Letter from Curt and Regina Schönwald to Henry Wald, July 29, 1941

Date
July 29, 1941
Format
Category
Subcategory
Repository
George A. Smathers Libraries, University of Florida
Collection
Schönwald Family Correspondence
Bibliographic ID
MSS 0510; https://findingaids.uflib.ufl.edu/repositories/2/resources/1582
Subject
Joint
Sender(s)
Schönwald, Curt
Schönwald, Regina
Sent from
Berlin, Schöneberg, Germany
Recipient(s)
Wald, Henry
Received at
Lincoln, Nebraska
Letter from Curt and Regina Schönwald to Henry Wald, July 29, 1941
 
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 Mr. Henry W. Wald 311 North 18th. street Lincoln–Nebraska
Nr. 115
Mein lieber Junge!

Wir waren sehr beunruhigt über das lange Ausbleiben Deiner Nachricht und bekamen gestern Deinen traurigen Brief vom 7.8. ohne Nummer. Wenn Dir einmal etwas fehl geht, so kenne ich ja Deine Stimmung und Verzweiflung, aber ich bitte Dich trotz alledem den Kopf nicht zu verlieren. Gestern hatte Muttel Geburtstag, und wir haben viel an Dich gedacht. Wir haben alle in bester Harmonie den Tag angenehm verbracht. Die Papiere sandte ich in einem gesonderten Brief per Einschreiben, Rückschein, Luftpost ab. Die Duplikate folgen, ich habe von allen Fotokopien. Ich erwarte gern die Ausführungsbestimmungen betreffend die Wanderung von dort, besonders interessiert mich, ob der Begriff nahe Verwandte noch genau festgelegt wird. Hanna ist in diesem Sinne nicht zu erwähnen. Fortziehen von uns kann sie nicht, da hierzu eine Genehmigung nötig ist, die nicht erteilt wird. Außerdem kann sie und Lachmanns versichern, dass sie ihre Wanderung nach Süd-Afrika zu ihren Kindern, bzw. Bruder betreibt und sobald dies möglich ist dorthin wollen. Soweit es hier möglich ist erkundige ich mich in der Angelegenheit hier dauernd und füge Dir auch ein Blatt der neuesten Richtlinien des Hilfsvereins bei, die ich heute bekam. Wenn Du guten Kontakt mit Frau Goldsmith halten kannst, so wird dies von Nutzen für Dich sein, denn sie ist immer gut informiert. Zur Zeit ist ein Transfer für die Schiffskarten von hier aus noch möglich. Ich habe auch erfahren, dass man eventuell auf Transitvisum über Cuba kommen kann, dies soll wesentlich billiger sein als das normal kostet, d.h. bezüglich des Depots, bitte erkundige Dich auch hierüber bei Frau Goldsmith, eventuell auch bei Alfred G. Im übrigen soll, wenn man von hier aus nicht mehr die Fahrkarten zahlen könnte und Du nicht in der Lage bist, der Joint jetzt einspringen. Dies wurde mir hier gesagt, ich weiß nicht, was daran wahr ist. Du kannst versichert sein, dass ich Dir wegen des ersten Fehlschlags in der Wanderung keinen Vorwurf mache, da ich genau weiß und unbedingt davon überzeugt bin, dass Du alles, was möglich war, getan hast und deshalb bitte ich Dich den Kopf hochzuhalten. Was nicht im Bereich der Möglichkeit liegt, kann man eben nicht machen. Es wäre ja sehr schön, wenn wir trotzdem in absehbarer Zeit bei Dir sein könnten und wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben. Jedenfalls werde ich Dir immer sofort berichten, wenn ich etwas erfahre. Ich glaube aber, dass Du dort mehr Zuverlässiges erfahren wirst und bitte Dich doch immer, wenn auch wenig, regelmäßig zu schreiben. In diesem Sinne, mein lieber, guter Junge küsse und grüße ich Dich von Herzen,

in Liebe, Dein Vatel.
Mein lieber, guter Junge!

