Nr. 43
18.1.40
Mein lieber Heinz!
Nachdem mein Brief 42 vorgestern abgegangen ist, kommt heute endlich Dein Brief 43 vom 22.12. an.
Er ist also nicht, wie Du angenommen hast, noch im alten Jahreingetroffen, sondern hat reichlich 3 Wochen gebraucht. Gewöhnliche Briefe werdenwohl jetzt monatelang unterwegs sein. Wir freuen uns jedenfalls sehr von Dir Nachrichtzu haben, auch wenn Du noch in Deiner neuen Position ohne Erfolg bist, aber inzwischenhoffe ich, dass Du etwas Erfolg haben wirst. Es ist ja originell, dass Dein Wirt mit Böhlerzur Schule ging. B. geht es gut. Er ist jetzt in Altena i. Westfalen. Hanni ist noch in Wienund will in nächster Zeit zu uns kommen, um noch ihre hiesigen Angelegenheiten zuerledigen, denn sie hofft im Frühjahr nach U.S.A. reisen zu können. Ich vermisse leiderimmer wieder Deine Grüße an Lachmanns und Tante Hanna, es ist uns immer sehrpeinlich ihnen die Briefe deshalb nicht zeigen zu können. Wir sind jetzt sehr oftzusammen. Unser Konfektmachkursus hat begonnen und macht uns Spaß, wir werdenbald zu Hause üben. Wie weit bist Du mit Lothar. Jetzt hast Du doch Grund alles zuverlangen.
Mit herzlichen Grüßen und Küssen,
Dein Vatel.
Mein geliebter Junge!
Sehr erfreut hat mich Dein lieber Brief, dass Du gesund bist und Dich dort wohl fühlst.Der Weg
zum Erfolg ist nun einmal nicht leicht, doch Du bist ja ein Sonntagskind undwirst es hoffentlich
schon schaffen. Etwas Mut und Glück gehört ja zu allem. Hörst Duöfter von Suse? Hast Du Frl. Margot
schon gesprochen? Wir sind gesund und es geht uns gut. Wir spielen abends fleißig 66, spielen die Grammophon platten alle durch. Vatel bekam einen Kofferapparat zum Geburtstag und sovergeht die Zeit. Suse wird nun 25 Jahre, Euer Großvater wäre 100 Jahre. Tante Emmahat am 23.2. Geburtstag, lege doch für sie ein paar Zeilen bei. Lotte Lachmann hat eineTochter. Tante Emma ist nun schon lange dort bei ihrer Tochter.
Ich grüße und küsse Dich innigst, mit vielen guten Wünschen,
in herzlicher Liebe,
Deine Muttel.