Letter from Curt and Regina Schönwald to Henry Wald, January 31, 1941

Date
January 31, 1941
Format
Category
Subcategory
Repository
George A. Smathers Libraries, University of Florida
Collection
Schönwald Family Correspondence
Bibliographic ID
MSS 0510; https://findingaids.uflib.ufl.edu/repositories/2/resources/1582
Sender(s)
Schönwald, Curt
Schönwald, Regina
Sent from
Berlin, Schöneberg, Germany
Recipient(s)
Wald, Henry
Received at
Lincoln, Nebraska
Letter from Curt and Regina Schönwald to Henry Wald, January 31, 1941
 
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 Mr. Henry W. Wald 311 North 18th Street Lincoln – Nebraska USA
Nr. 94
Mein lieber Junge!

Wie ich Dir in meinem Brief 93 schrieb, kam Dein Brief 92 gerade an, als ich mit meinem Brief fertig war. Inzwischen ist Dein Brief 94 vom 9.12. eingetroffen, es fehlt also 93. Da die Post zu Dir jetzt direkt so lange geht, schicke ich diesmal diesen Brief über Süd-Amerika, da man mir gesagt hat, dass dies bedeutend schneller gehen soll und bitte ich mir daher das Datum des Eingangs zu bestätigen. Eine Kopie werde ich trotzdem das nächste Mal mitsenden. Deine Anfragen wegen unserer Nummer habe ich bereits erledigt und zwar habe ich Dir darüber in meinen Briefen vom 2.12. und 17.1. ausführlich geschrieben, aber da Du diese anscheinend noch nicht hast, so wiederhole ich heute alles. Das amerikanische Konsulat ruft jetzt immer die Zahlen öffentlich auf und es geht jetzt wieder bedeutend schneller, zur Zeit ist 48.300 aufgerufen, doch wird in diesem Quotenjahr bis Ende Juni noch eine Anzahl aufgerufen. Es ist daher nach meinen Informationen damit zu rechnen, wenn nicht besondere Ereignisse eintreten, dass unsere Nummer in der zweiten Hälfte dieses Jahres aufgerufen wird. Von zuverlässiger Seite ist mir auch nach den gemachten Erfahrungen geraten worden, dass nur Dein Affidavit direkt an das Konsulat, Fotokopie an mich geht, während Zusatzpapiere, auch die Originale, wenn es geht, an mich gehen. Der hiesige Konsul legt augenblicklich mehr Wert auf Affidavits von verheirateten Söhnen, als von unverheirateten, aber das kann man ja nicht ändern. Es werden augenblicklich täglich circa 30 Visen erteilt, Bedingung ist natürlich, dass alle Papiere in Ordnung sind und Passage nachgewiesen wird. Wegen der Passage kann ich Dir aber nötigenfalls durch den Hilfsverein kabeln, wenn sonst alles in Ordnung ist. Ich bin ja nun begierig zu hören, was Du bei Dave erreicht hast. In einem früheren Brief schreibst Du einmal von Deinem früheren Chef im Cafe, dass er Dir sagte, wenn Du einmal ein Problem hast, sollst Du Dich an ihn wenden. Hast Du dies in dieser Sache versucht, oder ist es aussichtslos? Alfred G. hat nun, obgleich es sehr kostspielig ist, für seine Mutter die Einwanderung nach Cuba erreicht und dies ihr dieser Tage durch Kabel mitgeteilt. Wie er es gemacht hat, weiß ich nicht, jedenfalls rechnet Clara mit Abreise im Februar/März. Dass Hans Dich, wo es Dir nicht gut gegangen ist, unterstützt hat, ist sehr anerkennungswert, ich würde gern hören, was er Dir monatlich gegeben hat. So viel Schnee wie dort haben wir hier nicht. Es ist zwar seit einigen Tagen kalt, zwischen 15-20 Grad, aber wenig Schnee. Über Deine Corsage für die Dame habe ich mich amüsiert, richtig übersetzt heißt das doch Büstenhalter. Ich bin fest davon überzeugt, dass Du in unserer Auswanderungssache alles tun wirst, was in Deiner Kraft steht und wünsche Dir viel Glück hierzu. Hast Du Dich auch schon an die dortige Gemeinde gewendet? In kleineren Städten hörte ich schon, dass so etwas möglich ist. Auf dem heutigen Brief sind zwei neuere Marken vom Tag der Briefmarke und Führer/Duce, hoffentlich kommen sie an.

Nun bleibe gesund und sei herzlichst gegrüßt und geküsst, Dein Vatel.
 
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 Mr. Henry W. Wald 311 North 18th Street Lincoln – Nebraska, USA Mein guter Junge!

