Nr. 29
7.9.39
Mein lieber Junge.
Seit Deinem Brief 26., den wir heute vor acht Tagen bekamen, haben wir
keine Nachricht von Dir. Ich hoffe Du hast alle unsere Briefe erhalten.
Ich bat Dich uns für alle Fälle Deine kürzeste Telegrammanschrift
mitzuteilen. Wie ich soeben erfahren habe, soll die Post an Dich jetzt
über Italien gehen. Auf alle Fälle schreibe jetzt über Onkel Lothar.
Uns geht es allen gut, Du brauchst Dich in keiner Weise zu ängstigen.
Sobald Du diesen Brief bekommst, gib sofort Nachricht an Alfred per
Luftpost. Am 31.8. habe ich nun Seifert das Haus übergeben, es geht
nun alles in Ordnung und ich habe nun endlich mit Großr. Ruhe.
Es freut uns sehr, daß Du geschäftlich zufrieden bist. Alfred bindet
sich an keine Branche in Vertretungen, sondern nimmt alles, was sich
für dort eignet, eventuell auch für eigene Rechnung.
Grete und Liese muß ich jetzt unterstützen, da sie nichts mehr haben.
Diesen Brief habe ich auch über Onkel L. geschrieben, gib
mir Bescheid, welchen Du zuerst bekommen hast.
Herzliche Grüße und Küsse,
Dein Vatel
Mein guter Junge!
Wir sind gesund u. es geht uns gut, ich weiß diese Nachricht
erfreut dich am aller meisten. Neulich waren wir bei Clara G.,
dort hat sich nichts geändert, Alfred geht es leidlich,
natürlich leidet er unter seinen Stimmungen. Frau Lesser ist
abends viel bei uns u. wir unterhalten uns immer sehr nett.
Tante Else reiste vor 8 Tagen nach Laus und Tante Hanna
kam braungebrannt u. gut aussehend aus den Ferien
zurück. Wir haben immer noch sehr schöne warme Tage,
hoffentlich ist die Hitze bei Euch auch erträglicher
geworden. Im Geschäft hast du dich gewiss nun schon
gut eingearbeitet u. klappt alles gut.
Ich denke so viel an dich, mein l. Junge, vielleicht besucht
dich Herr F. aus Neustadt bald. Neulich glaubte ich du
hättest mich gerufen u. drehte mich um, vielleicht war
es eine Gedankenübertragung.
Ich hoffe, dass wir bald eine Nachricht von dir bekommen,
ich grüsse u. küsse dich innigst, bleib gesund,
alles, alles Gute
in Liebe deine Muttel.