76
27.9.40
Mein lieber Junge!
Dein No. 80 kam heute an, dem Datum richtig, nach der Nummer fehlt aber 79, hast Du Dich geirrt?
Anbei aus Alfreds Brief den Ausschnitt, der Hans betrifft. Mein lieber Junge, ich klebe die Briefe
nicht zu, das macht die Post, ich werde aber jetzt noch ein Seidenblatt oben zwischen legen.
Übrigens sind Deine Bögen oft angeklebt, so dass ich, um sie nicht zu zerreisen, das Kuvert an allen
vier Seiten aufschneide. Den Brief frankiere ich mit 1, 3, 5, 6 Marke, die anderen Werte folgen,
auch Deine verlorengegangenen werde ich wohl noch mal verwenden. Wenn es Dir gelingt einen Laden mit
Lebensmittel aufzumachen, so halte ich dies für sehr gut, besser klein selbstständig, als
angestellt. Du wirst ja nicht so ängstlich sein und wenn Du gesicherten Kredit hast, wird es schon
werden. Zu meinem großen Bedauern, kann ich Dir ja nichts geben, nur wie gern würde ich Dir helfen.
Also, nur Mut, meine besten Wünsche begleiten Dich immer, vielleicht kann ich doch noch einmal bei
Dir tätig sein, wie Du es bei mir warst. Vielleicht gibt Hans Dir jetzt etwas. Robert hat jetzt
keine Aussicht nach dort zu kommen.
Mit herzlichen Grüßen und Küssen für Dich und Goldy,
Dein Vatel.
Lachmanns, Tante Hanna grüßen.
Mein lieber Junge!
Mit Deinem lieben Brief freute ich mich sehr. Lebensmittel ist eigentlich immer eine gute Branche
und mit Deinem Fleiß wird es Dir schon glücken. Wir machen dann eine kleine Abteilung Pralinen,
Vater arbeitet sie, ich verkaufe. Wenn Du für das Geschäft von Mr. Seidmann einen Schneider genommen
hättest, dann hätte es sich wohl nicht mehr rentiert?
Wir sind gesund und geht es uns gut. Alle Nachrichten von Dir interessieren uns natürlich sehr
und freuen wir uns, dass Du gesund bist und es Dir gut geht.
Ich grüße Dich und Goldy innigst
und bin in herzlicher Liebe,
Deine Muttel.