Curt Schönwald
Berlin-Schöneberg
Kolonnenstraße 10/11
Mr. Henry W. Wald 311 North 18th. street Lincoln - Nebraska
Nr. 92
17.1.41
Mein lieber Junge!
Noch immer sind wir seit Deinem Brief vom 25.11. ohne jede weitere Nachricht von Dir. Gestern bekamen wir von Hugo und Betty einen Brief vom 25.12. Sie bedanken sich für die Gratulation und schreiben, dass Du ihnen geschrieben hast Deine Angelegenheit vom September vorigen Jahres, um die Du Dich bemühtest einen guten Erfolg hatte. Ich komme nun heute auf unsere Affidavitangelegenheit zurück und will Dir nur die Situation, wie sie hier augenblicklich ist und über die ich mich ausführlich informiert habe, berichten. Nach dem Nummernaufruf des hiesigen Konsulats werden wir nach menschlichem Ermessen in der zweiten Hälfte des Jahres herankommen. Es sind beim Konsulat neueren Datums wesentliche Erleichterungen in der Erteilung der Visen eingetreten, bei denen aber immer Voraussetzung ist, das alle Papiere in Ordnung sind und Passage nachgewiesen wird. Ein Affidavit von Dir ist natürlich wertvoll und hätte ein ganz besonderen Wert, wenn Du verheiratet bist. Dieses Papier kann direkt an das Konsulat gehen mit Fotokopie an mich. Dagegen ist es ratsam, dass weitere Zusatzaffidavits im Original und Fotokopien nicht direkt dorthin, sondern an mich gehen, es hat dies hier seinen besonderen Grund, nach den in der letzten Zeit gemachten Erfahrungen. Wenn wir diese Papiere haben, dann hat die Passageangelegenheit immer noch Zeit, dieserhalb kann ich nötigenfalls kabeln. Auch eine Bürgschaft von Lothar wäre gut, wenn die Unterlagen in meinen Händen sind. Ich bin überzeugt, dass Du nach besten Kräften alles versuchen wirst, um alles so gut wie möglich zu erledigen. Von Suse hatten wir diese Woche eine Nachricht über das rote Kreuz, dass es ihnen gut geht, allerdings vom August 40. Wir haben auch so geantwortet. Ich bin nun begierig, wann wir von Dir die fehlenden Briefe bekommen werden und ob Du unsere Post erhalten hast. Sonst ist alles gesund, Lachmanns, Tante Hanna lassen herzlich grüßen. Von mir die herzlichsten Grüße und Küsse,
Dein Vatel.
Mein guter Junge!
Recht gefreut habe ich mich über Suses Nachricht, wenn sie auch reichlich spät eintraf. Hoffentlich bekommen wir bald Deine fehlenden Briefe. Wir sind gesund und geht es uns gut. Der Winter ist nicht so streng wie im Vorjahr und so ist es diesmal auszuhalten. Die Zeit nach Weihnachten, die mir immer die liebste war, ist auch vorüber, man staunt wie doch die Zeit vergeht. Wir wohnen nun bald 2 Jahre hier, etwas länger wie wir getrennt sind. Ich habe das Empfinden, dass Tante Betty ihrem Neffen Alfred nicht so hold ist. Warum weiß ich allerdings nicht, früher war es anders, aber gib das nicht weiter. Alle Deine Ausführungen interessieren uns wie immer sehr. Du kannst Dir nicht denken, wie Deine Briefe uns beglücken.
Bleib recht gesund,
ich grüße und küsse Dich vielmals, alles, alles Gute, in inniger Liebe,
Deine Muttel.