Curt Schönwald
Berlin-Schöneberg
Kolonnenstraße 10/11
Mr. Henry W. Wald 311 North 18th. street Lincoln–Nebraska
Mein guter Junge!
Herzlichen Dank für Deine lieben Geburtstagswünsche, wenn nur ein kleiner Teil von all den guten Wünschen, die mir zu Teil würden in Erfüllung geht, bin ich zufrieden. Die Hauptsache ist, dass alles gesund ist und das können wir Dir dank Gottes immer berichten. Meine Arbeitskraft und der Mut ist der Gleiche wir früher und auch Vatel, der Jugendliche, der immer jünger geschätzt wird, geht es ebenso. An Mr. Hill schreibe ich ebenfalls. Von Susel und Alfred hatten auch wir Brief, der uns recht viel Freude gemacht hat. Hast Du mal etwas von Onkel Georg gehört? Alles, alles Gute mein liebes Kind, bleib gesund, ich grüße und küsse Dich innigst,
in herzlicher Liebe,
Deine Dir gute Muttel.
Nr. 116
August 4.41
Mein lieber, guter Junge!
Dein Brief vom 16.7. ohne Nummer kam gestern an, und ich hoffe, dass Du inzwischen die Papiere erhalten hast. Die Duplikate sende ich noch diese Woche. Muttel wird morgen an Dan Hill den Brief, wie Du wünschst, schreiben. Hanna ist jetzt auf einige Monate bei Emma, sie braucht sie nötig und wir können sie ja gut entbehren. Lisa Gossmann sagte mir gestern, dass sie von Hans ein neues Affidavit bekommen haben, das sehr gut ist. Er hat allein 2000 Dollar Einkommen aus Dividenden und eine sehr nette Praxis, bisher hat er immer so getan, als ob es nicht zum Salz fürs Brot reicht. Für die Beantwortung der Fragen zum neuen Affidavit gebe ich Dir nun von Muttel und mir die Angaben, die Du nicht genau weißt. Also Muttel besuchte in Berlin von 1890–95 die Bürgerschule, da die Mutter im Jahre 1889 starb und der Vater 95 nach England auswanderte, ging sie mit dem Vater 95 nach Manchester und besuchte dort von 96–98 eine höhere Schule, war dann dort im Geschäft des Vaters. 1905 starb der Vater und Muttel kam zurück nach Deutschland und war hier in Berlin von 1905–09 in 2 Stellungen, darunter bei F.V. Grünfeld als Verkäuferin und Dolmetscherin (englisch) tätig. Nov. 09 heiratete Muttel. Ab 1912 war Muttel in unserem Geschäft. Meine Person: Von 1886–90 besuchte ich eine private Vorschule in Berlin, von 90–95 dann, ebenfalls in Berlin eine Oberrealschule von Sexta bis Obertertia. (5 kam ich nach Katscher Oberschlesien in die Lehre als Destillateur von 1898–1902 in mehreren Stellungen in Ratibor, Nürnberg und Berlin tätig. 1902 besuchte ich dann eine Webschule, um in die Textilwarenbranche überzugehen und nahm dann von Ende 1902 –05 eine Stellung für eine Teppichfabrik in Katscher als Reisender an, die mich außer durch ganz Deutschland nach Dänemark, Schweden, Belgien, teilweise auch Italien, Frankreich und England führte. Von Mitte 1905–1911 war ich dann für eine Berliner
Teppichfabrik als Reisender in Deutschland tätig. Im Jahre 1912 gründete ich dann mit Muttel zusammen unser Textil-Kaufhaus in Großröhrsdorf, dass wir bis Ende 1938 besaßen.
Nun wirst du wohl alles, was du zu den neuen Papieren an Angabe brauchst, haben. Wieso musst du noch ein neues Affidavit haben, reicht Deins und Mr. Hills nicht aus? Auch wir hoffen, dass es trotz allem noch mit dem Visum klappen wird. Wir erfuhren erst jetzt, dass unser lieber Peter 39 gestorben ist, es ist sehr schade um ihn. Mein lieber Junge bleibe weiter gesund und halte den Kopf hoch. Mit herzlichen Grüssen und Küssen,
in Liebe Dein Vatel.