Mein lieber Junge!
Mit Deinem lieben Brief vom 13.10. freute ich mich sehr, dass Du wohl und munter bist und es Dir
gut geht. Wir sind gesund und geht es uns gut, ebenso Lachmanns und Tante Hanna. Es tut mir leid,
dass Du mit G. Differenzen hast, aber Du hast Recht, besser vorher alles klipp und klar gesagt, als
später, wenn es weit schlimmer ist. Es heiraten noch ganz andere Mädchen Ausländer, siehe Feli,
außerdem wusste G. das von Anfang an. Ihre Eltern kamen auch einst so ins Land. Schließlich und
endlich muss nun ihr Herz sprechen, wenn sie Dich wirklich lieb hat, wird sie alles überbrücken und
wenn nicht, so ist es wohl zuerst schwer für Dich, aber später besser. Also heißt es abwarten. Dass
Dir das Heizen so gelingt, freut mich sehr. Wie heißt Dein Freund aus Leipzig? Du kannst versichert
sein, dass wir uns die größte Mühe geben werden noch irgendwie tätig zu sein, wenn wir bei Dir sind,
ich habe mich jetzt so gut in der Hauswirtschaft eingerichtet, dass ich auch da noch etwas leisten
kann, außerdem gebe ich mir Mühe auch in der Sprache zu vervollkommen.
Innige Grüße und Küsse,
alles, alles Gute,
herzlichst,
Deine Dir gute Muttel.
80
24.10.40
Mein lieber Heinz!
Brief 84 erhalten, Deine Post ist jetzt in 9-10 Tagen hier. Ich freue mich, dass Du in der
Angelegenheit mit Goldy den Kopf oben behälst. Du wirst es richtig machen und es wird dann wohl ein
happy end geben. Heizt du mit Kohle oder Öl den Ofen? Deine Geburtsurkunde besorge ich Dir bestimmt
und schicke sie Dir eingeschrieben. Es ist nett, dass Du auch andere gute Freundschaften hast.
Sonst gibt es bei mir nichts neues, wir leben wie immer und sind oft mit Lachmanns zusammen. Hast
Du immer noch nichts von [?] gehört?
Herzliche Grüße und Küsse,
in Liebe,
Dein Vatel.