Nr. 23
7.8.39
Mein lieber Junge!
Anstatt Mittwoch, wie sonst, kam 22 erst heute am Montag an und war Deine
gute Muttel wieder sehr aufgeregt. Sie bekocht mich jetzt ganz fabelhaft und
bedauert nur, dass sie so gut noch nicht kochen konnte, als Du noch hier warst. Mein Kursus ist beendet und es klappt alles sehr gut. Mit englisch wird es auch noch werden, nur Geduld mein Lieber. Heute fahre ich nach Kamenz, um dort meine Endabrechnung auseinanderzusetzen. Seifert macht mit der Übernahme des Hauses Schwierigkeiten, der Drehkopf, aber er wird kein Glück haben, denn im Vertrage ist alles festgelegt und ich habe ihm geschrieben, er solle zurücktreten, wenn er nicht vertragsgemäß übernehmen will, da andere schon darauf warten. Mit ihm kann ich nur massiv zu einem Ende kommen, sonnst zögert er wieder hinaus. Teile mir doch mit, ob Du aus Norwegen die Marken bekommen hast, es interessiert mich, ob Wort gehalten wurde, denn ich weiß ja, dass Du auf jede Marke für Deine Sammlung verpicht bist. Mit der Brille geht es jetzt in Ordnung. Nun hätte ich für heute alles mitgeteilt. Muttel will auch noch etwas zu schreiben haben.
Herzliche Grüße und Küsse
Dein Vatel
Mein lieber guter Junge!
Ich bin jedes Mal froh von Dir Nachricht zu haben und wenn Du auch nur ein
paar Zeilen auf einer Karte schreibst, dass Du gesund bist, das genügt mir.
Uns geht es gut. Ich bedauere wirklich bei jeder Mahlzeit, dass ich Dir davon
nichts vorsetzen kann. Täglich gibt es wunderbare kalte Obstsuppen, die Du so
gern hast. Aber vielleicht wird das auch einmal wieder. Alfred sucht Vertretungen, d.h. er hat noch seine Stellung, aber das ist bestimmt nur ein Übergang. Er will das eventuell mit Küffner zusammen machen. Wir und L. machen natürlich alle Bekannten, die dafür in Frage kommen, mobil. Lubra hat an Liebreich und an Scherzer geschrieben. Onkel Adolf an Weinbergs.
Es müssen möglichst Artikel sein, die für weiße und die schwarze Bevölkerung
Gebrauchs-Artikel seien.
Nun bitten wir Dich lieber Heinz, Deinen Chef zu fragen, ob er exportieren
würde nach dort, oder Dir Firmen nennen könnte. Dann schreibe bitte per Luftpost
nach Bulwayo. Man muss alles versuchen. Irgend etwas klappt doch einmal. Gestern besuchten wir R. Plocki, der nun zu Hause ist und gute Fortschritte macht. Lubras waren gerade zu Besuch dort. Alle bekommen jetzt von Vatel Eierlikör mitgebracht und sind begeistert.
Vorige Woche waren wir bei den Frl. Gossmanns zum Kaffee. Sie beklagen sich
sehr über ihren Bruder und Neffen, aber erwähne niemals etwas davon.
Auch waren die beiden Damen G. aus der Sternbergerstr. bei uns, die nichts
Neues berichten konnten. Tante Emma Doktor geht nun bald zu ihrer Tochter. Lubra sagt, Walter sieht sich auch nach etwas anderem um, da er dort nicht mehr weiter kommt.
Hemden bügeln will ich auch noch lernen, damit Du Dich später nicht mehr
ärgern brauchst.
Jetzt lernt überhaupt jeder 1-2 Sachen. Tante Emma lernt Maschen in Strümpfen
aufzunehmen, auch eine gute Sache. Die junge Frau G. lernt Hemden nähen und so hat jeder den besten Willen. Benutzt Du Deine Wasser-Platte? A. und S. wohnen noch im Hotel. Schreibe von Alfreds Plänen nie etwas an Onkel George. Ich grüße und küsse Dich innigst. Bleib gesund, alles, alles Gute,
innigst,
Deine Muttel