Curt Schönwald
Berlin-Schöneberg
Kolonnenstraße 10/11
Mr. Henry W. Wald 311 North 18th Street Lincoln – Nebraska
Nr. 109
26.5.41
Mein lieber Junge!
Wir haben inzwischen Deinen Brief 108 vom 5.5. bekommen, auch Onkel Adolf hat Deinen Brief mit Einlage erhalten und antwortet Dir direkt. An Dr. Theodor sandten wir den Brief weiter, erst haben wir ihn unserer Lehrerin zur Kenntnis gegeben, die ihn mit sehr viel Interesse las und viel daraus gelernt hat. Wie ich Dir ja schon wiederholt schrieb, ist es für uns sehr vorteilhaft, wenn wir alle Originalpapiere in Händen haben und von hier aus einreichen können und ich habe von Bekannten dieser Tage wieder erfahren, was für ein Pech diese hatten, dadurch, dass das Affidavit vom Sohn durch sie ging, während die Zusatzpapiere direkt an das Konsulat gingen. Sie bekamen den Bescheid, dass die Papiere vom Sohn nicht ausreichen, das Konsulat wusste aber noch nichts von den Zusatzpapieren, da diese noch nicht eingegangen waren und so müssen sie alles von neuem beginnen, was eine monatelange Verzögerung bedeutet und dies möchte ich unter allen Umständen vermeiden. Ist die Angelegenheit erst beim hiesigen Konsulat einmal verfahren, so kommt sie sehr schwer in Fluss. Der Brief zum Muttertag hat unsere gute Muttel sehr erfreut und gerührt. Hast Du für den Ausfall des Heizungsposten einen Ersatz? Hoffentlich bringt Dir der Kursus bei der Eisenbahn doch irgend einen Vorteil. Ich gebe Dir anschließend die Adresse von Oscar Wulkan, vielleicht kannst Du sie einmal gebrauchen, auch von Ernst Schönwald werde ich sie Dir nächstens mitteilen. Nun warte ich aber sehr gespannt auf Deine Nachrichten und die Papiere.
Herzliche Grüße und Küsse,
in Liebe,
Dein Vatel.
Oscar W. Buenos Aires. Canning 177 Depto D.
Brief ist frankiert mit neuen Kameradschaftsmarken, Werte 24, 20, 76, andere folgen.
Mein guter Junge!
Schönsten Dank für Deine lieben Zeilen zum Muttertag. Ich freute mich sehr damit. Dein Brief an Dr. Theodor ist für uns alle sehr interessant, wir lernen viel daraus. Ich glaube Dir, dass Du Dir alle Mühe gibst wegen des Affidavits, aber man muss doch eben Geduld haben, da es ja eine große Gefälligkeit ist. Du schreibst einen wundervollen amerikanisch-englischen Stil und sprichst wohl auch ganz perfekt. Onkel Adolf hat sich sehr mit Deinem Brief gefreut und sie sind glücklich mal etwas von Suse und Alfred zu hören. Du hast gewiss inzwischen auch Post von uns bekommen, denn wir schreiben jede Woche. Wir sind gesund und geht es uns gut. Sonst ist wenig von uns zu berichten. Deine Briefe sind für uns immer eine große Freude und ein Lichtblick. Ich bin immer schon glücklich, wenn ich Dich gesund weiß. Recht herzliche Grüße und Küsse, alles, alles Gute,
in inniger Liebe,
Deine Muttel.