Letter from Curt and Regina Schönwald to Henry Wald, May 20, 1941

Date
May 20, 1941
Format
Category
Subcategory
Repository
George A. Smathers Libraries, University of Florida
Collection
Schönwald Family Correspondence
Bibliographic ID
MSS 0510; https://findingaids.uflib.ufl.edu/repositories/2/resources/1582
Sender(s)
Schönwald, Curt
Schönwald, Regina
Sent from
Berlin, Schöneberg, Germany
Recipient(s)
Wald, Henry
Received at
Lincoln, Nebraska
Letter from Curt and Regina Schönwald to Henry Wald, May 20, 1941
 
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 Mr. Henry W. Wald 311 North 18th Street Lincoln–Nebraska
Nr. 108
Mein lieber Heinz!

Ich habe mit meinem Brief wieder 2 Tage länger gewartet, da ich erst Deine Nachricht abwarten wollte. Am 19. kam Dein Brief vom 27.4. An Deinem Geburtstag hatten wir alle Lachmanns zum Kaffee und haben besonders viel an Dich gedacht. Am Sonntag war Muttertag, auch dies war für uns Veranlassung an unserer Kinder noch mehr als sonst zu denken. Was Lothar Dir über das Depot schreibt, nämlich dass er es aus gesetzlichen Gründen nicht stellen kann, glaube ich nicht recht. Aber wenn es so ist, so sieht er ja, dass er sich nach den dortigen Gesetzen richten muss, und ich will und kann ihm meine Schuld nur nach den hier bestehenden Gesetzen zurückzahlen, aber damit ist er nicht einverstanden und glaubt ich will ihn schädigen. Er ist von mir noch nie um einen Pfennig übers Ohr gehauen worden, dies ist ein Hirngespenst von ihm, er hat außerdem in den Jahren an Zinsen von mir soviel bekommen, dass diese Summe nachweißlich ¾ des gesamten Kapitals beträgt. Was will er eigentlich? Trotzdem ist das Depot für uns sehr wichtig. Ich warte täglich auf den Rest aller noch nötigen Papiere von Dir, das Depot und von Deinem Chef. Es ist ja sehr schön, dass ich einen Teile Deiner Papiere hier habe, aber ich kann, bevor alles komplett ist, nichts anfangen und jeder Tag Verzögerung bringt mir einen Zeitverlust von Wochen. Du musst nämlich wissen, dass es jetzt nicht so einfach ist, als Du seiner Zeit ausgewandert bist, es sind jetzt größere Schwierigkeiten zu überwinden. Das Schwerste ist die Beschaffung, nicht Bezahlung der Passage. Bekomme ich die Papiere von Mr. Hill im Original an mich, so habe ich auch dadurch einen sehr großen Zeitvorsprung. Gehen diese Papiere aber direkt an das Konsulat, so weiß ich nicht, wann dieselben hier eintreffen und bis dann meine hier habenden Papiere mit denen, die direkt an das Konsulat gehen sich dort wieder zusammenfinden, geht bei dem jetzigen Betrieb dort eventuell 4 bis 8 Wochen Zeit verloren. Dies wirkt sich nachträglich auch für den Termin der Passage aus, da ich keine Passage eher bekomme, als hier die Papiere vom Konsulat für ausreichend bezeichnet werden. Erkläre dies bitte Mr. Hill, wenn Du kannst. Ich habe nach den Wahrnehmungen bei vielen Bekannten alle diese Möglichkeiten erwogen und nur deshalb gebeten mir alles im Original zu senden, denn ich habe kein Interesse sonst irgendwelche Einsicht in die Papiere zu bekommen. Es ist mit der ganzen Sache jetzt sehr eilig, dies kannst Du mir glauben, ich weiß auch Du wirst alles tun, was in Deinen Kräften steht. Heute ging, es ist originell, auch der bis jetzt fehlende Brief von Dir Nr.63 vom 23.5.40 ein, dieser hat also genau ein Jahr gebraucht bis er in meinen Besitz kam. Nun lebe wohl bleibe gesund, und sei herzlichst gegrüßt und geküsst,

Dein Vatel.
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 Mein lieber Junge!

