Nr. 18
9.7.39
Mein lieber Junge!
Dein Nr. 18 bestätige ich Dir, derselbe enthielt das Rezept von Dr. Ludwig,
dasselbe ist aber zwei Jahre alt. Wenn Du mir nichts anderes mitteilst, werde ich dieses machen lassen, sobald ich die Pupillendistanz habe. Warum schreibst Du jetzt mit der Hand, was ist mit Deiner Maschine? Ich habe jetzt einen Destillateur-Kursus, und es kommt alles wieder in meinem Gedächtnis zum Vorschein, nur das man heute vieles vereinfachst gegenüber früher. Baums Adresse habe ich noch nicht. Tante Else schreibt jedes Mal, dass sie Dir selbst schreiben wird. War der Abschied von Marga sehr schwer? Von Suse und Alfred hören wir sehr oft, d.h. Briefe bekommen nur Stülerstr., aber jetzt haben wir Aussicht da zu Muttels Geburtstag auch einen zu erhalten.
Wegen neuen Marken passe ich schon auf, das hast Du ja an der Derby-Marke
gesehen. Nächste Woche kommt wieder eine neue. Die besorge ich mir jetzt immer
in der Geisbergerstr. W. 30. Jetzt kommt Muttel an die Reihe, die nach Beendigung ihres Kursus nun noch fabelhafter kocht, wie bisher.
Herzliche Grüße und Küsse,
Dein Vatel
Mein geliebter Junge!
Wie Du ersiehst, geht es uns gut. Es ist unglaublich jetzt wo wir nichts zu tun haben, haben wir immer etwas zu tun.
Wir haben sehr heiße Tage, hier im Häusermeer empfindet man das mehr wie früher.
Onkel George hat nun auch an Lachmanns geschrieben und sich lobend über Suse und
Alfred ausgesprochen. Unter anderem schrieb er, wir möchten Dich veranlassen ihm zu schreiben, die Adresse gab ich Dir vorige Woche, und wenn Du es nicht schon getan hast, tue es recht bald. Der erste Brief aus B. war drei Tage nach ihrer Ankunft geschrieben. Sie konnten natürlich noch kein Urteil fällen, A. hat Bammel wegen der Stellung, doch das wird sicher nur ein Übergang sein.
Brauers sind ungeduldig. Sie haben die Registriernummer 60 000 und im Konsulat steht 43 000 bis Juli 1940. Man kann sich also denken, wie lange das noch dauern kann.
Unser Balkon leistet uns jetzt gute Dienste. Gibt es so etwas dort auch?
Unsere Frau Lesser lässt Dich auch vielmals grüßen. Sie geht voraussichtlich
nach Australien im Oktober. Ihre Tochter hat eine blendende Stellung in Cuba.
Warst Du wieder einmal bei Lippmanns?
Onkel Lothar schrieb sehr vergnügt aus Venedig. Er war auf dem Weg nach
Abano, er hat ja dort die Bäder nötig, da er so sehr am Reisen leidet, natürlich
in Begleitung, wenn er nach Haus kommt, erwartet ihn dasselbe Schicksal wie im vorigen Jahr, aber man soll nichts davon an ihn schreiben, wenn er wieder in Bern ist, er ist unverbesserlich, dazu kann man nichts sagen. Was hatte er denn für ein Mädchen, wenn Du dort warst?
Tante Hanna lässt grüßen.
Auch ich grüße und küsse Dich innigst in herzlicher Liebe,
Deine, Dir gute Muttel