Curt Schönwald
Berlin-Schöneberg
Kolonnenstraße 10/11
Mr. Henry W. Wald 311 North 18th Street Lincoln – Nebraska
Nr. 107
8.5.41
Mein lieber Heinz!
Da wir von Dir 14 Tage keine Nachricht hatten, wartete ich einen Tag länger mit meinem Schreiben und richtig kam heute Dein Brief 106 vom 17.4. an, also sehr schnell. Schreibe bitte immer im Brief nochmals meine Adresse, dies erleichtert der Zensur wesentlich die Übersicht und geht dadurch etwas schneller. Deine Grippe (Flu) Erkrankungen kenne ich ja, es packt Dich dann immer ordentlich und so muss es diesmal auch wieder gewesen sein, denn sonst würdest Du wohl nicht ins Krankenhaus gegangen sein, aber jedenfalls sind wir erfreut zu hören, dass Du wieder ganz auf dem Posten bist. Bleibe nur gesund, das ist ja die Hauptsache für Dich und uns. Leider haben wir jetzt einen sehr traurigen Fall, Hilde Lachmann-Messow ist vor vier Wochen an einer Frauenoperation in Shanghai gestorben und kannst Du Dir wohl denken, dass Lachmanns vollständig gebrochen sind, ihr einziges Kind und einzige Hoffnung auf Auswanderung. Lothar hat Dir wohl geschrieben, dass ich krank war. Er weiß es von Onkel Adolf. Adolf hat es ihm gegenüber sehr schlimm gemacht, damit er mich nicht immer mit solch unabänderlichen Angelegenheiten bestürmt und auch um ihn zu veranlassen das Depot zu stellen. Ich hatte lediglich eine kleine Ischias, bin aber vollkommen wieder in Ordnung. Leipziger und Wiener Messemarken habe ich bereits alle Werte doppelt gesandt, bzw. frankiert, sollte aber noch eine fehlen, so gib mir die Nachricht, es sind Werte 3, 6, 12, 25 Pfg. Dass Du Dich nach der überstandenen Krankheit wieder gut amüsierst höre ich gern. Wir hätten sehr gern einmal von Susel und Alfred etwas gelesen, warum schreiben sie nicht an uns? Du kannst dies wohl verstehen. Nun hoffe ich bald alle Papiere von Dir und Mr. Hill zu erhalten, nur sieh zu, dass ich alle, auch die Originale, direkt bekomme und nicht über das Konsulat, es wäre dies ein sehr großer Vorteil für mich, da sonst erhebliche Verzögerungen eintreten, und es hat jetzt alles sehr große Eile und dauert sowieso noch seine Zeit, denn jetzt ist alles anders, als zu Deiner Zeit. Wie Du das mit dem Depot regelst, ist mir ja gleich, aber ich würde mich freuen und halte es für sehr wichtig, wenn ich auch dieses Dokument schnellstens bekommen kann.
Nun glaube ich Dir alles zur Zeit wichtige mitgeteilt zu haben. Jetzt kommt Muttel an die Reihe.
Herzliche Grüße und Küsse, bleib nur gesund,
Dein Vatel.
Mein guter Junge!
Ich bin glücklich zu hören, dass Du wieder ganz gesund bist. War es wieder das Übliche bei Dir, mit Fieber, Kopfschmerzen, etc.? Du musst ja nun ein braver Mann sein, da Du Deinen ersten richtigen Rausch hattest. Schreibe bitte an Martin und Hedwig Lachmann ein paar Zeilen und lege sie bei uns bei, ebenso an Onkel Adolf wolltest Du schon lange schreiben, den kannst Du auch bei uns beilegen (aber keinen Kondolenz Brief). Lachmanns tun uns sehr leid, der Jammer ist unendlich groß, dass ist ja zu verstehen. Vatel schrieb Dir schon, dass das Kabel verstümmelt war und hieß Pald, daher die Verzögerung. Ich freue mich, dass Du Nachricht von Suse hattest, wie lange gehen die Briefe? Sage ihnen von Hildes Ableben. Sage Suse, dass sie uns auch schreiben soll. Du wirst ihr das Porto dazu geben. Montag hast Du nun Geburtstag, Du 29-jähriger, am Sonntag Irma. Tante Else schreibt es geht ihr gut. Tue mir einen Gefallen und verzanke Dich nicht mit Deiner Schwester und Schwager, wenn auch mal ein Wort geschrieben wird, das nicht so ist.
Herzliche Grüße und Küsse, in inniger Liebe,
Deine Muttel.