Auch ich freue mich sehr mit Deinem lieben Brief, dass Du gesund bist und alles all right ist. Am 18.5., zum Muttertag, musste ich so recht an die Zeiten denken, wie Ihr, Susel und Du, noch klein ward und mich an dem Tage mit Geschenken erfreutet, schön war’s doch! Ist Fanny Amerikanerin? Ich gönne es Dir von Herzen, dass Du Dich amüsierst und so eine Entspannung nach schwerer Arbeit hast. Wie hat sich die Leipziger Dame, die Mutter Deines Freundes, dort eingerichtet? Ich bin jetzt dabei mir meine Zähne in Ordnung bringen zu lassen. Neulich ließ ich mir drei ziehen ohne Betäubung. Hoffentlich schreibt Dir Susel bald wieder einmal. Am 22/5 hat Alfred Geburtstag und wir sind an dem Tage bei Onkel Adolf. Am 15/5 hatte Gerhard Geburtstag also gibt’s in der Familie mehrere Maikäfer. Hier sind die Eisheiligen vorbei und wir haben nun schönes, warmes Wetter. Hast Du immer noch einen Schnurrbart? In dem Brief von 1940, schreibst Du nämlich, dass Goldy es damals gewünscht hatte. Ich lerne weiter fleißig american english, jetzt sprechen wir sehr viel in der Stunde, um in der Redewendung flüssig zu werden. Scheins und Lubras schrieben uns neulich, auch sehen wir Plockis manchmal. Lubras erwarten auch ihre neuen Papiere von Mr. Scharten und wollen dann auch beginnen, von Dresden aus ist nur alles viel schwieriger. Richard Stein gibt Vorstellungen als Zauberkünstler, er hat einen fabelhaft dressierten Hund, der auch mit auftritt.

Ich grüße und küsse Dich herzlichst und in inniger Liebe, alles, alles Gute Deine Muttel
German | English (translation)
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 Mr. Henry W. Wald 311 North 18th Street Lincoln - Nebraska
No. 108
My dear Heinz!

I waited two days longer again with my letter because I was trying to wait for your message. Your letter from 4.27. arrived on the 19th. We had the Lachmann family over for coffee on your birthday and thought of you a lot. Sunday was Mother’s Day and another reason to think of our children even more than usual. I don’t quite believe what Lothar is writing about not being able to put down the deposit for legal reasons. But if it is really so then he will have to adhere to the local laws, and I want and can only pay him back according to the laws over here. However, he doesn’t agree with that and thinks I want to hurt him. I have never cheated him out of even one penny. It is an unfounded paranoia of his. Anyway, in the past years he has received so much in interest from me that it adds up to ¾ of the whole sum, and I can prove that. What does he want? Still, the deposit is immensely important to us. I’m waiting daily for the rest of the still necessary papers, the deposit, and the affidavit from your boss. It is nice to have a portion of your papers here, but I cannot do anything before all papers are complete. Every day translates into weeks of delays. You must understand that it’s not as easy anymore as it was when you left. Now, greater obstacles must be overcome. The most difficult task is getting not paying for the passage. If I get the papers from Mr. Hill as originals, I will gain a lot of time. If the papers get sent directly to the consulate, then I don’t know, when they arrive. By the time my papers here get united with the other papers it could take 4 to 8 weeks. This will also adversely affect the passage, because I won’t get a passage before the consulate certifies that all papers are complete. Please explain this to Mr. Hill if you can. I have considered all of my options and listened to the experiences of acquaintances and only then decided to ask you to send everything in its original. I don’t have any other motive or interest to sneak a look at the documents. It’s really important to hurry now, you can believe me, and I know you will do everything you can. Today, how peculiar, your letter No.63, dated 5.23.40, arrived here taking exactly one year to reach me. Take care and stay healthy. My warmest regards and kisses,

your Vatel.
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 My dear son!

I am very happy to hear from your lovely letter that you are healthy and that everything is all right. On May 18th, on Mother’s Day, I had to think back to the old times when you, Susel and you, were still small and made me so happy on that day with your presents. That was so nice! Is Fanny American? I am so happy that you are having fun and are enjoying some relaxation after such hard work. How is the lady from Leipzig, your friend’s mother, coping with her new surroundings? I am currently trying to get my teeth in order. Just recently I had three of them pulled, without any anesthesia. I hope Susel writes to you again soon. On May 22nd, it’s Alfred’s birthday, and we are visiting Uncle Adolf that day. On May 15th, it was Gerhard’s birthday, so there are a few May bugs in our family. The cold days seem to have passed, and we have nice, warm weather here now. Do you still have a mustache? In your letter written in 1940 you write that Goldy wanted it that way then. I’m still diligently learning my American English. We speak a lot during our lesson now in order to become proficient in the idiomatic expressions and such. The families Schein and Lubra wrote to us not too long ago, and we see the Plockis sometimes. The Lubras are expecting their papers from Mr. Scharten soon, and they want to start then, but everything is much more difficult from Dresden. Richard Stein is doing magic shows, he has a trained dog who is absolutely fabulous, and he appears on stage with him.

Warmest regards and tender love,
take care,
your Muttel