Curt Schönwald
Berlin-Schöneberg
Kolonnenstraße 10/11
Mr. Henry W. Wald 311 North 18th. street Lincoln–Nebraska
Nr. 118
18.8.41
Mein lieber Heinz!
Von Dir Nr. 116 vom 3.8. gestern erhalten. Leider ersehen wir aus dem Inhalt, dass die Aussichten zur Wanderung nach dort sehr trübe sind, aber trotzdem wollen wir beide den Mut nicht sinken lassen. Inzwischen bekam heute Frau Aschheim von ihrer Tochter Goldsmith auch Nachricht, aus der ich entnahm, dass sie von Dir einen Brief bekommen hat und es als selbstverständlich betrachtet Dich in jeder Beziehung auf dem Laufenden zu halten. Wie sie schreibt scheint U.S.A. jetzt alle Wanderungen von hier über Cuba zu leiten und will sie sich in dieser Sache genau informieren. Cuba ist ja eine teure Angelegenheit, leider, aber Alfred Gossmann hat es ja auch geschafft, obgleich er erst ein Jahr dort ist, er hat das Depot nicht von Hans, mit dem er ziemlich auseinander ist. Ich gebe Dir seine Adresse und frage ihn doch bitte an, wie er es gemacht hat. Er wird Dir alles mitteilen, denn ich war seiner Mutter sehr oft gefällig und auch seiner Frau. Adresse ist 562 – 5th Avenue, New York. Nun komme ich zu Deinem anderen Vorschlag, über Lothar zu reisen und war deshalb heute sofort beim Schweizerischen Generalkonsulat, das mir sachlicher und maßgebender als Lothar ist. Zunächst kommt die Ansässigkeit von Lothar in der Schweiz gar nicht in Betracht. Er kann nichts tun als sich beim dortigen amerikanischen Konsulat informieren, wenn unsere Papiere durch Dich dort sein können. Der Weg über die Schweiz ist gangbar und wäre ideal, da es kein Depot, usw. beansprucht, aber die Schweiz verlangt vom amerikanischen Konsulat in der Schweiz eine Bestätigung, dass wir dort das Visum bekommen und gibt dann hier bestimmt das Durchreisevisum. Ohne diese Bestätigung aber keinesfalls. Wie ist diese Bestätigung nun aber zu erreichen? Ein Aufenthalt bei Lothar ohne diese Bestätigung ist ausgeschlossen. Wenn der Konsul in der Schweiz uns bestätigt, natürlich auf Grund von Unterlagen von dort (USA), so bekommen wir auch das spanische und portugiesische Visum, das die Schweiz auch verlangt. Wie mit der Schweiz, so ließe sich das auch mit Lissabon machen, aber dort haben wir ja niemanden. Was Dir Alfred antworten wird, bin ich ja begierig zu hören. Dass Hans Dir bei dem Depot nicht helfen kann, ist bestimmt nur Flunkerei, denn nachdem ich sein Affidavit für seine Tanten gesehen habe, ist er wohl dazu imstande, aber wenn einer nicht will, ist nichts zu machen.
Wir erhielten gestern auch einen sehr langen Brief von Brauers, in dem sie auch schreiben, dass sie sich über Deinen Brief sehr gefreut haben. Sie müssen auch sehr schwer arbeiten, aber sind sonst sehr zufrieden. Wir sind alle wohlauf. Hanna bleibt vorläufig bei Lachmanns. Gib uns bitte weiterhin Nachricht, wir tauschen diese immer mit Frau Aschheim aus.
Herzliche Grüße und Küsse,
in Liebe, Dein Vatel.
Mein guter Junge!
Wir wissen genau, dass Du nichts unversucht lässt in unserer Angelegenheit und sehen der Sache in Ruhe entgegen, sollte es irgendwie klappen, das wäre ja wunderbar schön, aber wenn nicht, werden wir uns auch in Geduld zu fassen wissen. Auch wir hatten diesen Sommer eine Zeit lang mit 30 Grad, was schon recht unangenehm war, aber das ist ja alles Gewohnheit. Vielen Eltern geht es so wie uns, alle müssen abwarten. Ich bin glücklich, wenn ich von Euch dreien höre, dass Ihr glücklich und zufrieden seid. Ich grüße Dich innigst, bleib gesund,
in inniger Liebe,
Deine Dir gute Muttel.