Nr. 24
14.8.39
Mein lieber Heinz.
Nr. 23 bestätigte ich Dir schon mit Karte. Heute will ich Dir denselben
beantworten. Du siehst, was Deine Eltern für einen guten Riecher haben, denn wir haben, wie wir Dir ja schrieben, vermutet, dass Du keine Stellung hast. Es ist unrecht von Dir, dass Du uns darüber nicht früher geschrieben hast, man hätte doch dann Meinungen austauschen können. Du musst ja wissen, was richtig ist, wenn ich auch der Meinung bin, dass N.Y. immer noch besser ist, nicht weil man dort mehr Abwechslung hat, ich stehe aber nach der Erfahrung bei Walter auf dem Standpunkt, dass, wenn N.Y. auch überlaufen ist, es auch bedeutend mehr Chancen gibt etwas anderes zu finden. Aber ich hoffe, dass Du in deinem neuen Domizil Glück hast. Schreibe uns nur recht ausführlich und vor allen Dingen den Kopf hoch und nicht verzagen, es wird schon werden. Was ist mit Herbert Baum, er wollte Dir doch helfen, so hat er an seine Eltern geschrieben. Tante Else ist bei uns und sagte dies. Du schreibst mir von einem Brief, den Hans an mich geschickt hat, ich habe bis jetzt nichts bekommen. Hast Du unsere spanischen Grüße bekommen?
Seifert hat heute, nachdem ich ernst gemacht habe und entweder auf genaue Erfüllung des Vertrages bestand, oder das Haus an Dr. N. verkaufe und mich beim Regierungspräsidenten beschwerte, dass S. den Vertrag nicht erfüllt, ohne etwas zu schreiben, das Geld eingezahlt und will jetzt übernehmen. Mit diesem Herrn kann man nur fertig werden, wenn man ihm massiv kommt. Für Alfred suchen wir an allen Ecken und Enden Vertretungen, hoffentlich hat etwas Erfolg.
Also mein lieber Junge, bleibe tapfer und lasse Dich keinesfalls unterkriegen.
Du kennst ja meine Ansicht, wenn es das erste Mal nicht geht, dann das zweite oder dritte Mal und ich hoffe, Du wirst an meine Worte denken, wenn es nicht so ist, wie Du hoffst.
Herzliche Grüße und Küsse,
in Liebe,
Dein Vatel
Bei 50 Stunden Fahrt muss die Entfernung von N.Y. doch mindestens
2000-2500 km sein.
Mein geliebter Junge!
Morgen, den 14ten drücke ich den Daumen für Dich, alles, alles Gute für die
Zukunft im Neuland. Ich finde es nicht so falsch, dass Du etwas anderes
versuchst, zumal Du ja wieder zurück kannst, wenn es Dir absolut nicht gefallen sollte. Wir erwarten Deine Berichte mit größter Spannung und unsere Gedanken sind immer bei Dir. Uns geht es gut, Tante Else ist jetzt bei uns und wir verleben recht gemütliche Tage miteinander.
Vatel hat Dir ja schon alles Wissenswerte mitgeteilt. Du hast bestimmt Recht
mir Deiner Korrektur meines english, aber es ist ja das Wichtigste überhaupt sprechen zu können. Nun die Haussache bald erledigt sein wird, wird Vatel hoffentlich mit english anfangen, leider bin ich keine Pädagogin. Ich freue mich, dass Du ohne großen Trennungsschmerz N.Y. verlässt und mit Mut an das Neue herangehst. Du hast Recht nur an heute zu denken und die states richtig erfasst hast. Nochmals, alles, alles Gute, mein guter Junge, in inniger Liebe,
grüßt und küsst Dich Deine Muttel.