77
3.10.40
Mein lieber Junge!
Sehr gefreut habe ich mich mit Deinem lieben Brief vom 15.9. Lachmanns haben bis jetzt noch keinen
Brief von Dir bekommen. Also ist der irrtümlicherweise von Dir falsch adressierte nicht angekommen.
Es geht uns allen gut, wir sind gesund, sind oft mit Lachmanns zusammen. Sonntags immer und zwischen
durch sehen wir auch unsere Freunde, Tworoger, Frau Gossmann und andere. In american conversation
mache ich jetzt sehr große Fortschritte, habe nun auch Freude am lesen von american books und werde
Dich hoffentlich nicht einmal enttäuschen. Onkel Lothar schreibt, er hat keine Nachricht von Dir,
auch nicht von Suse und Alfred. Mit Friedy ein Herz und eine Seele, dass ist ihm ja die Hauptsache.
Du hast recht, wenn Du Dir Zeit nimmst und suchst, bis Du das Richtige findest, ich wünsche Dir
Glück zu Deiner Wahl. Ich las jetzt Briefe bei den Frl. Gossmanns von ihren Verwandten, dass erste
Mal nett und freundlich, sie wollen versuchen, Weihnachten ein Paket mit Liebesgaben zu schicken.
Wir hörten seit Anfang des Jahres nichts mehr von Betty. Korrespondierst Du manchmal mit ihnen?
Alfred G. hat sich in New York selbstständig gemacht, soll es aber sehr schwer haben, schrieb Hans,
die kleine Frau geht in die Fabrik.
Ich grüße und küsse vielmals, alles, alles Gute, mein lieber Bub,
in inniger Liebe,
Deine Muttel.
Mein lieber Heinz!
Dein zweiter Brief No.80 kam an. Wenn Seidmanns alle in Omaha sind, ist es dann nicht richtiger dort
etwas für Dich zu suchen? Der Brief muss fort, Muttel hat ja auch alles berichtet.
Und grüße und küsse ich Dich herzlich,
in Liebe,
Dein Vatel.