Curt Schönwald
Berlin-Schöneberg
Kolonnenstraße 10/11
Mr. Henry W. Wald 311 North 18. street Lincoln -Nebraska
Nr. 122
September 29.41
Mein lieber Junge!
Wir hatten am 16ten dieses Monats Deinen Brief 119 woraufhin ich Dir nochmals kabelte, und warteten auf Brief, der bis heute nicht kam. Dagegen ging soeben Dein Kabel ein. Ich hatte mir schon Vorwürfe gemacht, dass Du Dich in schwere Geldsorgen stürzen wirst, um uns zu helfen. Ich bin so felsenfest davon überzeugt, dass Du alles versucht hast und es ist traurig, dass kein Erfolg zu erzielen war. Ist es auch Hans nicht möglich Dir und uns zu helfen? Nun mache Dir keine Sorgen, behalte Du den Kopf hoch, wir werden es auch tun und müssen abwarten, was kommen wird. Ich versuche augenblicklich das Vorvisum für USA in Barcelona zu bekommen und es ist möglich, falls die Sache weiter Aussicht hat, dass ich Dir nochmals kabele, sofern Du von dort etwas erledigen musst. Weiter möchte ich Dich bitten immer in Verbindung mit Frau Goldsmith zu bleiben. Sie ist sehr dahinter ihre Mutter herüber zu bekommen und zwei erfahren doch immer mehr als einer. Ferner setze Dich sofort in Verbindung mit der Tochter von meinem Vetter Rosenthal, mit Ilse Schäfer, Houston, Texas, Isabella 2424, die in Washington sehr gute Verbindungen haben und hoffen dort etwas zu erreichen. Die Muttel kümmert sich hier viel um ihren Vater, da er Witwer ist und näht ihm oft seine Sachen. Ich habe mich überzeugt, dass durch den Vermittler Rosenack eine Anzahl nach Cuba von hier gekommen ist, sofern man das Geld dort aufbringt. Die Passage ist kein Problem und wird von hier aus bezahlt. Nun, mein lieber Junge, bitte ich Dich, wegen des Fehlschlags nicht traurig zu sein, einmal wird es schon klappen und Du wirst, davon bin ich überzeugt, gut aufpassen und jede Gelegenheit prüfen, wenn es soweit ist, nur gib nicht unnötig Geld aus. Ich bleibe ebenfalls dabei Möglichkeiten zu finden, die uns eine Wanderung aussichtsreich erscheinen lassen. Gib uns immer recht bald Bescheid, schreibe regelmäßig, dann sind wir schon zufrieden.
Mit herzlichen Grüßen und Küssen,
in Liebe, Dein Vatel.
Halte Dir trotz der Absage Dan, vielleicht brauchst Du ihn noch.
Mein guter Junge,
Sei nicht traurig, dass es Dir nicht geglückt ist, jetzt das Gewünschte aufzubringen, wir sind überzeugt, dass Du Dein Möglichstes getan hast und wir werden abwarten, wie so viele. Die Hoffnung bleibt uns und die Freude, dass es Dir und Deiner Schwester nebst Mann gut geht. Wir sind gesund, was ja das Wichtigste ist. Wir haben im Haus hier sehr nette Damen, die wir oft sehen und haben alle das gleiche Ziel, vereint mit unseren Kindern zu sein. Wir haben schon recht herbstliche, kühle Tage, bald wird der Winter seinen Einzug halten. Wie ist es denn jetzt bei Euch? Plockis wollen uns demnächst besuchen, sie hören viel Gutes von Walter, was mich sehr freut. P.’s haben jetzt gar keine Aussicht wegzukommen. Nun, mein Guter, lass den Mut nicht sinken, kommt Zeit, kommt Rat. Bleib uns gesund und sei innigst gegrüßt und geküsst,
von Deiner Dir guten Muttel.