ich ein paar neuherausgekommene Marken, ich will versuchen den Brief auch noch mit neuen Marken zu frankieren, wenn ich solche bekomme. 6 Pfennig kostet 14 Pfennig, 12 Pfennig kostet 28 Pfennig Aufgeld.
Die Genehmigung für den Hauskauf ist immer noch nicht erteilt, aber einmal muss es doch werden.
Wir erwarten mit Spannung Deine weiteren, ausführlichen Berichte.
Herzliche Grüße und Küsse,
Dein Vatel
Wenn Dich Deine Kollegen wegen Deiner Schnelligkeit uzen, so hoffe ich, dass Du nicht in den Fehler verfällst und Dich dadurch in Deinem Arbeitsbereich beeinflussen lässt. Nur zum Mut halten, nur vorwärts streben, nur [?] schafft man sich keine Zukunft, die anderen geben Dir nichts. Aber immer nach höherem streben, wenn auch die anderen lachen.