Letter from Curt and Regina Shönwald to Henry Wald, July 9, 1939

Date
July 9, 1939
Format
Category
Repository
George A. Smathers Libraries, University of Florida
Collection
Schönwald Family Correspondence
Bibliographic ID
MSS 0510; https://findingaids.uflib.ufl.edu/repositories/2/resources/1582
Sender(s)
Shönwald, Curt
Shönwald, Regina
Recipient(s)
Wald, Henry
Received at
New York
 
Nr. 18
Mein lieber Junge!

Dein Nr. 18 bestätige ich Dir, derselbe enthielt das Rezept von Dr. Ludwig, dasselbe ist aber zwei Jahre alt. Wenn Du mir nichts anderes mitteilst, werde ich dieses machen lassen, sobald ich die Pupillendistanz habe. Warum schreibst Du jetzt mit der Hand, was ist mit Deiner Maschine? Ich habe jetzt einen Destillateur-Kursus, und es kommt alles wieder in meinem Gedächtnis zum Vorschein, nur das man heute vieles vereinfachst gegenüber früher. Baums Adresse habe ich noch nicht. Tante Else schreibt jedes Mal, dass sie Dir selbst schreiben wird. War der Abschied von Marga sehr schwer? Von Suse und Alfred hören wir sehr oft, d.h. Briefe bekommen nur Stülerstr., aber jetzt haben wir Aussicht da zu Muttels Geburtstag auch einen zu erhalten.

Wegen neuen Marken passe ich schon auf, das hast Du ja an der Derby-Marke gesehen. Nächste Woche kommt wieder eine neue. Die besorge ich mir jetzt immer in der Geisbergerstr. W. 30. Jetzt kommt Muttel an die Reihe, die nach Beendigung ihres Kursus nun noch fabelhafter kocht, wie bisher.

Herzliche Grüße und Küsse, Dein Vatel
Mein geliebter Junge!

Wie Du ersiehst, geht es uns gut. Es ist unglaublich jetzt wo wir nichts zu tun haben, haben wir immer etwas zu tun. Wir haben sehr heiße Tage, hier im Häusermeer empfindet man das mehr wie früher. Onkel George hat nun auch an Lachmanns geschrieben und sich lobend über Suse und Alfred ausgesprochen. Unter anderem schrieb er, wir möchten Dich veranlassen ihm zu schreiben, die Adresse gab ich Dir vorige Woche, und wenn Du es nicht schon getan hast, tue es recht bald. Der erste Brief aus B. war drei Tage nach ihrer Ankunft geschrieben. Sie konnten natürlich noch kein Urteil fällen, A. hat Bammel wegen der Stellung, doch das wird sicher nur ein Übergang sein.

 

Brauers sind ungeduldig. Sie haben die Registriernummer 60 000 und im Konsulat steht 43 000 bis Juli 1940. Man kann sich also denken, wie lange das noch dauern kann. Unser Balkon leistet uns jetzt gute Dienste. Gibt es so etwas dort auch?

Unsere Frau Lesser lässt Dich auch vielmals grüßen. Sie geht voraussichtlich nach Australien im Oktober. Ihre Tochter hat eine blendende Stellung in Cuba. Warst Du wieder einmal bei Lippmanns?

Onkel Lothar schrieb sehr vergnügt aus Venedig. Er war auf dem Weg nach Abano, er hat ja dort die Bäder nötig, da er so sehr am Reisen leidet, natürlich in Begleitung, wenn er nach Haus kommt, erwartet ihn dasselbe Schicksal wie im vorigen Jahr, aber man soll nichts davon an ihn schreiben, wenn er wieder in Bern ist, er ist unverbesserlich, dazu kann man nichts sagen. Was hatte er denn für ein Mädchen, wenn Du dort warst?

Tante Hanna lässt grüßen.
Auch ich grüße und küsse Dich innigst in herzlicher Liebe,
Deine, Dir gute Muttel
German | English (translation)
No. 18
My dear son!

I received No.18. It contained the prescription from Dr. Ludwig, which is, however, 2 years old. Unless you say otherwise, I will get it filled as soon as I get your measurements for the pupils. Why are you writing by hand? What happened to your typewriter? I’m now attending a distillery course, and things are slowly coming back to me, except that many things are done in a simpler fashion in comparison to the old days. I don’t have Baum’s address yet. Aunt Else keeps writing that she will contact you herself. Was it hard to say goodbye to Marga? We hear often from Suse and Alfred, although letters only go to the Stülerstr., but we stand a good chance to get one ourselves soon because Muttel’s birthday is coming up.

I pay close attention to when new stamps come out. You probably know that from the Derby stamp that I sent. There will be a new one next week. I buy them in the Geisbergerstr. W. 30. Now it is Muttel’s turn. Since she has completed her course, she cooks even more fabulously than before.

Warmest regards and kisses, your Vatel
My beloved son!

As you can see, we are doing well. It is incredible, but now that we have nothing to do, we are doing something all the time. Uncle George has written to the Lachmanns now and praised Suse and Alfred. He also wrote that we should urge you to write to him, I gave you his address last week. If you haven’t done so by now, please write to him soon. The first letter from B. was written 3 days after their arrival. They weren’t able to judge it yet, of course. A. is nervous about his job, but that is surely just a temporary problem.

The Brauers are very impatient. They have registration number 60 000 and in the consulate 43 000 is displayed until July 1940. You can imagine how long that can take. Our balcony is serving us well right now. Do you have something equivalent over there?

Our Mrs. Lesser sends her best. She will probably leave for Australia in October. Her daughter has a great job in Cuba. Have you visited the Lippmanns lately?

Uncle Lothar wrote a jolly letter from Venice. He was on his way to Abano, because he needs the baths since he has such a hard time traveling. Of course he is not alone. When he returns home, he’ll have to deal with the same things as last year. Nobody is supposed to write to him about that, however. He never learns, what can I say? What kind of a girl did he have when you visited him?

Aunt Hanna sends her best.
I am also sending you the warmest regards and kiss you tenderly and with
love.
Yours truly, Muttel.