Curt Schönwald
Berlin-Schöneberg
Kolonnenstraße 10/11
Mr. Henry W. Wald 311 North 18th. street Lincoln–Nebraska
Nr. 120
September 4.41
Mein lieber Junge!
Nr. 118 vom 16.8. haben wir erhalten und freuen uns sehr, dass Du uns für so vernünftige Eltern hältst. Gegen Tatsachen können wir nicht ankämpfen, an denen muss man vorbeigehen und es hat keinen Zweck darüber zu jammern, damit erreicht man nichts und belastet bloß den anderen Teil unnötig. Nach dem vielen Schwerem, was wir schon durchgemacht und überstanden haben, werden wir auch noch alles, was für uns kommt, unbedingt tragen, in der Hoffnung, dass doch einmal eine Möglichkeit sein wird uns zu vereinen, zumal wir davon überzeugt sind, dass Du nichts in dieser Beziehung versäumt hast und auch weiterhin alles tun wirst, was in Deinen Kräften steht. Es wird jetzt hier wieder viel erzählt, dass der portugiesische Konsul das kubanische Visum erteilen soll, aber leider kann man nichts genaues erfahren, da man an die maßgebenden Stellen nicht herankommt. Jedenfalls wirst Du dort wohl jetzt alles wegen der Wanderung besser erfahren, als wir hier. Gib nur nicht unnötig Geld aus, wenn keine Aussicht ist. Hast Du etwas gehört, wie es Onkel Hugo geht? Sonst ist bei uns alles beim Alten, wir sind alle gesund und kommen in der Woche mehrmals zusammen.
Für heute sende ich Dir herzliche Grüße und Küsse,
und bin in Liebe, Dein Vatel.
Mein geliebter Junge!
Dein lieber Brief hat uns wieder einmal so recht erfreut und danken wir Dir herzlich dafür. Für uns ist es selbstverständlich, uns mit Tatsachen abzufinden und hinterher zu jammern haben wir immer als sinnlos gehalten. Wir sind dem Schicksal dankbar, dass Du Fuß gefasst hast drüben und dass es Dir gut geht, ebenso Susel und Alfred und dass wir so gute Kinder haben. Uns bleibt die Hoffnung auf eine Wiedervereinigung und das ist auch etwas sehr Schönes. Robert Plocki hatte alles in Cuba fertig, bekam aber das Visum nicht mehr. Michaelis in Dresden, sowohl er wie seine geschiedene Frau, haben wieder geheiratet, natürlich jeder jemand anderes. Beide zeigen zur gleichen Zeit ihre Vermählung an, auch originell, nicht? Hoffentlich war es nett in Sioux City. Hanna ist bei uns wohnen geblieben, aber geschah nichts übereiltes, Du hast es damals in unserem Interesse gut gemeint, wir waren Dir deshalb niemals böse. Tworogers geht es genauso wie uns, obwohl ihr Sohn alles versucht hat, gelang es ihm nicht. Mrs. Goldsmith wird Dir gewiss erst schreiben, wenn sie etwas Näheres weiß.
Herzinnige Grüße und einen fürchterlichen Knutsch,
in Liebe,
Deine Muttel.