Nr. 51
5.4.40
Mein lieber guter Junge!
Wir haben Deinen etwas traurig gestimmten Brief vom 9.1. Nr.45 zu gleicher Zeit mit dem freudigen
Nr.54 v. 18.3. erhalten. Die Briefe 52 und 53, die uns wohl als Kommentar zu Nr.54 dienen werden und
uns über die näheren Verhältnisse zu Goldy und deren Eltern und was so alles drum und dran hängt,
fehlen leider noch, so dass wir nur raten können. Du wirst verstehen, dass wir an all diesen Dingen,
die Dich und Deine Zukunft betreffen sehr großes Interesse haben. Jedenfalls, mein lieber Junge,
freue ich mich von Herzen, wenn sich Deine Zukunft so gestaltet, wie Du Dir wünschst und Du in Goldy
eine richtige Partnerin fürs Leben gefunden hast. Ich weiß, dass Du trotzdem Deine Dir nun leider
durch die Verhältnisse uns gegenüber auferlegte Pflicht nicht vergessen wirst, denn Du wirst ja doch
gut verstehen, dass wir nicht Lust haben, uns von Alfred ernähren zu lassen und leider müssen wir ja
nun in nicht allzu langer Zeit an eine Auswanderung denken.
Ich habe vergessen, Dir für Deine Wünsche zu meinem 60. herzlichst zu danken, es war ein trauriger
Tag für mich, so ohne seine Kinder zu verleben. Es wird nötig sein, dass Du noch eine zeitlang
postlagernd dort nachfragst, denn mein Bekannter, der nach Cuba ging, wollte Dir dorthin schreiben.
Also wie gesagt, ich hoffe recht bald näheres zu hören und bitte Dich alles zu wiederholen, da man
ja damit rechnen muss, dass Briefe verloren gegangen sind und wir wollen uns doch über alles mit Dir
freuen. Jedenfalls grüße ich auch Goldy und deren Angehörige herzlichst.
Für heute sei Du herzlichst gegrüßt und geküsst.
Von Deinem Vatel
Marken kommen noch. Heute 40 und 5 Kameradschaft
Mein guter Junge!
Heute kann ich Dir Deinen lieben Brief No.45 vom 9.1. und den sehr lieben Brief No.54 vom 18.3.
bestätigen. Der erste ist ja doch nun überholt, aber es fehlen ja noch einige Zwischenbriefe, die
uns alles verständlicher gemacht hätten. War nun der 22.3. für Deine Zukunft ausschlaggebend? Wir
werden es sicher bald hören. Hoffentlich bist Du glücklich, denn nichts ersehne ich mehr für Dich
als eine liebe Frau, die mit Dir fühlt, die Dich verstehen lernt und Deinen Weg mit Dir geht.
Natürlich versteht sich dasselbe für Dich. Ich will nicht vorgreifen und erst Deinen nächsten Brief
abwarten. Da gibt es noch viele gute Worte, die eine Mutter bei dieser Gelegenheit zu sagen hat. Wie
nett, dass Du immer mal jemand triffst aus der Heimat. Uns geht es gut. Hoffentlich bekommst Du
jetzt besser die Post von uns. Korrespondierst Du regelmäßig mit Suse? Schreibst Du auch manchmal an
Tante Betty? Ich freue mich jedenfalls, dass Du so liebe Menschen kennengelernt hast. Wie ist das
Klima bei Euch? Wir haben es für April noch ganz schön kalt, aber es wird ja nun immer schöner.
Lubras und Schäfers wohnen in einer Villa zusammen in Dresden. Sie schrieben uns sie hörten seit 3
Monaten nichts von Walther. Es wird wohl nun auch besser werden. Also alles Gute, mein lieber Junge,
grüße Deine Freunde von mir, Sie besonders, in inniger Liebe,
Deine Dir gute Muttel.