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2.August 40
Mein lieber Junge.
Seit dem 18. vorigen Monats, nach Erhalt Deines Briefes 71 sind wir beide bis heute ohne Nachricht
und etwas beunruhigt. Ich erwarte mit Sehnsucht Deine Nachrichten, ob Du Deine Stellung noch hast,
oder was Du sonst beginnst. Ebenso Bescheid über unsere Auswanderungsangelegenheiten. Wenn Du in
dieser Beziehung jetzt etwas unternehmen könntest, wären wir sehr glücklich, wir gehen mit dem
Gedanken um, eventuell in ein Zwischenland zu gehen, nach San-Domingo oder Shanghai, aber es muss in
beiden Fällen von dort aus etwas unternommen werden. Ich bitte Dich die Angelegenheit ernstlich ins
Auge zu fassen und Dich zu informieren, was Du tun kannst. Du weißt, dass ich Dich noch nie gedrängt
habe, aber jetzt bitte ich Dich baldigst daran zu denken und bin von vornherein überzeugt, dass Du,
was in Deinen Kräften steht tun wirst. Setze Dich doch auch mit Hans in Verbindung, der wie ich Dir
schrieb uns gefällig sein will. Wir sin dalle, auch Lachmanns gesund, dies kannst Du auch Suse
sagen. Lothar schrieb, er hätte zwei Briefe von Dir bekommen und hat Dir geantwortet. Also, in der
Hoffnung bald
Brief von Dir zu haben, grüße und Küsse ich Dich herzlichst,
Dein Vatel.
Brief 72 kommt gerade an, beantworte nächstes Mal. Vatel
Lieber Heinz!
Ich kann Dir auch nur berichten, dass wir alle gesund sind und es uns geht. Goldy ist hoffentlich
gut heimgekehrt und alles geht unverädert gut weiter bei Euch. Hoffentlich schreibt Susel uns bald
einmal, die Hauptsache, es geht Euch allen gut. Sage Susel, heute ist Frau Pergamenter bei uns, eine
sehr reizende Dame, die wir alle sehr gern haben und mit der wir gerne zusammen sind. Ich bin sehr
gespannt zu hören, wie bei Susel und Alfred der Anfang ihrer Fabrikation vor sich geht und ob sie
damit Erfolg haben, hoffentlich berichtet ihr bald einmal davon.
Ich grüße Euch alle herzlichst,
bleibt gesund, alles, alles Gute
in inniger Liebe,
Eure Muttel.