Curt Schönwald
Berlin-Schöneberg
Kolonnenstraße 10/11
Mr. Henry W. Wald 311 North 18th. street Lincoln–Nebraska
Nr. 117
15.8.41
Mein lieber Heinz!
Wir bekamen Deinen Brief vom 27.7. am 13.8., ohne Nummer. Ich bitte Dich die Briefe wie früher wieder zu nummerieren, da wir dann besser wissen, ob wir alles von Dir bekommen. Ich habe auch seit dem Brief 109 von mir über den Erhalt der weiteren Briefe keine Bestätigung von Dir, ebenso weiß ich immer noch nicht, ob Du Nr. 105 bekommen hast, der s. Zt. die Bestätigung der Duplikatpapiere enthielt. An Mr. Hill konnte ich auf den Brief nicht mehr Personal schreiben, da er schon fort war, ich habe aber President of usw. adressiert und hoffe, dass er so direkt in seine Hände gelangt ist. Die Adresse hatte ich ja auf der Fotokopie. Wegen der Auswanderungsangelegenheit kann ich hier nichts erfahren, ich hörte jedoch von mehreren Freunden und Bekannten, dass sie von dort aus geschrieben haben, es kommen neue Formulare und es dürfte aller Voraussicht ziemlich schnell gehen. Im allgemeinen wird in dieser Sache von dort ziemlich hoffnungsvoll geschrieben und wir müssen abwarten, hoffen von Dir auch sobald als möglich konkrete Angaben zu erhalten. Es freut mich ungemein, dass Du im Geschäft Erfolg hast und Zulage bekamst und alle Anforderungen, die an Dich gestellt werden, meisterst. Dein früherer Chef Michaelis, der noch in Dresden ist, hat sich von seiner Frau scheiden lassen, sie soll schon wieder verheiratet sein, die Töchter hat er. Wenn Du wieder mit Suse und Alfred zusammenkommst, würden wir uns sehr freuen, wenn sie einmal an einen Brief heranschreiben würden, was sie bei Lachmanns in St. Louis getan haben. Wenn es Dir möglich ist uns wieder wie einst regelmäßig alle acht Tage zu schreiben, so würdest Du uns damit eine sehr große Freude machen, wir werden immer prompt antworten. Hanna bleibt noch einige Monate bei Lachmanns.
Nun für heute herzliche Grüße und Küsse,
in Liebe, Dein Vatel.
Mein lieber Junge!
Mit Deinem lieben Brief freute ich mich ungemein, dass es Dir gut geht und dass Du weiter kommst und all das schaffst, was von Dir verlangt wird. Deine frühere Tätigkeit war doch so ganz anderer Art wie jetzt und es ist enorm viel, dass Du Dich so eingearbeitet hast, zumal Dir früher die schriftlichen Arbeiten gar nicht lagen, aber darauf kommt es nicht mehr an. Neulich waren wir bei Tworogers, sie warten auch zu ihren Kindern nach Chicago zu kommen, der Neffe Martin, Du kanntest ihn, fuhr zur selben Zeit wie Du, ist schon verheiratet und lebt bei New York. Uns geht es gut. Ein bisschen viel heiß habt Ihr es ja, aber auch das ist Gewohnheit. Dass es Susel und Alfred gut geht, macht mir viel Freude, grüße sie herzlichst von mir. Bleib gesund, mein lieber, gutes Kind.
Alles, alles Gute, in inniger Liebe, küsst Dich vielmals,
Deine Dir gute Muttel.