Sehr gefreut habe ich mich mit Deinem letzten Brief, Vatel bestätigte ihn Dir schon. Es ist sehr nett, dass Du Bälle, etc. nachholst, hoffentlich hast Du Dich gut amüsiert. Das so frühe Aufstehen fällt Dir wohl nicht mehr so schwer, es ist alles eine Gewohnheit und geht alles, wenn es sein muss. Beim Übersetzen ist es doch die Hauptsache, dass der Sinn der Richtige ist und ich bemühe mich immer so kurz und prompt wie möglich zu übersetzen, was der Lehrerin sehr gut gefällt. Mein lieber Junge, mache Dir keine Sorgen um unsere Zukunft, wir sind beide, Vatel und ich glücklicherweise gesundheitlich so auf der Höhe, dass wir uns bestimmt noch etwas verdienen können. Wichtig ist ja, dass man die Sprache kennt, ich hörte, dass Frauen als Haushaltshilfe auch stundenweise fast immer gute Beschäftigung finden. Auch das würde mir nicht schwer fallen, denn ich bin jetzt gut trainiert, mir ist nicht bange, Du weißt mein guter Junge, in Punkto Arbeit kannst Du Dich auf Deine Eltern verlassen. Hier geht alles seinen Gang, wir sind gesund, sind 1-2 mal die Woche mit Lachmanns zusammen, denen es auch gut geht. Am 15.2. sind alle bei uns zu Vatels Geburtstag. Morgen, den 1.2. wird Suse 26 Jahre, hattest Du etwas mit ihnen, dass sie Dir gar nicht schreiben? Der älteste Tworoger ist in Chicago Arzt, Angestellter im Krankenhaus, es geht ihm sehr gut. Tante Betty will immer, dass Hans bewundert wird, dass er so vielen hilft. Es ist ja auch wirklich staunenswert, dass er noch so viel Zugehörigkeitsgefühl hat, viele haben es sehr schnell verloren. Ist Claire Amerikaner?

Nun grüße und küsse ich Dich innigst, Dir alles, alles Gute wünschend, viele Grüße von Lachmanns und Tante Hanna, innigst, Deine Muttel.
German | English (translation)
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 Mr. Henry W. Wald 311 North 18th Street Lincoln - Nebraska
No. 94
My dear son!

As I told you in my letter No. 93, your letter No. 92 had just arrived as I finished my letter to you. In the meantime, your letter No. 94, dated 12.9. has arrived. The only one missing is No. 93. Because mail to you takes so long now, I will send this letter via South America, because I heard that it will be much faster that way. Please tell me when it gets to you. I will still enclose a copy in my next letter. I’ve already replied to your inquiries concerning our number in my letters from 12.2. and 1.17, but, because you still haven’t received those, I will repeat all of it now. The American consulate now announces the numbers publically and everything moves a lot faster these days. Right now, number 48,300 is being called, but this year, many more will be announced in the second half of the year. Please send only your affidavit to the consulate and a copy to me, all other papers, originals and copies, should be mailed directly to me. I’ve found out from a reliable source that this is the best way to handle things. Currently, the consulate values affidavits from married sons more, but there’s nothing we can do about that. At the moment, approximately 30 visas per day are issued and only in cases where all of the paperwork is in order and passage can be guaranteed. I can send you a cable via the support organization concerning the passage if everything else is taken care of. I’m anxious to hear what you have accomplished at Dave’s. In an earlier letter you mentioned your previous boss in the café and that he told you to contact him if you ever have a problem. Have you already contacted him regarding this case, or would it be useless to do so? In spite of the high costs involved, Alfred G. obtained an imigration permission for his mother to enter Cuba and contacted her a few days ago via cable. I don’t know how he managed to do this. In any case, Clara is counting on being able to leave in February/March. It is commendable that Hans helped you out when you weren’t doing well. I would be interested to hear how much he gave you per month. We don’t have as much snow here as you do there. It has been rather cold in the last few days, between 15-20 degrees [Celsius], but not much snow. I had to laugh about the corsage for the lady. Doesn’t that actually mean bra in translation? I’m convinced that you will do anything you can concerning our emigration and wish you the best of luck with it. Have you already contacted the local administration there? I heard that in smaller cities this is possible. I have affixed two new stamps on this letter, one from the Day of the Stamp and Fuehrer/Duce. I hope they get there ok.

Stay healthy and warmest regards and kisses, your Vatel.
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 Mr. Henry W. Wald 311 North 18th Street Lincoln – Nebraska, USA My dear son!

I enjoyed your last letter very much. Vatel has already told you we received it. It is nice to hear that you are catching up on parties, etc., and I hope you had a good time. Getting up early probably doesn’t bother you as much as it used to. It’s a matter of habit and one can get over anything if need be. In a translation, it is most important to retain the correct meaning, and I always try to translate as concise as possible which my teacher appreciates. My dear son, don’t worry about our future. Both, father and I, are in such good shape health-wise that we can surely still earn some money. It’s important to know the language. I heard that women can find good jobs as house-keepers even on an hourly basis. That wouldn’t be too difficult for me, because I’m used to that kind of work. I’m not too worried about such things. You know, my dear son, that you can count on your parents when it comes to working hard. Everything here is the same; we are healthy and get together with the Lachmanns once or twice a week. The Lachmanns are well too. Everybody will come over here on February 15th for Vatel’s birthday. Tomorrow, on 2.1., it will be Suse’s 26th birthday. Did something happen between you and them that makes them not want to write to you? The oldest of the Tworogers is a physician in Chicago in a hospital. He is doing very well. Aunt Betty is always trying to get everybody to admire Hans, because he’s helping so many people. It is indeed astonishing how much he still values his feelings of belonging, so many lose this right a way. Is Claire American?

Warmest regards and kisses. I wish you the best. The Lachmanns and Aunt Hanna also send their best. with love, your Muttel.