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17.10.40
Mein lieber Heinz!
Genau so pünktlich wie Du schreibst, machen wir dies auch und zwar jeden Freitag. Von Dir kamen
inzwischen 83 zweimal an, vom 30.9. und 6.10. und wir freuten uns wie immer sehr mit Deinen
Nachrichten. No.70 von mir hast Du zwar bestätigt, nur nicht geschrieben, ob die Fotokopien drin
waren. Dass der Arzt Dich als einen gesunden Kerl bezeichnet hat, erfreut mich sehr, für welchen
Zweck die Untersuchung war kann ich mir denken. Die Mandeln sind Dir schon als kleines Kind geknipst
worden, damals hast Du sehr geschrieen, das wirst Du wohl diesmal nicht. Wenn die Mutter deines
Freundes nichts arbeitet, so freue ich mich, dass Du uns in dieser Beziehung richtig beurteilt, wir
können und wollen beide noch viel arbeiten und haben inzwischen auch verschiedenes gelernt. Ich
denke, die Krankenkasse bezahlt alles, auch die Mandelangelegenheit, nur nicht Zähne? Den Brief
frankiere ich mit 30’s Ausstellungsmark 24 + 76 + 50 (150) 6’s 1. Mai. Weitere folgen. Wenn Du bei
den Fußballwetten so weiter gewinnst. Kannst Du es noch zu etwas bringen. Nun kommt unsere Muttel zu
Wort.
Herzliche Grüße und Küsse,
in Liebe, Dein Vatel.
Mein lieber Junge!
Sehr gefreut habe ich mich mit Deinen beiden letzten Briefen und dass Du so gesund bist ganz
besonders. Die Mandeln sind bei Dir wieder nachgewachsen und schon geknipst worden als Du 3 oder 4
Jahre alt warst. Susel hatte auch kurz vor ihrer Abreise Beschwerden damit, obwohl bei ihr mit 10
Jahren alles gemacht worden ist. Vatel und ich haben nie daran gelitten. Wir sind gesund und geht es
uns gut. Ich freue mich, dass Du das Bewusstsein hast, dass wir noch was verdienen werden können,
durch die Hausarbeit bin ich jetzt so trainierst, dass ich mich noch gut in jedem Haushalt
beschäftigen kann und jede Arbeit verrichten kann. Ich hatte immer schon das Gefühl dafür, dass
keine Arbeit erniedrigt, sei sie auch noch so niedrig, man bleibt dabei doch immer der Mensch, der
man ist und ich freue mich, dass das bei Euch, Dir und Susel ebenso ausgeprägt ist.
Ich grüße und küsse Dich herzlichst,
mein lieber guter Junge,
in inniger Liebe,
Deine Muttel.