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15.11.40
Mein lieber Junge!
Sehr gefreut habe ich mich mit Deinem lieben Brief No.85, den wir nach 2 ½ wöchiger Pause
erhielten, und wir waren schon beunruhigt über Dein Wohlergehen. Nun ersahen wir ja aber, dass es
Dir gut geht und Du wohl und munter bist und sind zufrieden. Hoffentlich ist Deine Autofahrt mit
Deinem Chef gut vonstatten gegangen und wäre es eine sehr nette Abwechslung für Dich. Uns geht es
gut, wir und alle Verwandten und Freunde sind gesund. Wir lesen von Schneestürmen in den USA, habt
ihr auch schon etwas davon abbekommen? Ich freue mich, dass Du einen netten Bekanntenkreis dort
gefunden hast und in Familien verkehren kannst. Onkel Lothar schreibt immer sehr sparsam an
Lachmanns und uns zusammen, einmal klagt er über den Bub, einmal über Friedy. Du hast ganz Recht.
Ihm kann keiner helfen.
Ich grüße und küsse Dich vielmals in inniger Liebe,
Dir alles, alles Gute,
wünschend Deine Muttel.
Mein lieber Heinz!
Endlich kam wieder eine Nachricht von Dir, nun bin ich aber beunruhigt, ob die Fahrt nach Kansas
gut vonstatten gegangen ist. Wenn Du auch die guten Fahreigenschaften von mir übernommen hast, so
mein ich doch, dass Du bei langen Strecken bald ermüdest. Also sei vorsichtig, Deine Gesundheit ist
doch gerade jetzt für Dich und uns von so entscheidender Wichtigkeit. Beiliegend Deine
Geburtsurkunde. Dass Du Dich auch ohne Goldy amüsierst, freut mich. Was sagt sie denn dazu? Was hat
Dir die Fahrt nach Kansas eingebracht? Also, ich hoffe recht bald von Dir zu hören, schreibe doch,
wenn irgend möglich pünktlich. Die Muttel wartet besonders auf Deine Briefe und ist immer sehr
unruhig, wenn solche ausbleiben.
Herzliche Grüße und Küsse,
Dein Vater.