Es tut mir so leid, dass Du Dir Sorgen machst und so traurig bist. Vielleicht ist es zum Guten, dass die anderen Papiere noch nicht abgesandt sind und sind nun mit den ersten in Washington. Mein guter Junge, wie kannst Du nur auf den Gedanken kommen, wir könnten Dich für einen schlechten Sohn halten. Im Gegenteil, wir sind immer sehr glücklich und stolz, welche Liebe Du uns zeigst und was Du alles getan hättest, stände das in Deiner Macht. Lothar beschwert sich bei Onkel Adolf, dass Du ihm gar nicht mehr schreibst. Robert Plocki erteilt Spanischunterricht, dass machte mir Spaß. Nur einen Wunsch habe ich, dass Du uns jede Woche schreibst und wenn es auch nur ein paar Zeilen sind, aber es beruhigt uns so ungemein, Dich gesund zu wissen. Willi Messaw schreibt ganz verzweifelt, seine Hilde fehlt ihm auf Schritt und Tritt, er ist wirklich traurig.

Alles Gute, mein lieber Junge, bleib gesund, ich grüße und küsse Dich innigst, in herzlicher Liebe, Deine Muttel.
German | English (translation)
Curt Schönwald Berlin-Schöneberg Kolonnenstraße 10/11 Mr. Henry W. Wald 311 North 18th. street Lincoln-Nebraska
No. 115
My dear son!

We were very worried about the long delay of your message and received your sad letter yesterday, dated 8.7., but without a number. I know your mood and despair when something goes wrong for you, but I’m asking you to keep a cool head nonetheless. It was Muttel’s birthday yesterday, and we thought of you a lot. We all spent the day in the greatest harmony and very pleasantly. I sent the papers in a separate letter, registered mail, and the return receipt via airmail. I will send the duplicates as well and have photocopies of everything. I will gladly await the regulations for immigration from over there. I’m especially interested whether they will define “close relatives” a bit more unambiguously. We can’t mention Hanna in this context. She can’t move away from us because she will need to get a permit which won’t be issued. Anyways, she and the Lachmanns can affirm that she will undertake her emigration to South Africa where her children and brother are and that she will go there as soon as she can. In as much as this is possible, I’m trying to find out all I can. I’m enclosing a flyer from the support organization with guidelines which I received today. It would be of great use to you if you can keep up the contact to Mrs. Goldsmith, because she is always well informed. At the moment it is still possible to get a transfer for the ship tickets from here. I also found out that we can maybe go through Cuba with a transit visa. This is supposedly much cheaper than normally as far as the deposit goes. Please ask Mrs. Goldsmith about this as well and also Alfred G. By the way, I heard that the Joint is supposed to help out now if we can’t pay for the tickets from here and if you are not able to do from there. I don’t know if this is true. You can rest assured that I don’t blame you at all for this first failure in securing our move. I know for sure and am convinced that you did everything you could. So, I’m asking you to keep you chin up. If something is beyond possible reality than no one can change that. It would be nice if we could still be with you in the near future and won’t give up hope. In any case, I will always inform you about what I find out. I do think, however, that you will get more reliable information over there and am asking you to please continue writing regularly even if the letters are short.

With this thought, my dear good son, I send kisses and my warmest regards, with love, your Vatel.
My dear beloved son!

I’m sorry to hear that you are worried and sad. Maybe it’s for the best that you hadn’t sent off the other papers because now they are among the first to arrive in Washington.

My dear son, how could you possibly have thoughts that we think of you as a bad son. On the contrary, we are happy and proud of the love you show us and all the things you would have done if you had been able to. Lothar is complaining to Uncle Adolf that you don’t write anymore. Robert Plocki gives Spanish lessons which are much fun. I only have one wish: Please write to us every week even if it’s just a few lines. We are just happy to know that you are well. Willi Messaw writes in desperation how much he misses Hilde everywhere he goes. He is truly sad.

Take care, my dear son, and stay healthy. My warmest regards and kisses, with tender love, your Muttel.